Der Klient ist hin und weg

Ein Schauspieler litt unter Schlafstörungen. Da probierte er es mit Hypnose und therapiert nun andere.

Ich will auf keinen Fall die Kontrolle verlieren und sie jemandem überlassen, der über mich bestimmen kann und mich Dinge tun lässt, die ich nicht will." Das sind Ängste, die Menschen äußern, wenn sie das Wort Hypnose hören. Doch das sei ein völlig falsches Bild, erklärt Eric Hättenschwiler. "Es gibt verschiedene Ausbildungssysteme: solche, die nur Mediziner und Psychologen machen können, und die, die jeder einfach so machen kann.

Letztere werden mit Onlinemodulen durchgeführt und dann an Testklienten erprobt. Ich habe die 'Omni-Hypnosis-Ausbildung' absolviert. Sie dauert ein halbes Jahr und beinhaltet viel praktische Arbeit."


Zur Hypnose kam er durch eigene Erfahrung. Der 51-Jährige gehört zur Schweizer Theater- und Musikszene. Er schreibt, produziert und übersetzt - aber am liebsten steht er auf der Bühne oder vor der Kamera. "Durch den Stress und die unregelmäßigen Arbeitszeiten als Schauspieler litt ich unter Schlafstörungen und besuchte deshalb eine Schlaftherapie. Mein Therapeut fragte mich, ob ich es nicht einmal mit Hypnose versuchen wolle." Das habe Wunder gewirkt. "Heute schlafe ich wieder wie ein Baby." So begann er sich intensiver damit auseinanderzusetzen. "Die Hypnose hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen."


In der Regel besuche der Therapeut seinen Klienten ein- bis dreimal. Eine erste Sitzung dauere drei Stunden. Hättenschwiler versucht, den Betroffenen möglichst gut kennenzulernen und herauszufinden, worum es geht. "Ich bin kein Arzt, ich darf keine Diagnosen stellen, und ich sage nie, dass ich jemanden heilen kann. Was ich aber anbieten kann, ist, an die Ursache eines Problems zu gehen. Das macht im Prinzip bei allem Sinn, was einen stört." Dabei gehe es auch um Selbstverantwortung. "Die Voraussetzung dafür, dass eine Hypnose funktioniert, ist, dass die Person versteht, wie das Problem in unser Gehirn gekommen ist und was wir tun, um es zu verändern." Bei Phobien sei der Erfolg leicht zu überprüfen. "Leidet jemand unter Klaustrophobie, kann er sich nach der Hypnose in einen engen Raum begeben." Schwieriger sei es, wenn jemand an seinem Selbstbewusstsein arbeiten will.


Die Wissenschaft stelle sich immer noch die Frage, wie Hypnose genau funktioniere, aber es sei erwiesen, dass sie viel bewirken könne. Dafür werde das Unterbewusstsein benötigt. "Man kann es sich wie einen Eisberg vorstellen." Unter Wasser seien alle Gewohnheiten und Emotionen verborgen, alle Erfahrungen und Ängste. "Wir sind die Sammlung dessen, was wir erlebt haben. "Den leichten Zustand der Hypnose erleben wir ständig. Mindestens

zweimal am Tag sind wir in Trance - beim Aufwachen und kurz vor dem Einschlafen. Außerdem wenn man ein Buch liest oder einen Film schaut. Dieser Zustand ähnelt dem Spielen von Kindern, wenn sie völlig versunken sind."


Hättenschwiler wendet die ursachenorientierte Hypnose an. "Wenn man in der Trance an den Ort des Ursprungs gehen kann, die Bilder vor Augen hat und versteht, was mit einem in diesem Moment passiert ist, kann man das Gefühl umkehren." Seine Klienten suchen meistens Hilfe bei Allergien oder Phobien. Vereinzelt unterstütze er bei Suchtproblemen. "Bisher habe ich 80 bis 100 Personen therapiert." 80 Prozent seien zwischen 30 und 55 Jahre alt. "Man kann niemanden hypnotisieren, der es nicht will." Es gebe zwar Unterschiede, wie schnell man sich auf die Hypnose einlässt, aber bisher hätten alle seine Klienten es zugelassen. "Ich bemühe mich, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie nichts falsch machen können. Jede Hypnose, die ein Therapeut macht, ist eine Selbsthypnose.

Klienten müssen mit sich selbst arbeiten - ich bin lediglich der Guide." Das Ergebnis liege in der Regel über den Erwartungen. "Die meisten denken: Ich bin so verkopft, bei mir funktioniert das bestimmt nicht. Und dann sind sie verblüfft, wenn sie wieder in ihrem Kinderzimmer stehen und ihnen der Grund des Problems bewusst wird."


Was aber, wenn die Hypnose nicht wirkt? "Im besten Fall ist das Problem gelöst oder zumindest besser, im schlechtesten Fall hat man eine Methode gefunden, mit der man sich wunderbar entspannen kann." In bestimmten Situationen müsse man jedoch aufpassen: "Wenn man zum Beispiel eine Psychose hat oder Medikamente nehmen muss, dann muss es immer eine Absprache mit dem Arzt geben. Es gibt Traumata oder Krankheiten, bei denen ich für mich sage: hier sicher nicht." Wenn jemand eine starke Psychose habe, sei die Gefahr groß, Trigger zu treffen, die etwas auslösen, das die Person nach der Hypnose nicht mehr selbst bewältigen könne. Es sei Teil seiner Arbeit, mögliche Risiken zu erkennen.


"Man kann mithilfe der Hypnose auch den Schmerz im Gehirn abschalten. Er ist dann zwar noch da, aber er macht einem nichts mehr aus." Das habe wieder eine Operation im Kantonsspital Baden gezeigt, die unter Hypnose und ohne Narkose durchgeführt wurde. "Wir sind uns gar nicht bewusst, was wir mit unserem Geist alles machen können." Woher kommt dann die Angst vor der Hypnose? Viele glauben, sie seien in Trance willenlos und könnten manipuliert werden. "Vor allem Filme oder auch Show-Hypnosen vermitteln ein sehr falsches Bild. Früher im Fernsehen kamen manchmal Leute auf die Bühne und machten 'ungewollt' Dinge in Trance." Gegen seinen Willen könne man aber nicht hypnotisiert werden. "Wir sind im Moment der Trance die Herrscher des Augenblicks. Das heißt, jeder, der auf die Bühne geht und sich dort lächerlich macht, muss das auch zulassen

- sonst würde es nicht funktionieren."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Januar 2025, Nr. 22, S. 24 - Lillah Busslinger Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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