Da staunt man Bauklötze

Der Tehnopark in Celje begeistert aus technischen Gründen - auch in der Pfalz

Slowenien habe ich dieses Jahr zum ersten Mal bewusst wahrgenommen", sagt Christian Hennicke. Als Koordinator einer Gruppe von sechs Lehrkräften besuchte er die Stadt Celje, "um internationale Kontakte in Sachen Robotik aufzubauen". Der 53-jährige Realschullehrer für Chemie und Physik aus Bad Dürkheim koordiniert zurzeit mit einem Kollegen die regionalen Kompetenzzentren im Digitalen Kompetenzzentrum des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz und dabei auch das RoboLab-Projekt "make.code.create". "Natürlich passte da ein Besuch im Wissenschaftspark der Stadt", sagt Hennicke. "Die vielen interaktiven Angebote bringen einen einfach zum Staunen."


Andreja Erjavec, Direktorin des Tehnoparks Celje, meint: "Wir sind der erste Wissenschaftspark in Slowenien und bieten einen kreativen Ansatz, um Menschen unterhaltsam mit Technologie und Wissenschaft in Kontakt zu bringen." Die 55-Jährige ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und hat zwei Kinder. "Unser Programm richtet sich an alle, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen. Wir unterstützen auch das öffentliche Bildungswesen, das mit der rasanten technologischen Entwicklung nicht mithalten kann. Deshalb arbeiten wir eng mit Lehrkräften aus Grund- und Mittelschulen zusammen." Die Direktorin besitzt einen Pilotenschein: "Schade ist nur, dass ich wegen der Arbeit hier nicht mehr so oft zum Fliegen komme. Aber auch dafür haben wir ein Programm." Der Park bietet nämlich nicht nur Themen vom Flaschenzug, Demonstrationen zu Mathematik und klassischer Physik über begehbare Räume mit optischen Täuschungen, Kunststoff-Modelle zur Erkundung des menschlichen Körpers bis hin zu einem kleinen Planetarium sowie Robotikprogrammen und Künstlicher Intelligenz. "Sehr cool fand ich das interaktive Flugabenteuer mit VR-Brille, bei dem man das Fliegen wie ein Vogel erleben kann", meint Hennicke. Für Erjavec ist das zwar "kein Ersatz für richtiges Fliegen. Aber wir präsentieren Technologie erlebbar." Sie wurde 2020 die erste Angestellte des Parks. "Er wird von der Stadtverwaltung und aus europäischen Mitteln finanziert. Aber auch Unternehmen unterstützen uns, etwa die Firma Dewesoft, die auch mit der NASA kooperiert."


Der Wissenschaftspark befindet sich in einem neu errichteten Gebäude. Er erstreckt sich auf 4000 Quadratmetern über drei Etagen, mit 57 Exponaten und mit Konferenz- und Präsentationsräumen, einem "kulinarischen Klassenzimmer" und einem Labor. Die Besucher werden ermutigt, selbständig auf Entdeckungsreise zu gehen. Jede Station enthält Hinweise für die Nutzung, und ein Team steht für Hilfestellungen bereit.

Zu diesem Team gehört auch Masa Jazbec. Die 42-jährige Robotik-Expertin ist seit 2023 dabei: "Ich habe mich der Wissenschaft und Robotik verschrieben." Jazbec studierte zunächst Kunst in Maribor und später im Bereich Interface Cultures das Fach "Neue Medienkunst" in Linz. Danach promovierte sie in Empowerment-Informatik an der Universität Tsukuba in Japan. Sie erklärt: "Unsere Roboter im Tehnopark können schreiben, zeichnen und sogar durch Gedanken gesteuert werden. Im April hatten wir ein Robotik- Festival, bei dem wir auch Industrie- und Rehabilitationsroboter auf kreative Weise vorstellten." Ein besonderes Projekt sei der Roboter Teo. "Er erlangte nach seinem Auftritt bei 'Slovenia's Got Talent' landesweite Aufmerksamkeit. Teo war kürzlich Moderator im Ministerium für Digitalisierung." Die 34-jährige Marketing-Expertin Marjeta Gmajner besitzt einen Master in Management und ist eine von zwölf Frauen im festangestellten Team von 16 Mitarbeitern. "Wir sprechen alle an, versuchen aber gerade auch Mädchen und junge Frauen für Wissenschaft und Technologie zu motivieren", erklärt sie. 2020 wurde der Park inmitten der Pandemie eröffnet. "2021 hatten wir etwa 25.000 Besucher, 2023 sind es schon

45.000 gewesen. Nach der Burg der Grafen von Cilli ist unser Park die am zweithäufigsten besuchte Touristenattraktion in Celje und der Region." Viele Besucher kämen aus Kroatien, Ungarn, Italien und anderen Ländern.


Dafür verantwortlich sei auch das Gesamtkonzept, erklärt Erjavec: "Wir aktualisieren unser Programm laufend und passen es an Entwicklungen an. So zum Beispiel nach der Flutkatastrophe von 2023 mit einem Modell, das den Einfluss von Wassermassen auf unterschiedliche Bebauungsformen an Flussufern demonstriert." Die Guides bieten Führungen in verschiedenen Sprachen an. Klara Ramsak Foric ist eine dieser Guides. Die 26 Jahre alte Absolventin eines Kulturologiestudiums in Ljubljana führt seit zwei Jahren Besucher durch den Tehnopark, darunter etwa ein Fünftel Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie meint: "In unserem Programm kann man auch erfahren, wie unverzichtbar direkte menschliche Kommunikation und analoge Kompetenzen sind. Denn die meisten Besucher lesen die Anweisungen der Exponate nicht und verpassen so das eigentliche Erlebnis." Das passiere auch häufig bei der "Kammer zum Erleben der Welt von Blinden", wie Familie Ekler aus Ungarn bestätigen kann. József Ekler, 53-jähriger Projektmanager, ist wegen eines Leichtathletikwettbewerb für Senioren nach Celje gekommen und nun mit seiner Familie im Tehnopark. Die 51-jährige Imola Ekler las zuerst die Instruktionen vor dem Eingang zur Kammer, zog dann eine Maske über die Augen und ging tastend los. "Mit verbundenen Augen kamen mir Entfernungen viel größer vor, als ich sie danach sehend wahrgenommen habe", sagt sie. Ihr 13-jähriger Sohn Botond machte es anders: "Ich habe zuerst in den Raum geschaut, bevor ich die Maske aufsetzte", gibt er zu. "Mir kamen die Entfernungen dann aber kürzer vor, als ich sie zuvor eingeschätzt hatte."


Solche Erfahrungen haben auch Hennicke fasziniert. Er habe viel gelernt, "besonders über CLIL, die Verbindung von Sprachenlernen und Robotik". Wenn er mit einer Schulklasse nach Celje komme, sei der Tehnopark fest eingeplant. "Durch solche Wissenschaft zum Anfassen lernen die Kinder viel mehr als in zehn Physikstunden."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.10.2024, S. 26 - Urh Strakl, Janez Petricek, Jure Skrbinsek Discimus Lab, Videm pri Ptuju

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