Nach dem Abi geht's los: Sofie-Marie landet auf Bali
Mit leichtem Sonnenbrand und einem Rip-Curl-Shirt bekleidet, ganz im Sinne des Surfsports, steht Sofie-Marie Wald in der überdachten Lobby ihres Hostels in Seminyak auf Bali. Die zurückliegenden vier Monate hat die 19-Jährige viele Orte auf der indonesischen Insel bereist und fünf Wochen auf den Philippinen verbracht. Diese Zeit nennt sie "die beste ihres Lebens". Vor allem die Zeit auf den Philippinen. Sie beschreibt sie als reine "Existenz", denn "man hat weder an morgen noch gestern gedacht und einfach im Jetzt gelebt". Ihr Alltag besteht hauptsächlich aus Surfen an den Stränden Balis sowie ein wenig aus organisatorischer Arbeit in einem der Surfcamps vor Ort und aus Treffen mit Freunden und "Locals", den Einheimischen.
Ganz anders gestaltete sie ihre Zeit nach ihrem Abitur 2021, vor ihrer Reise. Zu Beginn absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Krankenhaus in der Nähe ihres Wohnortes Böbingen an der Rems. Dann arbeitete sie in verschiedenen Firmen im Umkreis, um unterschiedliche Bereiche zu testen. Sie kam zu dem Entschluss, "niemals einen Bürojob" ausüben zu wollen. Danach entschied sie sich "recht spontan" für diese Reise, um "einen Freund in Bali zu besuchen". Ursprünglich sollte dieser Besuch nur sechs Wochen dauern, die sich längst auf mehr als vier Monate verlängert haben, drei weitere sollen folgen. Sie startete mit einem Budget, das für sechs Wochen ausreichte. So musste sie sich anpassen, Ausgaben reduzieren und ein "Volunteering" in ihrem Surfcamp annehmen, um Kost und Logis zu decken. Sie scheint optimistisch damit umzugehen und meint, es sei "sehr einfach, auf Unnötiges zu verzichten".
Bei der Vorbereitung auf ihre Reise spielten Angst und die Bindung an ihre Heimat eine große Rolle. Die Angst bezeichnet sie heute als "total unnötig". Und auch die Ungebundenheit im Ausland sieht sie nun als einen positiven Faktor. Die Beziehung zu den Menschen, die man zu Hause "seit Ewigkeiten" kennt, vergleicht sie mit Freundschaften, die sie auf ihrer Reise geschlossen hat. "Hier fängt man das erste Mal an, sich selbst vorzustellen", und man habe die Möglichkeit, sich unabhängig von zuvor beeinflussten Meinungen darzustellen und seine ganz "eigene Version von sich selbst" zu zeigen. So seien diese Beziehungen etwas ganz anderes als die bereits bekannten, was Sofie-Marie sehr wertschätzt. Ihre Reise sei ganz schlicht "gut" gewesen.
"Viel Selbständigkeit" werde einem abverlangt, und vieles müsse man "zum ersten Mal alleine tun", sei es das Umbuchen von Flügen oder die Versicherung eines Rollers. Gleichwohl betont sie: "Auf sich alleine gestellt sein bedeutet nicht alleine sein." Sofie-Marie erzählt von vielen Bekanntschaften, die sie auf ihrer Reise gemacht hat und die sie inspiriert haben. Vor allem erwähnt sie eine 21 Jahre alte Freundin, die bereits seit drei Jahren auf Reisen ist und dadurch ein großes Wissen sowie Reife aufzeige und dies mit ihr teile. Man lebt zusammen, oft unter "nicht luxuriösen Umständen", und lernt "zu lieben und zu teilen". Außerdem entstehen hier Freundschaften mit großem Verständnis, da sich die meisten "oft in gleichen Situationen" befinden. Auch habe sie "noch nie so viel Unterstützung von Fremden" erfahren. Die Meinungen über den Sinn einer großen Reise nach dem Schulabschluss gehen auseinander. Das weiß auch Sofie-Marie. Sie geht ebenfalls auf wenige negative Aspekte ein. Man würde sich sehr in das Ausland verlieben, jedoch warte eine "Realität und Gesellschaft daheim", in die man sich dann wieder eingliedern müsse. "The good life" sei keine lang anhaltende Option, um der Realität zu entweichen, denn Teil der Realität sei gleichzeitig "Arbeit, Studium oder Ausbildung".
Ein Studium nach dem Abitur sei definitiv eine Option für Sofie-Marie, nicht aber die einzig richtige. Obwohl sie auch von kleineren Diebstählen oder Unfällen betroffen war, würde sie sich jeden Tag wieder für diese Erfahrung entscheiden. Reisen sei eine "total gute Möglichkeit, neue Eindrücke und Blickwinkel zu sammeln und eine Welt außerhalb seiner eigenen kennenzulernen, mit mehr Menschen, Geschichten und so viel mehr Schicksalen", aber auch um mal dem "strukturierten Alltag" und dem "Tunnelblick nach dem Abitur" zu entkommen.