Tennis an die Wand gespielt

Wechselte die Seiten: Padel-Spielerin Catarina Vilela aus Portugal.

 

Viele denken, Padel komme vom Squash her. Dabei ist es aus dem Tennis entstanden. 1965 baute Enrique Corcuera den ersten Padelplatz in Acapulco in Mexiko. Auf der Homepage des Deutschen Padel-Verbands erfährt man, dass Corcuera eigentlich einen Tennisplatz auf seinem Grundstück haben wollte, das aber zu klein dafür war. "Er ließ daraufhin eine verkleinerte Ausführung eines Platzes errichten, die mit genau der Hälfte eines Tennis-Doppelfeldes auf sein Anwesen passte." Die vorhandenen Betonmauern wurden in die Ballwechsel integriert. Corcuera ließ schließlich den gesamten Platz ummauern. Er war derjenige, der die Größe eines Padel-Platzes und die Regeln dieser Sportart festlegte. Nach Angaben des Verbandes ist Padel die am stärksten wachsende Sportart der Welt.

 

Um sich ein heutiges Padel-Feld vorzustellen, kann man an einen Glaskasten ohne Decke denken mit einem Netz und einer Tür in der Mitte. Das Feld hat die Maße 20 mal 10 Meter. Die Sportart wird im Doppel gespielt, also zwei gegen zwei. An der Mittellinie auf der rechten Seite steht ein Rechtshänder. Er soll das Spiel kontrollieren. Der Spieler auf der linken Seite soll mehr angreifen und dabei etwas riskieren. Im Unterschied zu Tennis sind Padel-Schläger leichter, kleiner und haben kein Netz. Der Padel-Ball ist ähnlich wie ein Tennisball, aber etwas kleiner, leichter und mit geringerem Druck. Die wichtigste Regel ist, dass der Ball nur einmal den Boden berühren darf. Die Punktzahl ist die gleiche wie beim Tennis. In der Quinta de Monserrate, einem Sportklub in Porto, trainiert die 29-jährige Catarina Vilela, die 2022 die Nummer eins in Portugal wurde. Sie spielte bis zu ihrem 22. Lebensjahr Tennis auf Wettkampfniveau. Eines Tages wurde sie zu einem Padel-Turnier eingeladen. 2017, nach dem Abschluss ihres Studiums in Sportwissenschaften, beschloss sie, sich ganz dem Padel auf Wettkampfniveau zu widmen. Vilela musste hart arbeiten. Bereits 2020 hatte sie den ersten Platz erreicht, aber sie konnte ihn nicht lange halten. 2022 gelang es ihr dann noch einmal, die Saison als Nummer eins zu beenden und den Titel der nationalen Vizemeisterin zu erringen.

 

Sie trainiert jeden Tag, am Morgen Padel, danach macht sie ein Fitnesstraining. Die Übungen sollen die Mobilität und Schnelligkeit auf dem Feld fördern und Verletzungen vermeiden. Francisco Rocha ist ihr Personal Trainer, João Magalhães und Diogo Moreira sind ihre Padel-Lehrer. Von Zeit zu Zeit trainiert Vilela auch in Spanien, wo das Training ihrer Meinung nach viel theorielastiger sei, aber die gleiche Intensität habe wie in Portugal. Vilela ist auch Trainerin. "Das Durchschnittsalter meiner Schüler liegt bei etwa 40, 50 Jahren. Das ist auch die Altersgruppe, die ich am liebsten trainiere", meint sie. Zu Beginn ihrer Karriere war die Sportlerin sehr abergläubisch: "Ich konnte bestimmte Kleidung bei schwierigeren Spielen nicht tragen, weil ich mir einredete, wir würden verlieren." Aber nach ein paar Jahren hat sie diese Haltung überwunden.

 

Man spielt Padel als Doppel, aber nicht immer mit demselben Partner. Vilela hat ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Partnern. Über ihre Spielgegner sagt sie: "Spiele ich gegen einen, werde ich sehr nervös, wenn sie meine Freunde sind und meine Spielweise sehr gut kennen. Dann wird es taktisch schwieriger, weil ich mein Spiel ändern muss, um zu gewinnen."

 

Ihre Ernährung ist ausgewogen und nährstoffreich. Die Athletin versucht viel Gemüse zu sich zu nehmen, um die Regeneration der Muskeln zu unterstützen, und Obst, um viel Energie zu haben. Wenn sie ein Markensponsoring erhält, hat sie Anspruch auf Ausrüstung: Schläger, Sportschuhe und Trikots. Mit Werbung verdienen die Spieler Geld. "Das T-Shirt eines Spielers, die vorderen und hinteren Teile, die zentralen, haben mehr Wert, wobei jeder Spieler seinen jeweiligen Wert einbringt." Vilela benutzt einen Schläger der portugiesischen Marke Quad. Er ist ziemlich leicht und hat viel Kraft. Ihr Lieblingsschlag ist das sogenannte "Tablett", eine Bewegung, die einem Tablett im Schwung ähnlich ist. Ist Padel nun eigentlich eine Mischung aus Squash und Tennis? "Um Padel zu erklären, denke ich schon. Aber ich denke, wenn man Padel spielt, sieht es nicht wie ein anderer Sport aus. Ich denke, es ist sehr einzigartig."

 

Die Spieler haben zahlreiche Ausgaben: für Training, Ausrüstung, Ernährungsberater, Reisen, Unterkunft und Essen. Das im Sport verdiente Geld hilft. Vilela meint: "Es ist nicht möglich, nur vom Padel zu leben." Sie kann von den Einnahmen aus ihren Turnieren und von ihrem Unterricht leben. Aber man müsse sehr gut sein. Die Padel-Turniere finden zwischen März und November statt. Es gibt eine Damen-, eine Herren- und eine gemischte Kategorie. In den höheren Turnierkategorien gibt es Preisgelder. Die wichtigste internationale Veranstaltung ist die World Padel Tour (WPT), und in Portugal ist es das Masters Finale und das "Campeonato Nacional".

 

In Vilelas Familie spielen ihr Bruder, ihre Schwester und ihr Vater. Keiner von ihnen hatte auf ihre Anfänge Einfluss. Was ihr sehr geholfen hat, war der Umstand, dass ihre Mutter in dem Verein arbeitet, in dem sie trainiert. Das machte alles einfacher.

 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2024, Nr. 88, S. 26 - Maria Fontes Vaz Ferreira, Deutsche Schule zu Porto

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