Manchmal kann es ganz schön haarig werden

Die Kunden, die in Meili-Oberhänslis Hundesalon im Zürcher Oberland Platz nehmen, sind nicht immer einfach

Freudig hüpft Timo, ein brauner Mischling, mit seinem älteren Frauchen in den Hunde-Treff Wolfhausen. Ein Dorf im Zürcher Oberland mit knapp 7000 Einwohnern. Sie stehen in einem Raum, der mit Hundefotos geschmückt ist. Direkt springt der kniehohe Vierbeiner zu Claudia Meili-Oberhänsli. Die Inhaberin hat selbst vier Hunde und betreut täglich noch vier, fünf andere. Ein Leben, das zu 90 Prozent aus haarigen Vierbeinern besteht, für die große 54-jährige Frau mit dem schwarzen, schulterlangen Haar kein Problem.

 

Die diplomierte Hundecoiffeuse und eidgenössisch diplomierte Tierpflegerin hebt Timo auf einen Groomingtisch. Laut seinem Frauchen hat er einige Rassen in sich, vom Pudel bis zum Cockapoo. "Jedes Mal hat Timo eine Megafreude", erklärt Meili-Oberhänsli und bindet ihn an den Groomingarm: eine Schlaufe, mit der man den Hund an seinem Geschirr befestigen kann. Dies ist wichtig, vor allem wenn die Hunde nass sind. Dann können sie, schneller als man denkt, vom Tisch fallen und sich dabei ernsthaft verletzen. Meili-Oberhänsli holt eine Schermaschine. "Zuerst wird einfach mal das Gröbste geschert. So fällt es mir später leichter, den Hund zu waschen und zu föhnen." Sie setzt einen großen Aufsatz auf die Maschine. Timos leicht gekräuseltes Fell fällt zu Boden. In wenigen Wochen sieht er wieder genauso aus wie jetzt. Vor allem im Sommer müssen viele Rassen alle sechs bis acht Wochen vorbeikommen. 

 

Dann löst Meili-Oberhänsli Timo vom Groomingarm und trägt ihn weiter in eine Wanne aus Edelstahl. Seine Krallen kratzen auf der Oberfläche. Die Coiffeuse lässt einen sanften Wasserstrahl an und beginnt von den Pfoten aufwärts. Sie achtet darauf, dass das Wasser nicht in die Ohren dringt. Das mögen Hunde gar nicht. Dann geht es ans Shampoonieren. "Das Shampoo mische ich immer selbst aus drei Komponenten: ein Grundshampoo, eines für den Glanz und eines, das Feuchtigkeit spendet. Ich sehe sehr schnell, wovon der Hund wie viel braucht. So kann ich für jeden meiner Besucher ein individuell angepasstes Shampoo benutzen." Das Ausspülen solle man sehr gründlich machen, da Rückstände das Fell matt aussehen lassen können oder sogar allergische Reaktionen auslösen. Dann muss Timo trocknen. Dafür gibt es eine Art Trocknungsstation mit einem leistungsstarken Trockner. "Das Trocknen mögen die Hunde am wenigsten, da es so laut ist. Leider wurden Trockner, die leistungsstark und leise sind, noch nicht erfunden." Angesichts der Umstände hält der Vierbeiner brav hin. Beim Föhnen sehe man ebenfalls gut, ob der Hund Ekzeme oder andere Hautprobleme hat. Als Timo ausreichend getrocknet ist, drückt die Coiffeuse wieder auf den roten Knopf, der Lärm geht aus. Timo wimmert vor sich hin und zappelt leicht, der Krach scheint ihn etwas gestresst zu haben. 

 

"So, jetzt können wir in den Feinschliff gehen." Meili-Oberhänsli trägt Timo zurück auf den Groomingtisch, nimmt eine andere Schermaschine und setzt einen kurzen Aufsatz auf. "Ich nehme hier eine Schermaschine mit Kabel, einfach weil die batteriebetriebenen viel weniger Power haben." Das spare Zeit und Kraft, in ihrem Beruf spiele die Zeit eine große Rolle. Ein Trick, der ihr hilft, den Zeitrahmen für jeden Hund einzuhalten, besteht daraus, dass sie ihre Uhr immer fünf Minuten vorausgestellt hat. Wenn nämlich der neue Kunde mit seinem Hund hereinkommt, während sie mit dem jetzigen noch nicht fertig ist, würden sie und die Hunde ziemlich in Stress geraten. Sie führt die Schermaschine gleichmäßig über Timos Rücken, sein Fell fällt in Strähnen auf den Boden. "Jetzt muss ich genau in die Richtung scheren, in die das Fell wächst, um unschöne Kanten zu vermeiden." Bei den Pfoten tut es eine gute Schere auch. "Vor allem um die Pfoten herum sollte das Fell sehr kurz sein. Das ist der einzige Ort, an dem Hunde genauso schwitzen wie wir Menschen. Da es dort häufig feucht ist, wäre es für die Bakterien so ein Käferfest." Jede Rasse müsse anders geschert werden. "Da Timo aber ein Mischling ist, gibt es keine strikten Regeln. Bei Pudeln hingegen muss man darauf achten, ihre charakteristischen Löwenmähnen beizubehalten. Mein Ziel ist, den Hunden einen möglichst natürlichen Look zu geben, so wie es sich die Kunden wünschen." Sie greift vorsichtig die Schnauze und öffnet Timos Maul. "Richtig gebissen wurde ich zum Glück noch nie." Hunde, die in den Salon kommen, sind meist gut erzogen. Sie putzt Timo die Zähne mit Ultraschall und einer Hunde-Zahnpasta. So kommt der Zahnstein weg, um Mundgeruch und Bakterienansammlungen zu verhindern. Dann legt sie Timo sein blaues Geschirr an. Wenig später kommt die Besitzerin. Timo springt wild umher und bellt freudig.  

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06. Januar 2025, Nr. 4, S. 26 - Livio Umbricht, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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