Der Spielfilm einer Schule aus Celje hat international Erfolg - auch wegen des autistischen Hauptdarstellers
Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?", fragte 1972 der Meteorologe Edward N. Lorenz und prägte den Begriff des Schmetterlingseffekts. Welche Auswirkungen das "Flüstern eines Schmetterlings" im
slowenischen Celje haben kann, zeigt ein gleichnamiges Filmprojekt der Mittelschule für Maschinenbau, Mechatronik und Medien der Stadt. "Sepet Metulja", so der Originaltitel, kam 2023 in die Kinos. "Unsere Schule ist eine der wenigen weltweit, die Jugendfilme in Spielfilmlänge für das Kino produziert und Schülerinnen und Schüler in den Filmprozess einbezieht", sagt der Regisseur des Films, Alen Pavsar. So könnten die Jugendlichen praktische Filmerfahrungen sammeln, aber auch ihre eigene Entwicklung voranbringen und das gegenseitige Verständnis fördern. Der 17-jährige Ali Ogrizek ist einer der rund 200 Schüler, die an "Sepet Metulja" mitgearbeitet haben. Mehr als 30 von ihnen gehörten zum Kernteam. Doch Ali freut der Erfolg besonders, denn er ist der Hauptdarsteller. "Ein freundlicher, positiv eingestellter junger Mann, gut 1,70 Meter groß, schlank und mit braunen Haaren." So beschreibt ihn Mateja Zorko Pavsar. "Und wenn sich ihm jemand aufmerksam zuwendet, dann leuchten seine braunen Augen, und er drückt dieser Person vielleicht sogar ein kleines Herz in die Hand, das es nur von ihm gibt." 2012 wurde bei Ali eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. "Aufgrund dessen hatte er mit vielen Schwierigkeiten, Zweifeln und Mobbing zu kämpfen", sagt Pavsar. Er hätte nie gedacht, einmal ein Filmstar werden zu können. "Meine Klassenkameraden in der Grundschule mochten mich nicht", erzählt Ali. "Weil ich anders war. Es ist nicht leicht, ich zu sein. Und mit den meisten Lehrern konnte ich keine gemeinsame Sprache finden. Sie wollten mich zwingen, so zu sein wie sie selbst und die meisten anderen auch." Aber das konnte er nicht. Denn er sieht die Welt anders als andere. Nun steht er im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Und das kam so. Als er 2020 Schüler an der Mittelschule wurde, erzählte er seiner Betreuerin Zorko Pavsar schon beim ersten Treffen, dass er auch etwas Besonderes leisten könne und nicht wertlos sei, wie ihm immer wieder Leute gesagt hätten. "Und dass er das sogar vor einer Kamera beweisen wollte", wie Zorko Pavsar berichtet. Die 47-jährige Erzieherin und Buchautorin hat mit ihrem Mann Alen, der ebenfalls an der Medienschule arbeitet, drei Kinder, zwei davon adoptiert, eines aus Ghana und eines aus Sierra Leone. Das Lebensmotto des Paars lautet: "Unterschiede machen uns einzigartig." Der 37-Jährige graduierte an der Akademie für Multimedia in Ljubljana und arbeitet als Regisseur, Film- und Videoproduzent. 2014 brachte das Ehepaar mit "Vloga za Emo" ("Eine Rolle für Ema") seinen ersten Spielfilm ins Kino. Im selben Jahr wurde er der meistgesehene slowenische Film in den Kinos des Landes. Das Besondere daran ist, dass er von Schülern mit Unterstützung von Filmprofis gemacht wurde. Zu der Zeit, als Ali in die Mittelschule in Celje kam, suchte das Ehepaar Pavsar nach einem Schauspieler für die Hauptrolle in "Sepet Metulja". Mateja hatte das Drehbuch geschrieben, Alen wollte es als Regisseur produzieren. "Wir erkannten sofort das Potential von Ali, das, was ihn besonders und einzigartig macht", sagt er. "Natürlich liefen die Dinge bei den Proben nicht ganz reibungslos, aber Alis Talent war offensichtlich." Im Sommer 2022 begannen die Dreharbeiten. Ali erinnert sich daran "als die schönste Zeit meines Lebens". Er habe keine Erfahrung als Schauspieler gehabt, "aber Alen hat mich angeleitet und manchmal meine Seele erforscht und mich zum Lachen oder Weinen gebracht". Der Film erzählt die Geschichte von Jan, einem 17-jährigen Autisten, der sich für Mechatronik begeistert. Er kommt in eine Klasse, die sich bei einem internationalen Unternehmen um ein Stipendium bewirbt, um Software für ein KI-gesteuertes Belüftungssystem zu entwickeln. Doch die Klasse wird von einem rücksichtslosen Lehrer
geleitet, der die besonderen Bedürfnisse der Schüler nicht akzeptiert und sie nach seinen hergebrachten Methoden unterrichtet. Jan sorgt dafür, dass die Gruppe trotz aller Behinderungen ihr Ziel erreichen kann. Der Film folgt dem Motto "Andersartigkeit kann Einzigartigkeit sein", eine Botschaft, die langsam Herzen öffnet und Tabus bricht - sowohl für die Hauptfigur im Film als auch für dessen Darsteller Ali Ogrizek.
Für die Produktion des Films war finanzielle Unterstützung wichtig. Die Stadt Celje und Sponsoren der Region halfen. Auch das Slowenische Filmzentrum unterstützte. Den größten Teil steuerte das Unternehmen MIK Celje bei. Dessen 52-jähriger Direktor, Franci Plibersek, hatte Zorko Pavsar dazu motiviert, das Drehbuch zu schreiben. Film und Buch sollten sich an der Geschichte eines jungen Mannes orientieren, den Plibersek persönlich kannte. Er habe so einen Einblick in das Denken, Fühlen und Verhalten von Jugendlichen mit Autismus ermöglichen wollen. "Franci war nach der Premiere sehr stolz auf die Filmcrew", berichtet Alen Pavsar. Schon bei "Vloga za Emo" hatten die Filmemacher mit der Constantin Film AG aus München zusammengearbeitet. Zusammen brachten sie "Sepet Metulja" in die slowenischen Kinos. Er war der meistgesehene Jugendspielfilm in Slowenien 2023, wurde auf internationalen Festivals als offizieller Beitrag akzeptiert, etwa auf dem "Helsinki Education Film Festival International 2023", und gewann Preise. "Ich bin glücklich, dass die Leute uns applaudiert und um Autogramme gebeten haben", sagt Ali. "Der Film hat mein Leben stark beeinflusst und zum Positiven verändert." Ein Drehbuch für eine Fortsetzung liegt vor. Ali ist sich nicht sicher, ob er mitspielt. "Meine berufliche Zukunft wird entweder im Schnitt von Fernsehbeiträgen oder im IT-Bereich liegen. Ich weiß es noch nicht, aber ich tendiere mehr zum Schnitt und hoffe, dass ich darin glücklich werde."