Petra Bleher arbeitet als Pflegerin im Kloster-Hospiz Schwäbisch Gmünd
Auf einem kleinen Hügel, mitten in Schwäbisch Gmünd, liegt ein weißes Gebäude, unscheinbar und schlicht gebaut: Das an das Kloster der Franziskanerinnen angegliederte Kloster-Hospiz wurde 2021 erbaut. Es ist das Zuhause von Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind und hier die letzte Zeit verbringen. Acht Gäste kann das Hospiz aufnehmen - seit der Eröffnung sind alle Zimmer immer besetzt.
In dem Kloster-Hospiz arbeitet Petra Bleher, eine Krankenschwester mit Palliativausbildung und starkem Händedruck. Eine große, schwarze Schiebetür schließt sich leise hinter dem Eintretenden. Und es ist still. Angenehm still. Von Weitem hört man Stimmen und Lachen. Aber die Stadt mit ihrem Lärm ist ausgeschlossen. Irgendwie ist es eine andere Welt. Ob das jetzt wirklich so ist oder ob sich dieses Gefühl aus den Erwartungen an einen solchen Ort begründet? Ein Ort zum Sterben ist das hier. Die Gründerin der modernen Hospizbewegung, die Engländerin Cicely Saunders (1918-2005), hat für ihre Bewegung ein Motto formuliert: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." Es mache manchmal keinen Sinn mehr, das Leben um jeden Preis zu verlängern, sagt die Krankenschwester - und genau dann wird man zum Hospizgast.
Es ist hell an diesem Ort, eine große Holztreppe führt aus dem weiten Eingangsbereich nach oben zur Rezeption. Neben einem Esszimmer, das nur aus Fenstern zu bestehen scheint, gibt es eine Sitzecke samt Kamin. Petra Bleher, die seit der Eröffnung hier arbeitet, setzt sich auf das violette Sofa. Ihr roter Kasack, die Dienstkleidung, sticht ins Auge. Es ist bunt hier, die Einrichtung ist orange, gelb, lila gehalten. Holzböden, ein bisschen Weiß. Banner mit Bibelzitaten verweisen auf den Zweck des Gebäudes, ansonsten ist dieser, zumindest im Gemeinschaftsbereich, kaum sichtbar. Es riecht nach Spaghetti bolognese.
"Wir versuchen es so schön wie möglich für die Gäste zu machen", sagt die 58-Jährige. Die Gäste bestimmen, wie sie ihren Tag leben wollen, ob sie an den Angeboten teilnehmen möchten oder nicht. Lieber Kunst- oder Klangtherapie? Auch die Märchenstunde oder der Besuch der Malteser Rettungshundestaffel findet immer wieder Anklang. Manchmal, wenn alles zu viel wird, kann sich jeder auch jederzeit zurückziehen, Zeit mit der Familie oder mit Freunden verbringen, die ebenfalls im Hospiz schlafen dürfen. Und da ist auch noch das Wunschmobil. Erst kürzlich hat es einen Gast an den Bodensee gebracht. Eine letzte kleine Reise, zu Verwandten oder Freunden, die nicht kommen können, zu einem Ort, der viel bedeutet, oder einfach in eine bestimmte Landschaft - ans Wasser, in die Berge. Doch dafür muss der Gast auch in der Lage sein, reisen zu können. Das Wunschmobil ist eine Art Krankenwagen mit Notfallausstattung. Das kann nicht immer verwirklicht werden, manchmal fehlt es an Geld. Ein Hospiz finanziert sich auch durch Spenden, Gewinne erzielen darf es nicht. Dazu kommt es auch gar nicht. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen einen Großteil der Kosten.
"Als Gast weiß man, was auf einen zukommt", erklärt die lebensfrohe Pflegerin. Gäste werden die Bewohner hier genannt, nicht Patienten. Es bleibt nicht nur beim Wort, das wird auch praktiziert. Ein Gast wird nach Wunsch umsorgt, ansonsten gestaltet er seine Zeit selbständig. Petra Bleher hat ihren Job in der Pflege bei einer Sozialstation verlassen, nachdem sie 2009 eine Palliativausbildung absolviert hatte. "Hier kann man auf jeden individuell eingehen." Man merkt ihr an, dass sie darauf großen Wert legt. Ihre Gäste sind nicht nur alte Menschen, sondern auch junge, im Endstadium einer Krankheit, die nicht mehr heilbar ist. Hier ist ihr letzter Ruheort vor dem Tod. Es brauche auch als Gast manchmal Zeit, das zu akzeptieren, doch am Ende "sind sie alle gern bei uns". Petra Bleher mag ihre Aufgabe. Palliativmedizin hat das Ziel, die Symptome einer Erkrankung zu lindern, wenn keine Aussicht mehr auf Heilung besteht. Dazu zählen Atemnot, Panikattacken und Schmerzen. Bleher betreut und begleitet die Menschen hier, verabreicht Medikamente, redet und hört zu - und vieles mehr. "Ich kann mir hier einfach Zeit nehmen, was ich bei der Sozialstation nicht konnte." Dort hat sie 31 Jahre lang gearbeitet. Sich Zeit nehmen zu können heißt qualitative Zeit mit den Gästen zu verbringen. All das kostet auch Kraft, die Arbeit kann sehr schwer sein - körperlich und emotional. Deswegen braucht jeder einen Ausgleich. "Ich liebe es zu schwimmen, und ich genieße es sehr, mit meinem Mann Motorrad zu fahren." Sie verbringt so viel Zeit wie möglich mit ihrer Familie. Der Wert der Familie wird ihr hier vor Augen geführt. Sie hat viel über das Leben gelernt. "Es gibt so viele unwichtige Dinge, über die man sich manchmal aufregt", sagt sie nachdenklich. "Wenn man einfach sieht, wie vergänglich das Leben ist und dass der Tod ja jeden einmal treffen wird. Das ist es meistens gar nicht wert.