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Vater und Sohn betreiben eine der ältesten Buchhandlungen in Porto

 

Bücher haben heutzutage keine große Bedeutung mehr, und das kann ich verstehen", sagt Nuno Canavez enttäuscht. Er ist Besitzer der Livraria Alfarrabista Académica, einer der ältesten Buchhandlungen der Stadt Porto. Inzwischen ist er 87 Jahre alt. Seit seinem 13. Lebensjahr arbeitet er in der Buchhandlung und führt das Geschäft heute gemeinsam mit seinem 56 Jahre alten Sohn, der denselben Namen wie sein Vater trägt. Als Kind kam Canavez aus einem Dorf mit nur etwa 200 Einwohnern namens Vale de Juncal in die Stadt, um eine Arbeit zu finden, mit der er Geld verdienen konnte. In dem Dorf bestand die einzige Möglichkeit für Nuno Canavez darin, mit seiner Familie in der Landwirtschaft zu arbeiten. Aber das war eine sehr harte und anstrengende Arbeit für ein Kind, und Nuno hatte nicht vor, dies zu seiner Zukunft zu machen. "Die Arbeit in der Landwirtschaft war nichts für mich, deshalb bin ich mit 13 Jahren in die Stadt gezogen", sagt er.

 

Als Nuno ankam, ging er, wie es damals üblich war, von Tür zu Tür auf der Suche nach Arbeit und fand eine Stelle in der akademischen Buchhandlung. Als Jugendlicher arbeitete Nuno tagsüber und besuchte nachts die Berufsschule, wo er die Sekundarschule abschloss. "Es war hart, aber es hat mir immer Spaß gemacht", sagt der Buchladenbesitzer. Jahre später, nach dem Tod des früheren Besitzers, der keine Erben hatte, ging die Buchhandlung in den Besitz von Nuno Canavez über.

 

Der charakteristische Geruch von antiquarischen Büchern ist schon an der Tür der Buchhandlung in der Rua dos Mártires da Liberdade im Stadtzentrum zu riechen. Beim Eintreten steht der Kunde sofort vor unzähligen Regalen aus dunklem, altem Holz, in denen sich Bücher unterschiedlicher Größe und Form zum Teil mit einzigartigen Einbänden befinden. In den Hauptregalen stehen nicht nur die Klassiker der berühmtesten portugiesischen Schriftsteller wie Luís de Camões, Fernando Pessoa und José Maria Eça de Queirós, sondern auch einzigartige Bücher, zum Beispiel über die Geschichte Portugals, in denen das Leben der Portugiesen zur Zeit der Entdeckungen, die verschiedenen Monarchien und vieles mehr detailliert geschildert werden. "Wir haben hier Bücher aus dem 16. Jahrhundert", sagt der Sohn Nuno Canavez, der das Geschäft seines Vaters seit 30 Jahren weiterführt. "Keine Buchhandlung in Porto hat so alte und einzigartige Bücher", fügt er hinzu.

 

Am 16. November 1912 gründete Joaquim Guedes da Silva die akademische Buchhandlung, und seit mehr als 111 Jahren hat sich wenig geändert. Im ganzen Laden stehen Reihen von Büchern, von den ältesten und seltensten, die es gibt. Bücher in verschiedenen Sprachen sind in jeder Ecke des Ladens zu finden. Eines der wertvollsten Bücher kostet derzeit 500 Euro und trägt den französischen Titel "Histoire des deux Restaurations", es ist von großer Bedeutung für die Geschichte Frankreichs, insbesondere für die napoleonische Epoche.

 

Neben den Büchern ist das Geschäft mit Skulpturen großer portugiesischer Namen geschmückt. In der Buchhandlung, die sich mittlerweile über zwei Etagen und ein Lager erstreckt, werden mehr als hunderttausend Bücher aufbewahrt. Trotzdem werden täglich weitere Bücher aus privaten Bibliotheken bestellt. Es gibt so viele Bücher, dass die hundertjährige Buchhandlung sehr unübersichtlich wird. Nuno Canavez gibt zu: "Es ist ein Chaos, und manchmal können wir die Bücher gar nicht finden." Aber für Buchliebhaber ist ein wenig Unordnung kein Problem.

 

In den alphabetisch geordneten Onlinekatalogen, die etwa zweimal im Jahr veröffentlicht werden und die interessierten Kunden zur Verfügung stehen, finden sich etwa 300 Bücher. Das ist fast nichts im Vergleich zur Gesamtzahl der Bücher, die der Laden besitzt. "Es muss investiert werden, um die Buchhandlung zu modernisieren und den Onlineverkauf zu ermöglichen", sagt der jüngere Nuno Canavez. Alle anderen Buchhandlungen machen das schon, aber der Vater will alles auf die altmodische Art und Weise beibehalten.

 

Vor gut 30 Jahren kamen alle in die akademische Buchhandlung, von großen Schriftstellern bis hin zu ehemaligen Präsidenten der Republik wie Mário Soares. Manchmal trafen sich 10 bis 15 Personen in den gemütlichen Räumen und tauschten ihre Meinungen über die berühmtesten Bücher aus, die dort ausgestellt waren. Die Bücher wurden in die ganze Welt verkauft. "Die Buchhandlung verdiente etwa 500 Euro pro Tag, das war eine andere Realität", erinnert sich Canavez mit Freude.

 

Heute hat die Buchhandlung immer weniger Kunden. Es gebe Tage, an denen nicht ein einziger Kunde kommt. Dennoch kaufen die Stammkunden dort weiterhin ihre Bücher. Die junge Generation jedoch interessiert sich nicht mehr so sehr für Bücher. "Die Leute geben ihr Geld lieber für Reisen, Handys, Computer und Spiele aus", sagt der Sohn des Besitzers wehmütig. Die Familie Canavez kann sich mit den Ersparnissen aus den Jahren versorgen, in denen die Buchhandlung große Gewinne erwirtschaftet hat, aber der Sohn gibt zu, dass er seit einiger Zeit sein eigenes Geld in die Buchhandlung stecken muss, um das Geschäft am Laufen zu halten. Die Menschen haben immer weniger Interesse an älteren Büchern. "Es ist eine Schande, aber die Wahrheit ist, dass Bücher auf dem Weg des Aussterbens sind", bedauert er. Dennoch versuchen sie, den Untergang der geschätzten Buchhandlung zu verhindern. Dem Sohn zufolge ist dafür eine Modernisierung erforderlich, und genau die will er von nun an erreichen.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2024, Nr. 60, S. 26 - CLARA PORTELA, Deutsche Schule zu Porto

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