Die junge Sportschützin Antonia Back berichtet von ihrer Karriere
Man wusste, es war die richtige Entscheidung", erzählt die 23-jährige Sportschützin Antonia Back über ihren Wechsel 2019 zum Bundesligisten SV Pfeil Vöhringen im Landkreis Neu- Ulm. "Ich bin nach Vöhringen gegangen, nachdem sie mich angefragt hatten und ich gesehen habe, dass in dieser Mannschaft das Potential da ist, sich gegenseitig zu pushen, und auch der Zusammenhalt toll ist. Der Trainer ist Sven Martini."
Mit elf Jahren fing Antonia in ihrem Heimatort mit dem Schießen an. "Meine Mutter war Bezirksjugendleiterin in Unterfranken, mein Vater Bezirkstrainer. Ich bin dabei gewesen, habe es für mich entdeckt, angefangen und bin bis jetzt dabeigeblieben." Am meisten habe es sie fasziniert, wie die älteren Schützen ihre Nervosität so verstecken konnten. Ihre ganze Familie war im Schießsport aktiv. Dadurch "lief alles recht reibungslos", denn der "komplette Rückhalt des Vereins war auch immer da". Vier Jahre lang schoss sie für Burglauer, bevor der Wechsel vor fünf Jahren kam. Die Gemeinschaft im Lauertaler Schützenverein sei etwas Besonderes: "Letztlich war die Entscheidung zu gehen dann auch sehr schwer, weil einfach auch Herzblut dahintersteckt. Man ist ja zusammen von der Unterfrankenliga hoch in die Zweite Bundesliga gegangen und dann zusammen wieder abgestiegen." Trotz ihres Wechsels habe sich die positive Beziehung zu Burglauer und den Menschen dort nicht verändert.
Beim Sportschießen gibt es verschiedene Waffen und Disziplinen. "Das Luftgewehr hat ein Gewicht von 5,4 Kilogramm und das Kleinkalibergewehr von etwa sechs", sagt Back. Auch die Distanzen variieren. "Es geht zum Beispiel auf zehn Meter über Druckluft, dann hat man das Kleinkaliber auf 50 Meter und Großkaliber auf 300 Meter." Sie schießt sowohl mit dem Luftgewehr als auch mit dem Kleinkaliber, bevorzugt allerdings Ersteres. "Bei einem internationalen Wettkampf im Luftgewehr werden in 75 Minuten 60 Schuss gemacht. In der Bundesliga sind es in 50 Minuten 40 Schuss. Bei den Disziplinen mit dem Kleinkaliber kommt es darauf an. Bei der Dreistellung werden in 90 Minuten 60 Schuss gemacht, also pro Anschlag (kniend, liegend, stehend) 20 Schuss. Bei hohen Wettkämpfen gibt es hier zuerst eine Eliminierung, wo die Hälfte der Teilnehmer aussortiert wird. Fürs Finale qualifizieren sich die besten acht. Die schießen dann nach bestimmten Modi aus, wer gewinnt."
Als Schülerin ist Back schnell in den Bayernkader gekommen, weil das Talent gesehen wurde und sie sich bis zur bayerischen Meisterschaft qualifizierte. Back betrachtet dies als Wendepunkt für ihre Laufbahn. "Man merkt, da kann man noch was machen." Später kam sie in den Erwachsenenkader. Seit zehn Jahren zählt sie zu den Besten in Bayern. Zwei Jahre lang war sie auch Teil des Nationalkaders, mit dem sie 2022 an der Europameisterschaft im norwegischen Hamar teilnahm und im Teamwettbewerb den vierten Platz belegte. In der Bundesliga stand sie mit ihrem Team die vergangenen zwei Jahre im Finale und sicherte sich zwei Vizetitel. Über die letzte deutsche Einzelmeisterschaft sagt sie: "Mit sechs Starts sechs Medaillen zu holen, das war einfach top." Um derart gute Ergebnisse zu erzielen, ist Disziplin und richtiges Training erforderlich. "Zwei- bis dreimal die Woche am Stand stehen und das meistens pro Einheit gut zwei bis drei Stunden, die anderen Tage teilweise von Freitag bis Sonntag Lehrgänge, dann Physiotherapie und Ausgleichssport, weil der Schießsport einen körperlich extrem fordert, und mittendrin Mentaltraining." Back ergänzt: "Man kann gar nicht so genau sagen, welche Körperteile am meisten betroffen sind, da es eher Bereiche sind. Im Stehend wird am meisten der Rumpfbereich beansprucht, beim Kniend sind es die Beine und beim Liegend die Schultern, Arme und der untere Rücken."
