Der beste Weg, um die Stadt kennenzulernen, ist in einem Tuk-Tuk, meint ein Tuk-Tuk-Fahrer
Portugalität ist was Schönes und Besonderes. Es spiegelt sich in unseren Bräuchen: Auch wenn man 30-mal hier vorbeifährt, wünschen einem die Leute immer 'Guten Morgen'. Und wenn man Wäsche zum Trocknen an den Fenstern sieht, weiß man gleich, dass dort eine portugiesische Familie lebt. Vor den Häusern stehen viele Katzenhäuser, für streunende Katzen. Das ist Portugal. Und mit einem Tuk-Tuk zu fahren ist der beste Weg, es kennenzulernen", sagt der Tuk-Tuk-Fahrer Nuno Filipe Fontes Cerqueira.
Man sieht den Douro, den großen Fluss, alte und traditionelle Häuser, hört Vögel und leise Musik. Man entdeckt Brücken mit vielen Vorhängeschlössern und Paare, die dort ihre Liebe einschließen, um dann den Schlüssel in den Fluss zu werfen. Alle sehen fröhlich aus, der Geruch von Kastanien, Steaks und Sardinen liegt in der Luft. Am Flussufer liegen die traditionellen Portweinboote. Das ist das Viertel Ribeira, der am Douroufer gelegene Teil der historischen Altstadt von Porto. Gegenüber liegt die Schwesterstadt Vila Nova de Gaia.
Das Tuk-Tuk ist weiß und rot lackiert, es hat keine Tür, sondern eine Tuchplane, um den Regen abzuhalten. In ihm befinden sich sechs Sitze, die sich gegenüberstehen, hinter dem Fahrersitz. Unten an den Seiten sieht man Bilder von Monumenten in Porto, und in Rot und Schwarz steht dort geschrieben: "Come visit Porto on board of a Tuk Tuk!! Let's go!!" Auf den Straßen sieht man einige Tuk-Tuks. Alle haben dieselbe Struktur, aber verschiedene Farben. "Es gibt nur zwei Wege, Porto kennenzulernen: Erstens per pedes, was für die Beine nicht so gut ist, und zweitens per Tuk-Tuk", sagt Cerqueira.
Der 45-Jährige fährt seit drei Jahren Tuk-Tuk. Er hatte zuvor 22 Jahre lang für Sixt am Flughafen gearbeitet. Doch weil er jeden Tag von neun bis 17 Uhr arbeiten musste, sogar am Geburtstag seiner Tochter, hat er den Job aufgegeben. Ein Freund hatte ihm den Tipp mit den Tuk-Tuks gegeben, schon nach seinem ersten Tag wusste er, dass die Arbeit ideal für ihn war. Cerqueira spricht Portugiesisch, Englisch, Französisch und Spanisch. Er hat Journalismus und Kommunikation studiert und einen Bachelor in Kommunikation. Meistens hat er donnerstags frei und flexible Arbeitszeiten. Normalerweise arbeitet er drei Stunden pro Tag, aber zwischen Februar und November macht er vier bis fünf Touren, denn zu der Zeit gibt es sehr viele Touristen. Man trifft ihn oft in Ribeira an. Cerqueira hatte im Januar eine Woche Urlaub, wo er sich dachte, dass es sich nicht lohnt, frei zu haben, wenn seine Familie nicht frei hat, und so ging er doch zur Arbeit, die er liebt. Er hofft, dass er vielleicht mal einen Tuk-Tuk-Jeep fahren kann, denn die Fahrer tauschen die Tuk-Tuks untereinander. Laut Cerqueira ist der Januar wegen des Regens der schlechteste Monat. Aber schon ab Februar gibt es nicht mehr viel Freizeit. "Und im Sommer ist es am besten", meint er. Dann nutzen alle die Tuk-Tuks, sogar die Portugiesen, die die Stadt schon kennen. Kinder lieben es, weil es eine gute Atmosphäre vermittelt. "Für Touristen ist es eine andere Erfahrung, die wirklich die Portugalität zeigt." Es sei wichtig, die portugiesische Kultur zu zeigen. Um Fahrer zu werden, muss man die heimische Geschichte und Geographie gut kennen. Er erklärt, dass die Ponte D. Maria Pia von Gustave Eiffel gebaut wurde, und nicht die Ponte Luis I, wie viele denken. Man erfährt von ihm auch, dass Portos Einwohner "Tripeiros" genannt werden, also Kuttelesser. Das soll aus der Zeit der portugiesischen Seefahrer vor gut 600 Jahren stammen. Das Fleisch in Porto wurde zur Versorgung der Flotte verwendet, sodass den Einwohnern nur die Innereien zurückblieben.
Manchmal spielt Musik in den Tuk-Tuks, wenn die Touristen danach fragen oder wenn der Fahrer nichts mehr zu sagen hat. Laut Cerqueira gibt es rund 150 Tuk-Tuks in Porto. Es sei eine gute Arbeit. Für diejenigen, die gerne mit Leuten reden und stolz auf ihre "Portugalität" sind, sei es das Beste, was man finden kann.
Die Preise für eine Tuk-Tuk-Tour variieren. Will man die "Old Town"-Tour machen, so zahlt man 25 Euro pro Person, um 60 Minuten durch "Sé/Cathedral, Ribeira/Riverside und Serra do Pilar/Pilar Mountain Range" zu fahren. Außerdem gibt es die Tour "Magical City", die zwei Stunden dauert, oder die dreistündige Tour "Total Porto". Die Tour "Full Day" kostet 400 Euro, um ganz Porto einen ganzen Tag lang kennenzulernen. Cerqueira meint, dass es langweilig wird, wenn man mehr als zwei Stunden fährt, und sich das Geld nicht lohnt, denn man braucht nicht so viel, um die Stadt kennenzulernen. Manchmal kann er aber 1000 Euro an einem Tag einnehmen. "Die Tripeiros sind die stolzesten Menschen des Landes, denn dieser Ort ist wirklich eine Schönheit."