Dort segelt man gern durch die Prüfun

Gereon Verweyen hat Ende der 70er-Jahre auf der Insel Elba ein Segelzentrum aufgebaut


Segeln, das ist Gemeinschaftsgefühl, Naturverbundenheit, Abenteuer - und das alles auf engstem Raum. Gereon Verweyen ist ein Mann, der einst auszog, um sein Glück zu suchen, und es gefunden hat. Schon sein Äußeres - sonnengebleichtes Haar, gebräunte Haut und ein lockerer Gang - verrät, wo: Auf der Insel Elba hat er Ende der 70er-Jahre ein Segelzentrum auf- und ausgebaut, um es vor gut zwei Jahren seinen Kindern zu übergeben. Bei der wöchentlichen Begrüßung der Gäste und dem Spaghetti-Kochen auf dem Abschiedsfest spielt er nach wie vor eine Hauptrolle.


Vom Segeln war Verweyen seit jeher fasziniert. Bereits als Kind baute er sich ein Boot, um auf dem Rhein herumzusegeln. Später fuhr er an den Wochenenden mit Freunden von Köln nach Holland zum Segeln. Doch lange blieb es nur ein Hobby. Er studierte Jura und später Photoingenieurwesen. Mit 28 Jahren wurde ihm klar: "Das ist es letztendlich nicht", und er wagte den Ausstieg. Um "irgendwie im Tourismus am Meer" arbeiten zu können, erkundete er die Westküste Italiens. Seine einzige Anforderung: Die Arbeit muss selbständig sein. Sein Augenmerk fiel auf Elba, eine liebliche toskanische Insel. "Irgendwo auch ein Seglerparadies." Er landete am ersten Abend in Bagnaia, einem Ort mit nur 50 Einwohnern an der Nordküste. "Ich war in einem Strandrestaurant. Die Kellner lieferten das Essen und sangen dabei die Pink-Floyd-Lieder mit." Und es gab auch noch eine kleine Segelschule. "Da habe ich mir gesagt, das ist genau der Ort, der zu mir passt." Er verbrachte ein paar Monate als Segellehrer in Bagnaia, bis er dem Vorbesitzer anbot, die Schule zu kaufen. "Die größte Herausforderung war, die richtige Werbung zu machen. Und das war damals ohne Internet gar nicht so einfach." Die Lösung: Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften sowie tatkräftige Unterstützung durch die Familie. "Ich habe drei Schwestern. Die haben alle mal mein Büro in Köln geleitet." Nur mit Fax und Telefon war es aber "noch sehr schwierig, das schnell und gut abzuwickeln". Als er dann seiner späteren Frau Helga begegnete, "ging der Aufbau der Segelschule sehr schnell".


Wo früher sieben Boote waren, liegen heute mehr als 100. Zusammen mit seiner Frau baute Verweyen die Segelschule aus. "Sie hatte immer sehr gute Ideen. Und ich musste die dann umsetzen." Aus einem kleinen Haus am Strand entstand mit viel Fleiß eine professionelle Segelschule mit kleiner Werft und Büro. Inzwischen ist Werbung überflüssig, Gäste und Lehrer kommen wie von selbst. "Ja, auch daran ist eigentlich die Helga schuld." Jeder kennt das Problem: Programm für Erwachsene und Kinder. Doch noch zu unreif für die Erwachsenenkurse und schon zu alt für das Kinderprogramm, mögen Teenager

nirgendwo so richtig dazupassen. Helgas Lösung: Alle Kurse werden auf drei Ebenen angeboten: Kinder, Teenies und Erwachsene. "Wir wollten, dass die Menschen sich wirklich kennenlernen und dass sie auch ein bisschen was von der Insel zu sehen bekommen." So erwuchs die Idee der abendlichen Unternehmungen: Ob Wanderung, Segeltörn, Ausflug ins nächste Städtchen oder einfach ein Beachvolleyballspiel, und ein Freund oder eine Freundin kommen gratis obendrauf. Die Gäste kommen wieder.


Eine Schwierigkeit blieb: in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft angenommen zu werden. "Wenn du als Tourist in so ein kleines Dorf kommst, bist du natürlich okay. Du bist ein zahlender Gast und trinkst was. Aber wenn du dich dann auf einmal hier ansiedelst, dann wirst du doch irgendwo zum Ausländer, zum Gastarbeiter." Die anfänglichen Anfeindungen gingen bis zur Sabotage und Sachbeschädigung, "alles hat dann aber doch ganz gut geklappt". Spätestens mit der Geburt seiner drei Kinder besserte sich das Verhältnis deutlich. "Auf einmal waren wir eine Familie, die gehörte nach Bagnaia."


Im Vergleich zu anderen Dörfern, in denen reihenweise Schundläden für Touristen die Promenade verschandeln, ist Bagnaia ursprünglich. Verweyen habe es abgelehnt, das eine oder andere Restaurant oder Hotel zu kaufen, "weil wir ein Teil in dem Dorf sein wollen und nicht dann auf einmal das ganze Ding übernehmen und das Dorfleben kaputtmachen".

Anstatt den einheimischen Betrieben die Arbeit wegzunehmen, begann das Paar, die Geschäfte und Restaurants zu unterstützen. Das begann mit der Vermittlung von Ferienwohnungen. Der nachhaltige Tourismus ermöglichte es, die Häuser zu renovieren, den Dorfplatz zu gestalten, inzwischen gibt es einen wöchentlichen Markt, und die Gemeinschaft zu fördern. So haben die Verweyens dazu beigetragen, dass das Dorf Aktionen wie regelmäßige Reinigungen und Pflege der Grünflächen und Straßen, zumeist in Eigenregie, organisiert. Dies ist erforderlich, da die Bagnaiaesen mit ihren 50 Wählerstimmen nicht den größten Einfluss auf die Gemeindeverwaltung haben und sich oft selbst helfen müssen. "Im Grunde ist das Ganze ein kompletter Familienbetrieb geworden", sagt der 74-Jährige.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2024, Nr. 168, S. 26 - Frederik Solzin, Droste-Hülshoff-Gymnasium, Berlin

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