Barracas an einem Strand in Portugal lohnen sich für "Senhor Abreu" nicht mehr
Die Bushaltestelle "Salgueiros" am Canidelo-Strand in Gaia bei Porto ist zum achten Mal an diesem Tag voller Menschen. Erwachsene mit Sonnenschirmen, Rucksäcken und Liegen; Kinder mit Sandeimern und Schaufeln, alle sind darauf vorbereitet, diesen wunderschönen Sommertag zu genießen. Manche rennen direkt ins Wasser, andere gehen noch kurz ins Café, um ein Eis zu holen, bevor sie sich am Strand hinsetzen, und manche holen als Erstes ihren Fußball oder Volleyball aus dem Rucksack und fangen gleich an zu spielen.
Aber nach einer Weile zwingt die unerträgliche Hitze die Menschen, sich unter ihrem Sonnenschutz auszuruhen. Mehr als einhundert Barracas, Zelte, schützen die vielen Familien vor Sonne und Wind. Wenn die Sonne später untergeht und die Strandgäste nach Hause gehen, ist für den 80 Jahre alten "Senhor Abreu" der Arbeitstag noch lange nicht zu Ende.
"Ich stehe jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, damit ich meine Morgenroutine in meinem Tempo machen kann. Dann, ungefähr um 6.30 Uhr, fange ich an zu arbeiten", sagt der Mann, der seit 30 Jahren dieses Geschäft besser kennt als seine Handflächen. Nachdem er am Vorabend den ganzen Strand abgelaufen ist, um die Abdeckungen der Zelte einzusammeln und sie zu waschen, damit sie am nachfolgenden Tag einsatzbereit sind, beginnt er nun, sie wieder aufzuspannen. "Das mache ich nicht nur wegen des Geldes. Meine Familie kümmert sich um diesen Strand seit mehr als 70 Jahren, er ist mein Zuhause", antwortet Abreu auf die Frage, warum er noch nicht in den Ruhestand getreten ist. Die meisten Menschen, die zum Strand kommen, gehen am Restaurant "Mar à Vista" vorbei, wo Senhor Abreu normalerweise sitzt. Sie nutzen die Gelegenheit, ihn zu begrüßen. Manche gehen sogar absichtlich ins Restaurant, nur um ihn zu begrüßen. Obwohl das Geschäft der Vermietung von Zelten laut Abreu nicht viel Geld bringt, liebt er seine Arbeit und führt sie weiter, als wolle er beweisen, dass Geld nicht der Schlüssel zum Glück sei.
"Es geht mehr bergab, und ich verstehe, warum", meint Abreu. "Selbst meine Kinder, die in dieser Gegend geboren und aufgewachsen sind, sehen in dieser Arbeit keine Zukunft und erwägen nicht einmal, bei mir zu bleiben, wenn sie dann an der Reihe wären." Er beobachtet, dass das Interesse am felsigen Strand von Canidelo schwindet, während andere Strände wie der breite Sandstrand in Matosinhos, der sich zehn Kilometer weiter nördlich, jenseits der Douromündung, befindet, beginnen, mehr und mehr Kunden zu gewinnen. "Das bedeutet für mich weniger Geld", sagt Abreu. Und als wäre der Rückgang der Kundschaft nicht schon genug, werden die Beschwerden über die Preise auch immer
lauter. "Ich versuche, die Preise so günstig wie möglich zu halten, aber einige Leute weigern sich zu mieten, wenn ich ihnen keinen Rabatt gebe." Der Preis für ein Zelt für zwei Wochen beträgt 80 Euro. Abreu vermietet aber fast alle für weniger als 50 Euro.
Nach so vielen Jahren im Geschäft kommt für ihn der Ruhestand in den Blick: "Ich wollte schon immer mit meiner Frau an der Algarve leben, aber ich hatte viel Zuneigung für das, was ich hier tat. Dies hat sich jedoch geändert, daher komme ich dieser Entscheidung immer näher." Abreu schaut auf die majestätischen Wellen des Atlantiks. "Solange meine Entscheidung noch nicht getroffen ist, werde ich aber meiner Aufgabe nachkommen." Und er zieht los, um die Abdeckungen der Zelte abzubauen und sich auf den nächsten Tag vorzubereiten.