Sie bringen Blüten in Umlauf

Auf der jährlichen Orchideenmesse in Porto geht es bunt zu


Mama, Mama, schau mal! Kann ich diese Orchidee haben? Die ist sooo schön!", ruft ein kleines Mädchen im rosa Kleid seiner Mutter zu. Die beiden besuchen an einem Sonntag im März die Orchideenmesse in Porto. An drei Tagen können Besucher für fünf Euro Eintritt Orchideen näher kennenlernen und kaufen. "Dieses Jahr findet die Messe zum 13. Mal statt und zum ersten Mal im Stiftungsgebäude der Dr.-António-Cupertino-de-Miranda-Stiftung", erklärt Graziela Meister, die Präsidentin der Associação Portuguesa de Orquidofilia, des portugiesischen Verbands der Orchideenfreunde. "Exponor, das Messegebäude in Porto, in dem wir sonst immer waren, wollte uns dieses Jahr nicht den Platz anbieten, den wir sonst immer hatten, und deshalb sind wir umgezogen."


Schon in der Eingangshalle wird klar, dass die Welt der Orchideen mit ihren 15.000 bis

30.000 weltweit vertretenen Arten deutlich größer ist als die drei, vier Sorten, die in den Supermärkten verkauft werden. Hier stehen, auf stoffbedeckten Tischen arrangiert, all die Orchideen, die an einem Wettbewerb teilgenommen haben. Der Raum ist von einem süßlichen, schweren Duft erfüllt. Manche Orchideen haben Dutzende kleine Blüten, die wie eine Wolke vom schmalen Zweig hängen, andere nur eine einzige große. "Die mit Rosetten versehenen Pflanzen sind die Gewinner des Wettbewerbs. Insgesamt gab es acht Kategorien von Mikroorchideen bis zu den Cymbidien, die fast buschartig wachsen", erzählt die gepflegte ältere Dame. "Eine Jury hat alle bewertet und dann die Preisträger gekürt. Weil einige meiner eigenen Orchideen am Wettbewerb teilgenommen haben, konnte ich leider nicht in der Jury sitzen. Mit der Organisation der Veranstaltung war ich sowieso schon genug beschäftigt. Und kaum hat die eine Messe aufgehört, beginnen wir schon mit der Organisation von der im nächsten Jahr. Insgesamt arbeiten wir mit 14 portugiesischen und 8

ausländischen Ausstellern zusammen."


Die Stände der Aussteller sind über zwei Stockwerke verteilt. Die meisten befinden sich in einem Saal von der Größe einer Sporthalle unter der Eingangshalle, während ein paar ihre Tische in einem Nebenraum aufgebaut haben. Dort befindet sich auch der Stand von Reagan Wu aus Taiwan. Der junge Taiwaner ist mit seiner Kollegin extra nach Porto gereist, um seine Orchideen zu verkaufen. "Für mich sind Orchideen gleichzeitig Beruf und Leidenschaft", erzählt der Mann mit der großen Brille. "Meine ganze Familie liebt Orchideen, und es war schon immer klar, dass ich später im Familienunternehmen arbeiten würde." Neben Taiwan gibt es auch Stände aus Südafrika, Ecuador, Brasilien, Malaysia und Thailand. Die ausländischen Verkäufer bieten ihre Orchideen häufig als kleine Setzlinge ohne Blüten an, da diese leichter zu transportieren sind. Das Sortiment in allen Farben, Formen und Preisen ist unbeschreiblich groß. Für 7,50 Euro kann man eine kleine Phalaenopsis mit weißen Blüten kaufen, während ausgefallene Sorten, wie eine dunkel magentafarbene Cymidium, gut und gerne 90 Euro kosten. Dazwischen tummeln sich allerhand Orchideen, die sich gegenseitig in ihrer Exzentrik übertreffen. Eine unscheinbare Orchidee mit gelben Blüten etwa trägt das Hinweisschild "cheira a chocolate", also "riecht nach Schokolade". Einige hängen mit Drähten von einer Stahlstrebe und scheinen ganz ohne Erde zu gedeihen, während andere winterfest sind und draußen eingepflanzt werden können. Selbst Vanille-Orchideen finden sich auf der Messe. Besonders hübsche Exemplare werden mit Lichtinstallationen aufwendig in Szene gesetzt, und an einigen Ständen stehen Automaten, die die Pflanzen alle paar Minuten mit lauwarmem Wasserdampf besprühen.


Neben Orchideen werden auch Sukkulenten, Kakteen und viel Zubehör angeboten. Dazu zählen Terrarien für Orchideen mit besonderen Bedürfnissen, verschiedenste Dünger und Substrate, unzählige Übertöpfe und Fachliteratur. Zwischen all den Angeboten drängen sich die Besucher, die von den Mitgliedern des Verbands der Orchideenfreunde und den Verkäufern genau im Auge behalten werden. Das Anfassen oder versehentliche Streifen der empfindlichen Blüten wird gar nicht gerne gesehen, und an manchen Ständen sind sogar "Não toque!"-, "Nicht anfassen!"-Schilder angebracht. Die Besucher sind dabei fast ebenso bunt zusammengewürfelt wie die ausgestellten Orchideen. Während manche ganz offensichtlich Experten auf ihrem Gebiet sind und sich beim leidenschaftlichen Erörtern gegenseitig lateinische und griechische Fachbegriffe wie "Labellum" oder "Petalum" an den Kopf werfen, scheinen andere vom gewaltigen Angebot etwas überfordert zu sein. Ein großer Teil der Besucher besteht aus älteren Damen und Herren. Marta Soares, eine junge Frau mit geblümtem Rucksack und langen braunen Haaren, ist zum ersten Mal auf der Messe: "Früher hatte ich zu Hause um die 20 Orchideen. Leider sind viele gestorben, und jetzt habe ich nur noch sieben. Ich bin heute hier, um mir neue zu kaufen, denn ohne Orchideen kann ich mir meine Wohnung einfach nicht vorstellen." Sie inspiziert eine Orchidee mit einer einzigen beutelförmigen grünen Blüte. "Ich bin ganz bestimmt keine Expertin, sonst wären mir die Pflanzen ja nicht eingegangen", lacht sie.

Besonders Interessierte können sich durch die auf der Messe angebotenen Vorlesungen weiterbilden. Auf großen Tafeln erfahren die Besucher, welcher Vortrag wann stattfindet. Die Themen reichen von "Ökologie und Entwicklung der Orchidee" bis zu "Cattleya purpurata - Vielfalt und Zuchtmethoden". Die Vorträge finden in einem separaten Raum statt, in dem ein schlaksiger Mann mit Brille gerade über die Vielfalt der wilden Orchideen in Kolumbien informiert. Er zeigt selbst geschossene Fotos aus dem Urlaub und deutet begeistert auf das Bild einer auf einem Baum wachsenden Orchidee. "Einfach unfassbar, dass wir dieses Exemplar gesehen haben. Die sind so selten!" Am späten Nachmittag verladen manche Aussteller ihre Pflanzen zurück in die Flotte von Lieferwagen. Auch das Mädchen im rosa Kleid macht sich auf den Heimweg. An seinem Arm baumelt eine Tüte, aus der eine Orchidee ihre weißen Blüten reckt.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.09.2024, S. 26 - Nora Scharmann, Deutsche Schule zu Porto

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