Warum vergießen Krokodile Tränen?

Die Slowenin Lila Prap schreibt und illustriert international erfolgreiche Kinderbücher

Die Villa Kunterbunt liegt am Stadtrand von Celje. Sie heißt nicht wirklich so. Aber in dem alten Bauernhaus, zwischen hohen Bäumen, Sträuchern und Blumen, leben Maus und Kiefer. Mit sieben Katzen. Und mit Drachen, mit Kuffe, Elefin und Husch und vielen anderen Fabeltieren. "Maus" heißt eigentlich Lilijana Praprotnik Zupancic. Sie wurde 1955 in Celje geboren. "Ich war ein Einzelkind, viel allein und habe mir deshalb Phantasiewelten gebaut", sagt sie. Bohnen seien dabei Menschen geworden. Und Maiskolben Prinzessinnen. "Eines der ersten Bücher, das ich als Kind selbst gelesen habe, war Pippi Langstrumpf. Und es ist durch alle Zeiten mein absoluter Favorit geblieben. Pippi ist mein Vorbild, weil sie frei und sehr stark ist und Schwächere verteidigt und für sie kämpft." Heute ist das phantasievolle Kind selbst eine international erfolgreiche Autorin und Illustratorin von Kinderbüchern. "Als mein Sohn Izidor klein war, las ich ihm Märchen und Geschichten vor. Aber irgendwann, als wir von den längst bekannten Geschichten gelangweilt waren, unterhielt ich ihn mit Wortspielen und kurzen lustigen Geschichten. Die haben ihm gefallen, und er hat viel gelacht. Nach einiger Zeit kam mir der Gedanke, einige der Geschichten aufzuschreiben, um anderen Eltern zu zeigen, wie sie mit ihren Kindern Spaß haben könnten." Als die Autorin 2000 dann ihr erstes Buch "Male zivali" ("Kleine Tiere") mit eigenem Text und Illustrationen veröffentlichen wollte, habe sie festgestellt, "dass mein Geburtsname viel zu lang war, also musste ich ihn kürzen. So kam es zu Lila Prap. Aber meine Freunde und Familie nennen mich Misa, auf Deutsch Maus."


Ihre Bücher wurden in 38 Sprachen übersetzt, ins Deutsche, Englische, Finnische, Französische, Italienische, Norwegische, Ungarische. Prap lernt gerade Italienisch, Chinesisch und Japanisch. In Japan habe man eine Zeichentrickserie nach einem ihrer Bücher gemacht, die ins Slowenische übersetzt wurde. Praps Erfolg war nicht geplant. "Man macht sich nicht selbst bekannt, sondern das machen andere Leute. Man kann zu Hause ein Michelangelo sein, aber man muss Glück haben, dass die richtigen Leute einen finden." Vor allem habe der Schulbuch-Verlag Mladinska Knjiga dazu beigetragen, dass ihre Bücher bekannt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann Dalibor Zupancic im ehemaligen Bauernhof seiner Eltern. Er ist Musiker und Karikaturist. Den großen schlanken Mann mit Schnauzbart und weißem Männerzopf nennt "Maus" nur Bori. Bor oder Borovec heißt Kiefer. Neben dem Wohnhaus hat das Paar die alte Scheune zu einer Galerie umgebaut. Prap erklärt: "Ich habe Architektur studiert, weil ich darin eine gute Kombination zwischen Mathematik und Kunst gesehen haben. Eine Zeit lang habe ich auch in Wiesbaden als Architektin gearbeitet und bin noch immer hauptsächlich als Architektin tätig." Vor allem rund um das Wohnhaus und die Gebäude müsse und könne sie renovieren und neu arrangieren. Eines der alten

Gebäude wird gerade zu einem Künstlerhaus ausgebaut, in das "Maus" und "Kiefer" später Künstler einladen möchten, um "mit ihnen zu leben und uns gegenseitig zu inspirieren".


In der Galerie wimmelt es von bunten Farben, Stiften, Bildern, Postern und Kinderbüchern an Wänden, in Regalen und auf langen Tischen. Hier empfängt die große Frau mit ihren langen blonden Haaren und der großen runden Brille ihre Besucher. Auch Erwachsene, aber "am liebsten kleine Gruppen von Kindern bis zu zwölf Jahren". Wenn sie ihnen in der kalten Jahreszeit vorliest, zündet sie ein Feuer im alten Ofen an, setzt sich aufs Sofa mit den Plüschtieren und erzählt. Ihre Bücher sind voller Humor. Prap ist überzeugt, dass viele Menschen Humor einsetzen könnten, um Situationen zu entspannen und Probleme zu lösen. So geht es in ihrem Buch "Kuffe" darum, was passiert, wenn man in einem Buch nicht sorgfältig genug umblättert und aus zwei Tiernamen plötzlich einer wird. Kuh und Affe, Elefant und Delphin, Hund und Frosch und andere lachen um die Wette. Ihr Buch "Zakaj?" ("Warum?") mag sie am meisten. Darin geht es um typische Kinderfragen und witzige Antworten: Warum Zebras Streifen haben oder Krokodile weinen? Natürlich weil sie aus dem Gefängnis geflohen sind oder niemand mit ihnen spielen will. Warum es wirklich so ist, erfährt man auch.


Inspiration findet sie beim Lesen. Das tut sie meistens nachts. "Als Kind habe ich schon mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen, Rotkäppchen und Schneewittchen mochte ich sehr." Lesen hält sie für wichtig, "es gibt einem eine neue Perspektive auf die Welt. Und je mehr man liest, umso toleranter wird man." Eines der Bücher, das sie illustriert hat, aber selbst gerne geschrieben hätte, ist "I Like Black and White" der amerikanischen Autorin Barbara Jean Hicks, "weil es ein wichtiges Thema hat, nämlich unterschiedliche Wesen, Eigenschaften und Interessen zu lieben". Oft hat sie den Wunsch, andere Bücher zu verbessern. "Zu meinem ersten Buch hat mich mein Sohn inspiriert. Seither war und ist es mein Mann. Wir inspirieren uns gegenseitig." Die Farbe Gelb inspiriert die Achtundsechzigjährige. Sie malt mit Wachskreide auf Karton. Die bunten Zeichnungen ihrer Tiere und Fabelwesen haben einen einfachen Stil mit fast geometrischen Formen. "Ich bin von der Architektur geprägt. "


Prap hat viele Preise gewonnen. Wichtiger sei, "wie Eltern meine Arbeit kommentieren, dass sie begeistert meine Bücher lesen". Denn Erfolg sei sehr relativ. "Wenn man Menschen zu sehr motiviert, erfolgreich zu sein, kann auch ein großer Haufen Mist dabei rauskommen." Ihr größter Erfolg sei "Izidor, mein Sohn. Er ist heute über 40 und beschäftigt sich mit Computern. Mit seiner Geburt habe ich mir die lange gestellte Frage nach dem Sinn des Lebens selbst beantwortet: Es ist das Leben selbst. Das ist ganz einfach."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.09.2024, S. 26 - Julija Kunej, Dina Skamagkouli, Mija Sterk Discimus Lab, Videm pri Ptuju

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