Die Frisur kommt in Fahrt

Mit einem umgebauten Transporter macht eine Friseurin mobil

 

Ich wollte selbständig etwas machen, aber ich wollte nicht an einen fixen Ort gebunden sein, weil mir sonst nach drei Monaten langweilig wäre." Mit ihrem eigenen mobilen Friseursalon hat die 30-jährige Vanessa Aellig aus Madetswil in der Schweiz ihr Ziel umgesetzt. Ihr fahrbarer Salon mobilisiert das traditionelle Coiffeurerlebnis.

 

Aellig hat lange, lockige dunkle Haare. Ihr Coiffeurmobil, ein umgebauter weißer Renault Master Transporter, ist der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Außen glänzt der goldene Schriftzug "Nessa's Hairstyle", verziert mit einer Krone. Die Wände im Innenraum sind weiß gestrichen, Lampen in der Decke erhellen den Raum. Der Wagen ist mit einem großen goldenen Stuhl für die Kunden ausgestattet und verfügt über mehrere Spiegel, wie in einem herkömmlichen Salon. Ein Becken mit fließend warmem Wasser, das aus einem Tank im Transporter kommt, ermöglicht die Haarwäsche. Eine kleine Lounge für wartende Besucher darf auch nicht fehlen. Die Inhaberin sitzt auf einem rollbaren Stuhl und bewegt sich geschickt im Wagen. "Ich wollte genügend Platz, um richtig arbeiten zu können. Das war mir von Anfang an sehr wichtig." Der Wagen zeugt von ihrer Kreativität und Begeisterung für ihr Geschäft. Im Innern finden sich überall goldene Verzierungen. Es gibt sogar eine Schminkecke sowie eine Auswahl an Haarpflegeprodukten und Parfüms, die sie zum Verkauf anbietet. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Mit 27 Jahren beschloss Aellig, sich selbständig zu machen. Nach vielen Vorbereitungen kam dabei ihr Coiffeurmobil heraus. "Das Schwierigste war, dass ich mir am Anfang das Ganze immer vorstellen musste. Ich hatte nur einen Plan und Papierkärtchen der Einrichtungsgegenstände, mit denen ich dann herumprobiert habe. Aber am Schluss ist es genauso herausgekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte."

 

Sie parkt ihr Coiffeurmobil momentan bei ihren Eltern auf dem Bauernhof. Dieser liegt etwas außerhalb von Madetswil auf einem Hügel. Die Anfahrt ist steil und führt durch ein Wäldchen, bevor man in die Einfahrt kommt. Dort steht der Wagen dann auf einem überdachten Parkplatz. Für Aellig ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie auch stationär arbeiten kann. "Es ist viel aufwendiger als in einem normalen Friseursalon. Man muss an viel mehr denken. Der Raum muss immer vor dem Arbeitstag geheizt werden, der Wassertank muss voll und das Auto geladen sein."

 

Ihr Wagen eignet sich perfekt für Märkte, Festivals oder andere Events. Sie braucht nur einen Standplatz, und schon kann sie mit dem Frisieren beginnen. "Ich habe im mobilen Salon alles dabei. Der Raum erzeugt gutes Licht und eine angenehme Atmosphäre. Außerdem schätzen die Kunden, dass sie durch die Einzelbetreuung mehr Privatsphäre haben." Nicht wenige schauen auch nur aus bloßer Neugier vorbei. "Viele Passanten halten an und reden mit mir, wenn ich gerade nichts zu tun habe."

 

Doch es ist nicht immer leicht, ein so großes Gefährt an einem guten Ort abzustellen. "Das Schwierige ist, dass man durch Parkplätze eingeschränkt ist. Das macht es vor allem in der Stadt etwas komplizierter." Auf Nachfrage und mit einem Anfahrtspreis verbunden kann man den Transporter zu sich in die Nachbarschaft bestellen. So hat sie auch schon vor einem Krankenhaus die Haare von Patienten geschnitten. Mit einem strahlenden Lächeln erzählt sie, wie ihre Reise sie einmal nach Bern zu einer Kollegin geführt habe. "Ich machte ihr gerade farbige Zöpfe in die Haare, als die Kinder aus der Nachbarschaft dies sahen. Sie waren alle total begeistert und fragten, ob ich noch länger bleiben würde. Es kam dann so, dass ich dort übernachtet habe, weil alle Kinder farbige Zöpfe wollten und ich nicht alle an einem Tag durchbrachte. Solche Erlebnisse sind es, die mir am meisten Spaß machen."

 

Demnächst will sich Aellig einen neuen Standort für ihr Coiffeurmobil suchen. Der Bauernhof ist ihr etwas zu abgelegen. Was sonst noch anstehe, wisse sie nicht allzu genau. "Mein Motto ist es, einfach ein bisschen mit dem Fluss des Lebens zu gehen. Im Laufe des Lebens ergeben sich immer wieder neue Ideen und Projekte, an denen ich arbeiten kann."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2024, Nr. 138, S. 26 - Nils Frei. Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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