Der Alpinist Dojtschin Bojanow hat schon viele Aufstiege gemeistert. Bulgariens Berge bieten phantastische Aussichten.
In den Bergen auf Glück zu vertrauen bedeutet, keinen vorbereiteten Plan zu haben", sagt Dojtschin Bojanow. Er ist 47 Jahre alt und Lehrer für Bergsteigen an der Nationalen Sportakademie Bulgariens in Sofia. Groß ist er von Wuchs, mit dunkelgrauen Haaren, charismatisch und voller Ehrgeiz. Symbolträchtige Geschichten rund um die Berge hängen mit seinem Heimatland zusammen, insbesondere im Gebiet der Sieben Rila-Seen. Diese liegen in der nordwestlichen Rilagebirgskette. Das Rilagebirge ist das höchste auf der ganzen Balkanhalbinsel.
Als Kind lebt Bojanow in einem kleinen Haus im Viertel Knjaschewo von Sofia. Dort genießt er durchs Fenster seines Zimmers die Aussicht auf das über 2000 Meter hohe Witoschagebirge, das am Rande der bulgarischen Hauptstadt liegt. Im Winter beobachtet er die flauschigen, schneebedeckten Hügel, im Herbst die bunte Flora, im Sommer die Sonne und im Frühling das blühende Leben. Zum ersten Mal besteigt Bojanow eine Steinwand und besucht mit seinem Vater Höhlen im Witoschagebirge. Diese Erlebnisse entzünden den alpinen Funken in seinem Herzen. So beginnen seine Abenteuer in der weiten Natur. Neue Horizonte, bisher unerforschte Geheimnisse entdeckt Bojanow als Bergsteiger. Bis in die Antarktis führen seine Unternehmungen. Seiner Überzeugung nach sind die Träume jedes Menschen der Vernunft fremd, ihnen sei aber die menschliche Evolution zu verdanken. "Das Bergsteigen befriedigt meine Neugier und ist mein Forschungswerkzeug", betont der Abenteurer. Manchmal gerät er in Extremsituationen. Der Elbrus, der höchste Gipfel des Kaukasus und der höchste Berg Russlands, mit einer Höhe von 5642 Metern ist sein erster extremer Aufstieg. Der 22-Jährige und seine Partner standen vor einer Herausforderung. Damals tobte ein Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien. Grenzmaßnahmen verhinderten ihre Einreise. Die Gruppe hielt das nicht auf. Mit List gelang es ihnen, die Wanderung fortzusetzen. Schlechtes Wetter überraschte sie. Auf dem Weg nach oben gab es keinen Unterschlupf außer einem ausgebrannten Passagierraum eines Flugzeugs. Sie beschlossen, die Nacht in einer Eisspalte auf 5400 Meter Höhe zu verbringen. Zum Glück kamen alle heil davon. Denn die Eisspalte stellt einen Teil eines aktiven Vulkans dar. Der höchste Gipfel der Erde war das nächste Ziel des jungen Bergsteigers. "Beim Aufstieg auf den Mount Everest ohne Sauerstoff spüre ich den Druck meiner Umgebung. Aber ich kann die Pracht des Planeten Erde genießen. Die wahre Glückseligkeit, die meine Seele erfüllt, bleibt jedoch meine Familie und die Erkundung neuer Breitengrade." Zu seinen Erfolgen gehört sein Buch "Witoscha - Sport-Touristenführer" über 25 beliebte Sportarten. Es beschreibt einige sehenswerte Orte in Bulgarien. So gibt es das Klettergebiet in der Nähe der Stadt Vratsa oder die Umgebung des Dorfes Karlukovo. Dort befinden sich ein Felsenkloster und schwer zugängliche Höhlen sowie Ökopfade mit Kletterrouten. Für Hobbybergsteiger empfiehlt Bojanow die Sieben Rila-Seen aus einer besonderen Perspektive. Sein Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung der Natur. Tausende Touristen besuchen die Seen jährlich. Sie fahren auf dem Weg dorthin an Saparewa Banja vorbei, einer kleinen Ortschaft am Fuße des Rilagebirges. Sie ist berühmt für die heißesten Mineralgeysire Europas. "Meine Verbindung zu dieser Bergregion besteht aus den Routen, die ich rund um den Haramiyata-Gipfel gestaltet habe", erklärt Bojanow. Die sieben Gletscherseen deuten auf ihren glazialen Ursprung hin. Er ist von Eismassenbewegungen und den folgenden Veränderungen des Reliefs verursacht. Während der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren sind sie entstanden und wegen der Aussicht von den gewaltigen Gipfeln ringsum ein beliebtes Ausflugsziel. Jeder See hat seine eigene Schönheit, Charakteristik und seinen Namen. Der zweite See in der Reihe namens "Okoto" (das Auge) besitzt eine maximale Tiefe von etwa 40 Metern. Die Rila-Seen befinden sich auf einer Höhe von 2100 bis 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Sie sind Teil des Nationalparks Rila. Die klaren Gewässer spiegeln den blauen Himmel und die Landschaft wider. Am höchsten See gibt es einen Panoramablick.
Touristen müssen nach Ansicht von Bojanow die Natur schützen. Der alternative Tourismus sei die richtige Entscheidung. Dazu zählen Aktivitäten wie Reiten, Paragliding, Cross-Country-Mountainbiking auf markierten Routen, Schneeschuhwanderungen und Skidrachen. "So kann jeder auf umweltfreundliche Weise Spaß in der Natur haben. Das Ergebnis wird immer erstaunlich sein: Befriedigung von Wünschen, neue Höhen und Freude natürlich", sagt Bojanow.