Das Ballspiel Indiaca stammt aus Südamerika und wird auch in Braunschweig trainiert
Sieben Spieler in lila Trikots strecken und dehnen sich in einer kleinen Turnhalle in Braunschweig. Das Quietschen der Turnschuhe hallt. Trinkflaschen stehen an der Seite. Neben der Tür liegt ein Kasten mit ungewöhnlich aussehenden Federbällen: knallrot und gelb. Ein Spieler fischt sich einen und wiegt ihn in seinen Händen. "Die Indiaca ist ein mit Leder umspannter Schaumstoffball, an deren Ende normalerweise Truthahnfedern zur Stabilisierung der Flugbahn sind", erklärt Hagen Gädke-Lütjens, Abteilungsleiter Indiaca des Polizeisportvereins PSV Braunschweig. "Indiaca setzt sich aus Indianer und Peteca zusammen. Die Sportart hat südamerikanische Wurzeln. In Brasilien ist sie als Volkssport am Strand sehr beliebt." Man nimmt an, dass sie von den Ureinwohnern Südamerikas stammt. Karlhans Krohn, ein deutscher Sportlehrer, beobachtete 1936 beim Spaziergang am Strand von Copacabana Jugendliche, wie sie Peteca spielten. Er brachte das Spiel nach Deutschland. Dort verbreitete es sich nach dem Krieg unter dem Namen Indiaca zuerst in der kirchlichen Jugendarbeit und im CVJM. Später gelang es, Indiaca in Vereinen zu organisieren und in den Deutschen Turner-Bund (DTB) zu integrieren.
Die dreißig- bis fünfundvierzigjährigen Vereinsmitglieder treffen sich jeden Freitagabend in der Sporthalle eines Braunschweiger Gymnasiums zum Indiaca-Training. Die Regeln ähneln denen des Volleyballs. Der Zuspieler passt seinem Kameraden das Spielgerät zu, das über das 2,35 Meter hohe Netz geschmettert wird. Standards wie Blocken und Blocksicherung gehören ebenfalls zum Aufwärmen. Danach wird frei gespielt. "Das macht allen am meisten Spaß. Der Federball kommt überwiegend nur in Kontakt mit der flachen Handfläche. Die Spieler berühren den Ball nur für den Bruchteil einer Sekunde", erklärt der groß gewachsene Trainer und führt die schnelle Bewegung des Schlagens vor. Dabei klingt das Schmettern wie ein dumpfes, sattes "Plopp". Es erinnert an den dumpfen Aufprall eines weichen Gegenstands, begleitet von einem Flattern der Federn.
Die Mannschaft teilt sich spontan in Dreierteams auf. Der blonde Spieler beginnt mit einem Oberhandaufschlag hinter der weißen Linie. Nach maximal drei Berührungen muss die 50 bis 60 Gramm schwere Indiaca auf die andere Seite gespielt werden. Das gegnerische Team nimmt den Aufschlag geschickt an und startet einen Angriff. "Ein Satz endet bei 25 Punkten, wobei ein Vorsprung von zwei Punkten erforderlich ist", erklärt Gädke-Lütjens. Das zweite Team gewinnt den ersten Satz. Im Anschluss an einen starken Schmetterball klatschen die Mitspieler begeistert ab. "Die Indiaca-Mannschaft des PSV Braunschweig hat ihren Ursprung in der Evangelischen Studierendengemeinde an der TU Braunschweig." Sie wurde von Gädke-Lütjens' Freund Franz Haas 2006 gegründet. "Mit einer Gruppe von zwölf Leuten spielten wir für ein paar Jahre im Christlichen Verein Junger Menschen am Wollmarkt. 2008 traten wir dem Polizeisportverein bei und gründeten dort die Indiaca-Abteilung", erklärt der 45 Jahre alte Software-Entwickler. Der Verein ist offen für jedermann. Mit nur elf Mitgliedern ist sie die kleinste Abteilung des Vereins.
Indiaca wird auf verschiedenen Niveaus gespielt - von einer entspannten Freizeitbeschäftigung bis hin zum professionellen Sport. Seit 1998 finden regelmäßig deutsche Meisterschaften statt. "Für Anfänger ist es typisch, den Ball kaum über das Netz zu bekommen." Anfangs sei es schwer, ihn ein paar Meter weit zu schlagen, da es ein gewisses Maß an Koordination erfordert, um den richtigen Moment für den Schlag zu finden. Hinzu kommt das Gewicht der Indiacas, für das man ein Feingefühl entwickeln muss. "Der Spaß steht im Vordergrund. Man wird in Vereinen gut aufgenommen."
Gewinnt keine der beiden Mannschaften zwei Sätze hintereinander, wird ein dritter Satz gespielt. Häufig spielen sie drei gegen drei, obwohl normalerweise auf jeder Seite jeweils fünf Spieler stehen, zwei hinter der Linie und drei am Netz. Die niedrige Mitgliederanzahl sei auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. "Wir hatten mal viele an Turnieren interessierte Spieler, aber in den letzten Jahren gab es einen Mitgliederschwund."
In Deutschland verbreitete sich die Sportart seit den Fünfzigerjahren. "Besonders im süddeutschen Raum ist sie beliebt, in manchen Schulen wird sie sogar unterrichtet. Seit 2009 hat die Braunschweiger Indiaca-Mannschaft an 26 Turnieren teilgenommen, überwiegend an den norddeutschen Meisterschaften." In vielen Vereinen spielen gemischte Teams. Es gibt auch reine Damen- und Herrenmannschaften, die vor allem im Leistungssport vertreten sind. Auf internationaler Ebene werden sowohl die Weltmeisterschaften als auch im zweijährigen Wechsel alle vier Jahre der World Cup von den Mitgliedern der International Indiaca Association (IIA) ausgetragen, die 2000 in Mahlow bei Berlin gegründet wurde. "Unsere Mannschaft hat für sich entdeckt, dass ihnen die Freundschaftsspiele mehr Spaß machen als die offiziellen Spiele, da sie dort auf Spieler desselben Niveaus treffen."