Wie sieht eine typische Wettkampfsaison aus? "Ziemlich voll." Von Oktober bis Januar/Februar liegt die Bundesliga jedes zweite Wochenende. Ab März beginnen dann die nationalen und internationalen Wettkämpfe. "Da hat man teilweise ein- bis zweimal im Monat über mehrere Tage hinweg Wettkämpfe." Im Training geht es um verschiedene Taktiken. "Man spielt auch Sachen durch wie: Was passiert, wenn der Stand kaputtgeht? Was mache ich, wenn ich im Stau stehe?" Das sollte natürlich nicht passieren, könne aber vorkommen. Bei der Wettkampfvorbereitung ist für sie das Wichtigste, genügend Zeit zu haben. Auch um sich in Ruhe umzuziehen, da eine Kleiderordnung vorgeschrieben ist. "Man zieht Unterbekleidung an, hat darüber eine Hose und Jacke, die aus unterschiedlichen Stoffen bestehen können, aus Leinen oder Canvas. Dies dient zur Unterstützung, weil die Gewehre halt schon relativ schwer sind. Und man hat Schuhe, die über den Knöchel gehen, um noch mal ein bisschen Stabilität reinzubringen." Back ist "immer eine Stunde vor Start am Stand und schaut, ob die Munition aufgefüllt ist und dass die Luft im Luftgewehr für den Wettkampf ausreicht". Außerdem mache sie ihre Kopfhörer rein, "damit ich quasi die Einflüsse von außen nicht mehr so mitbekomme".
Vor gut einem Jahr hatte die junge Schützin ein mentales Tief. Sie erklärt, wie sie wieder rauskam: "Man macht eine lange Pause vom Training, vier bis fünf Wochen, gibt dem Kopf die Ruhe, und dann merkt man auch relativ schnell, dass es aufwärts geht und dass man auch wieder Lust hat, sich an den Stand zu stellen."
Nach ihrem Abitur 2020 hat sie im Wintersemester ein Studium in Biowissenschaften begonnen und versucht beides unter einen Hut zu bekommen. "Einfach zu wissen, ich kann mich auch in Stresssituationen auf das, was ich kann, verlassen und dass der Kopf dabeibleibt. Viele Wettkämpfe sind stressig, und man lernt, nicht in Panik zu geraten. Das kann man auch gut im Alltag verwenden, bei Klausuren zum Beispiel." Viele Freundschaften seien über den Sport entstanden, auch zu ihrer besten Freundin. Während ihrer Schulzeit hat Back sechs Jahre lang getanzt, und sie zeichnet und malt gerne. "Wenn es die Zeit zulässt, dann stell ich mich vor eine Leinwand."
Zu ihren Zielen gehört endlich der deutsche Meistertitel mit der Mannschaft. "Klar, eines der großen Ziele ist Olympia, aber erst mal noch eine Europameisterschaft, eine Weltmeisterschaft und einen Weltcup und einfach den Spaß darin nicht zu verlieren." Back ist es wichtig, dass die Jugendlichen so gefördert werden, dass "sie den Spaß finden, haben und behalten". Abschließend sagt sie: "Meine Eltern sind beide Trainer von mir. Meine Mutter ist meine Mental- und mein Vater mein Heimtrainer. Das ist schon super, weil man weiß, egal was passiert, man kann sich auf sie verlassen."