"Äpfel wachsen nicht bei Rewe in der Tüte"

Auf dem Erlebnishof Olmoland in Brandenburg leben Tiere, Menschen und Bäume gut miteinander

 

Mit einem aufgeregten Bellen werden Besucher begrüßt, wenn sie auf dem Feldweg die letzten Meter zum Erlebnishof Olmoland in Leegebruch, einem kleinen Ort im Norden Berlins, spazieren. Gleich darauf hört man, wie Patrick "Olly" Orlamünder die zwei "Security"-Hunde zurückruft. Der 40-Jährige arbeitet eigentlich bei der Caritas mit behinderten Menschen, doch die Liebe zu Tieren spielt ebenfalls eine große Rolle in seinem Leben.

 

Zwei Alpakas und mehrere Pferde besaßen Olly und seine Lebenspartnerin Monique Scholz schon seit einigen Jahren als Hobby. Pferde hatte Monique seit ihrer Kindheit. Ende 2019 entschlossen sie sich, ihre Tiere nicht mehr auf fremden Höfen zur Miete unterzubringen, denn der gebürtige Leegebrucher war unglücklich mit der Situation, seine Tiere nicht in seiner Nähe zu wissen. In seinem Heimatort wurde er schnell fündig. Das Grundstück eines ehemaligen Hofs, das brachlag, auf einem Feld nahe dem Leegebrucher See am Moorgraben, erwies sich als perfekt. Die aus dem Ort stammenden Besitzer unterstützten die Idee, den Hof wieder zu nutzen, und verkauften den beiden Tierliebhabern die Fläche. Erste Gehege und Zäune wurden errichtet, Schlafstätten für die Tiere gebaut, Kredite aufgenommen, und schon hatten die Tiere ein neues Zuhause. "Das haben wir mit ein paar Kumpels gebaut, ohne Firmen, so wie das Geld halt da war", sagt Olly. In seinem sympathischen Berliner Dialekt berichtet er dann davon, wie die Entwicklungen Anfang 2020 aufgrund der Pandemie ins Stocken gerieten: Mitten in der Anlaufphase des Hofes konnten keine Besucher begrüßt werden. Den Mut haben die frischgebackenen Hofbesitzer damals nicht verloren. Und so ist die Population Olmolands mittlerweile auf eine stattliche Anzahl gewachsen: Heute leben hier sechs Alpakas, sieben Pferde, fünf Esel, die zwei frei laufenden Gänse Frau Olaf und Herr Günther, eine Pute, sechzehn Hühner und zwei Schweine. Mittendrin die Hunde Macko und Dingo, die ihre Tierfamilie gewissenhaft bewachen.

 

Auch das Angebot der buchbaren Aktivitäten ist umfangreich: Von Alpakaspaziergängen und -picknicks über Feriencamps, Tipiübernachtungen und Reitunterricht bis hin zu Firmenfeiern - mit Monique und Olly ist vieles möglich. Kinder sollen für Tier und Natur begeistert werden: "Was ich mir wünsche, ist, dass die Kinder auch mal sehen, dass ein Apfel am Baum wächst und nicht bei Rewe in der Tüte." Ihm sei außerdem wichtig, dass Kinder den Umgang mit Tieren lernen. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Olly und Monique ist ihr ehrenamtliches Engagement. Sie besuchen mit ihren Ponys Wachkomakliniken, Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen und haben mit der Obdachlosenküche Berlin zusammengearbeitet. Sie arbeiten auch mit der Hilfsorganisation Straßenkinder e. V. zusammen, die regelmäßig den Hof mit obdachlosen Kindern und Jugendlichen besucht. Die Vielfalt schätzt Olly sehr: "Die Gäste können hier ja eigentlich alles machen, sie müssen uns nur ansprechen."

 

Dabei achtet er darauf, dass der Hof authentisch und die Besucherzahl den Tierbedürfnissen entsprechend klein bleibt, denn die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammenden Alpakas sind Fluchttiere - und keine Kuscheltiere, wie Olly betont, während ein Windstoß seinen Pferdeschwanz zum Wehen bringt. Kurios ist, dass der Hof ursprünglich gar nicht für Besucher geplant war. Da das Gelände jedoch an einer für Spaziergänger gut sichtbaren Stelle liegt, zog es schnell nach Einzug der Tiere Aufmerksamkeit auf sich, und der als Stellfläche geplante Hof entwickelte sich bald zum Erlebnishof. Diese Umstellung hatte großen Einfluss auf den Alltag der beiden: Monique machte ihr Hobby zum Beruf, betreut nun die Besucher und erledigt die tägliche Arbeit. Olly ist hingegen nach wie vor als Behindertenpfleger angestellt. Die Kosten für die Versorgung der Tiere seien zu hoch, um sie ausschließlich über die Einnahmen des Hofes zu finanzieren. Doch sonst gelte: "Immer wenn ich nicht auf Arbeit bin, bin ich hier." Arbeit gibt es schließlich auf dem Hof genug. Selbst wenn alle Gehege gesäubert, die Tiere gefüttert, der Hufschmied da war sowie Futter und Holz besorgt sind, gehen Olly noch nicht die Ideen aus. Dann baut und bastelt er, bearbeitet Wiesen, erweitert den Hof oder repariert Schäden. Feierabend sei, "wenn die Sonne untergeht". Einmal im Jahr werden die Alpakas geschoren. Die als "Vlies" bezeichnete Wolle bringt das Paar zu einer lokalen Manufaktur, daraus werden gefilzte Einlegesohlen oder Bettwaren produziert, die auf dem Hof verkauft werden. Außerdem stellen sie Seife aus dem Vlies her, das einen hohen Anteil an Keratin hat.

 

Abends muss Olly den Hof noch nachtbereit machen. Dabei achtet er genau darauf, dass alle Tiere im Stall und sämtliche Stalltüren verschlossen sind, damit seine Tiere nachts in Sicherheit sind. Dann kann Olly nach Hause fahren und fällt erschöpft ins Bett. Über die Frage, was das Schönste an der Arbeit auf dem Hof sei, muss er nicht lange nachdenken: "Das Schönste ist auf jeden Fall, mit Tieren zu arbeiten, weil Tiere ehrlich sind. Tiere zeigen dir immer zu 100 Prozent, was sie von dir denken."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2024, Nr. 126, S. 26 - Felix Schulz, Marie-Curie-Gymnasium, Hohen Neuendorf

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