Bei der Flut in Slowenien war Solidarität gefragt
Ein Mann steht bis zur Hüfte in braunem Wasser. Er trägt Schutzkleidung, einen gelben Helm und in seinen Armen ein Kind, das in eine Decke gehüllt ist. Hinter den beiden befindet sich ein helles Gebäude, an der Eingangstür kleben bunte Bilder. Es ist der Kindergarten der slowenischen Gemeinde Menges, 15 Kilometer nördlich von Ljubljana. Der Mann gehört zur Freiwilligen Feuerwehr des Ortes. Mit Kollegen hat er gerade 22 Kinder aus dem Gebäude gerettet, als sich am 5. August 2023 in Slowenien eine Flutkatastrophe ereignete. Sechs Menschen starben. Viele verloren ihre Häuser, ganze Ortsteile, Brücken, Kulturgüter und Industrieanlagen wurden zerstört. Das Foto der Rettungsaktion vor dem Kindergarten ging um die Welt.
Die internationale Solidarität war sofort sehr groß. Für Joze Smigoc, den 43-jährigen Maschinenbau-Ingenieur und Vizepräsidenten der Freiwilligen Feuerwehr in Videm pri Ptuju, hat das Foto ikonischen Wert: "Die freiwillige Feuerwehr hat so eine Aufmerksamkeit verdient. Ich bin mir sicher, der Kollege hat dabei gar nicht nachgedacht, sondern einfach nur sofort geholfen. Die meisten hätten an seiner Stelle wahrscheinlich ähnlich reagiert." Smigoc ist selbst Feuerwehrmann mit Leib und Seele. "Ich konnte gar nicht anders, bin in meiner Familie praktisch mit der Feuerwehr groß geworden." Seine Brigade ist eine von 1337 im ganzen Land, in dem es nur 14 Berufsfeuerwehren gibt. Gerade die Flutkatastrophe hat gezeigt, dass deren freiwillige Arbeit unverzichtbar ist. Der 28-jährige Tomaz Mursek, Agrartechniker und leitender Feuerwehroffizier in Videm pri Ptuju, berichtet: "Als die Sirenen um 7.30 Uhr heulten, kam sofort unsere gesamte Brigade zusammen. Zuerst haben wir uns um unseren Bezirk gekümmert, die Bewohner des alten Überflutungsgebiets der Drava im Naturpark Sturmovci gewarnt, ihnen geholfen, wichtige Sachen in obere Stockwerke ihrer Häuser zu tragen. Als die Menschen bei uns in Sicherheit waren, sind wir mit 15 Personen in zwei Gruppen ins Sava-Tal bei Dravograd geeilt, um dort beim Aufräumen zu helfen." Tian Sibila war bei der zweiten Gruppe im Einsatz. Der 17-Jährige, der eine Ausbildung zum Mechatroniker macht, berichtet: "Wir konnten uns die katastrophale Situation nicht vorstellen, bis wir sie selbst gesehen haben. Es war ein Schock, was die Naturgewalt hier angerichtet hatte. Erst als wir anfingen, mühsam dicke Schlammschichten, die alles bedeckt hatten, Stück für Stück zu entfernen, kamen wir langsam zu uns und konnten uns auf die Arbeit konzentrieren. Die Dankbarkeit, die uns die Menschen zeigten, hat dabei sehr geholfen." Mursek sieht das als "unseren größten Lohn. Kleine Gesten, ein Getränk, wenn man völlig erschöpft ist, Schilder mit der Aufschrift: 'Danke, Feuerwehr!' gehen ins Herz, geben einem die Energie und Motivation, immer weiterzumachen." Smigoc erklärt: "Feuerwehrleute fragen nicht nach Lohn und Anerkennung. Man muss ein großes Herz dafür haben, körperlich und geistig fit sein, mutig und bereit, sich jederzeit einzusetzen." Vor allem aber komme es auch "auf den Team-Spirit an. Nur gemeinsam, wenn jeder seine Rolle kennt und einbringt, kann die Brigade erfolgreiche Einsätze durchführen."
Smigoc hat auch viele repräsentative Aufgaben. Mursek koordiniert die Teams, wartet die Geräte, bildet aus und leitet Übungen und Einsätze. Sibila leitet die Gruppe der jungen Pioniere. Außerdem ist er verantwortlich dafür, dass die Erste-Hilfe-Koffer jederzeit bereit sind. "Wir wissen nie, was auf uns zukommt", erklärt er. "Anders als bei der Berufsfeuerwehr können freiwillige Feuerwehrmänner zwar selbst entscheiden, ob sie in einen Einsatz gehen oder ob der ihnen zu riskant ist. Aber wenn wir gerufen werden, dann machen wir uns auf den Weg." Wie wichtig das ist, habe er erlebt, als er mit Kollegen "von einer Übung kam und zufällig am Wegesrand einen Mann liegen sah, der einen Schwächeanfall erlitten hatte. Wir konnten ihn dann so weit stabilisieren, dass er professionelle Hilfe bekam und überlebte." Oft komme aber auch jede Hilfe zu spät, wie im Falle eines Mannes, der von der Feuerwehr nur noch tot aus einem Brunnen geborgen werden konnte. Bei den meisten Einsätzen gehe es jedoch um Sturmschäden, um Bäume, die Straßen blockierten, oder zerstörte Dächer. "Wir sind auch einmal alarmiert worden, um eine Katze von einem Baum zu holen. Fünf Minuten bevor wir zur Stelle waren, kletterte sie allein herunter", erzählt Mursek lachend. Smigoc ergänzt: "Das Witzigste war wahrscheinlich, als uns eine Frau verängstigt anrief, weil sich ihr Schafsbock losgerissen hatte und sie bedrohte. Sie floh ins Haus, und der Widder stand drohend vor ihrer Tür, wo wir ihn einfangen mussten." Nachwuchssorgen hat die freiwillige Brigade nicht. Sibila meint: "Hier lernt man schon als Kind und Jugendlicher, was eine Gemeinschaft bedeutet, statt am Smartphone rumzuhängen."