Am See sitzen alle in einem Boot

Die Schifffahrt auf dem Bodensee muss sich an die Natur anpassen. Remo Rey arbeitet gern dort.

Die Sonnenstrahlen, die vom Himmel herab auf das Wasser scheinen, lassen das klare Gewässer verspielt glänzen. Am Ufer sitzen Wasservögel auf ihren Ästen bei der Suche nach ihrer ersten Mahlzeit des Tages. Ein Biber lugt inmitten von Sträuchern hervor, um die morgendliche Stille zu genießen. Zwischen den Bäumen, die bis ins Wasser ragen, lässt sich eine mittelalterliche Stadt erahnen, deren Häuser anhand von Wandmalereien Geschichten erzählen. Fahrradfahrer bewundern die Ruhe des Flusses und atmen die frische Luft des Morgens. Im Wasser stehen rhombenförmige Schilder aus zwei Dreiecken, eines davon weiß wie der Schwan am anderen Ufer, und das andere grün. Die Kennzeichen der Schifffahrt. Ein Kursschiff tuckert durch die Stille. Sanft lässt es Wellen ans Ufer schlagen. Der Kapitän ist auf die Landschaft fokussiert, um den nächsten Richtungswechsel, der bei der Erscheinung der Eiche erfolgt, nicht zu verpassen. Diese Art von Navigation ist während der Fahrt auf dem Fluss essenziell, da diese in einer Fahrrinne erfolgt, die aufgrund der sonstigen Kollision des Propellers mit dem Kiesbett nicht verlassen werden kann. Der naturbelassene Rhein, ein Fluss, der sich von der Schweiz bis in die Nordsee erstreckt, bietet eine Idylle.

 

Das Kursschiff auf dem Fluss gehört zur Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG. Deren 49 Jahre alter naturliebender Geschäftsführer Remo Rey setzt sich seit gut zehn Jahren für das Unternehmen ein. Die Aktiengesellschaft wurde 1864 gegründet und hat ihren Sitz in Schaffhausen, einer schweizerischen Stadt am Rhein. Der Familienvater erzählt, dass er selbst Ferien am Bodensee mache und sich in seiner Freizeit gern mit Wasser umgebe. "Wasser ist etwas Beruhigendes und mein Element." Schon in seiner Kindheit hätte er einen Lernort am See gehabt. Dort fühlte sich der Brillenträger wohl und konnte Kraft tanken. Der mittelgroße Mann ist am liebsten auf dem See, wenn sich eine Gewitterfront über den Himmel erstreckt. "Es ist sehr spannend, wie sich die Luft verändert, wie sich das Wetter aufbaut und sich vielleicht auch durch ein Gewitter entlädt." Es sei nicht gefährlich, bei so einem Wetter auf dem Untersee zu fahren, da sich in dem kleinen Gewässer keine großen Wellen ausbauen könnten, wie auf anderen Teilen des Bodensees.

 

Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gehört zu den wenigen, die nicht ausschließlich auf Seen fahren, sondern ebenfalls auf dem Rhein. Diesen Fluss befahren die sechs Schiffe der Flotte von Schaffhausen bis nach Stein am Rhein. Von dort aus fahren sie weiter auf den Untersee bis nach Konstanz. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Gewässern ist das Navigieren, das auf dem See anhand von Kompassen, und nicht anhand der Orientierung von Auffälligkeiten der Umgebung erfolgt. Auch Freiheiten sind auf dem See mehr gegeben. Im naturbelassenen Fluss fahren die Kursschiffe in einer Rinne, die sie aufgrund ihres Tiefgangs nicht verlassen können. "Gummibötler" schenken laut Rey den Ausschilderungen auf den Flüssen zum Teil zu wenig Aufmerksamkeit und denken, die motorbetriebenen Schiffe könnten ihnen leicht ausweichen. Das sei jedoch aufgrund der Fahrrinne nicht der Fall.

 

Der Bodensee grenzt an drei Länder: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er wird von vier verschiedenen Schifffahrtsbetrieben befahren. Aus Sicht von Rey sei dies kein Problem, da die verschiedenen Schifffahrtsgesellschaften von ihren jeweiligen Ländern konzessioniert werden, also Vorgaben erhielten, die anhand von Verträgen für den Gemeinschaftsverkehr festgehalten wurden. Diese Verträge wurden in den 60er-Jahren festgelegt. Da wurde auch bestimmt, wer welche Strecken bedient. Eine Strecke, die von Ermatingen bis Konstanz, wird nur von schweizerischen Schifffahrtsgesellschaften angeboten. Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein sind ein Verband, er hat als Mitglieder die vier Schifffahrtsgesellschaften der drei Länder. Dieser Verband beschäftigt sich mit den Fahrplänen und den daraus entstehenden Produkten. "Es gibt offizielle Schifffahrtslinien, die festgehalten sind in diesen Plänen."

 

Doch nicht alles verläuft immer reibungslos. Die Schifffahrtsgesellschaft habe mit dem Wetter zu kämpfen. Dies kann auf die Abwesenheit der Regulation des Bodensees zurückgeführt werden. Er ist einer der wenigen nicht regulierten Seen der Schweiz. Durch die Regulation eines Sees werden Hochwasserspitzen gedämpft und Niedrigwasserstände angehoben. Dies hat zur Folge, dass das Wetter weniger Einfluss auf den Wasserstand hat und er dadurch beständiger bleibt. Bei vermindertem Regenfall komme es vermehrt zu Wassertiefen im Bodensee, dies bedeutet, dass die Höhe des Wasserstandes im See tiefer liegt als im Normalfall "Die Wassertiefen können wir nicht locker kompensieren, denn in diesem Streckenteil liegen die Stationen weit auseinander und es ist naturbelassen." Um wirtschaftlichen Schaden zu reduzieren, bietet die Gesellschaft während der trockenen Perioden verstärkt Rundfahrten an. Die Fahrten auf dem Untersee werden vermehrt, da dieser wasserstandunabhängiger ist als der Rhein. "Es kann aber auch ziemlich schnell kippen. Würde es im Einzugsgebiet eine Woche lang regnen, kann es auch zu Hochwasser kommen." Hochwasser ist laut dem braunhaarigen Geschäftsmann einfach zu umgehen, da das einzige entstehende Problem die Durchfahrt unter der Brücke in der Nähe von Diessenhofen ist. Dieses Problem werde jedoch durch ein zweites Schiff, das auf der anderen Seite der Brücke weiterfährt und auf das die Passagiere umsteigen, umgangen.

 

Auch am Abend spiegeln sich die Sonnenstrahlen im Wasser. Dabei verfärbt sich der Himmel in unterschiedliche Rot- und Orangetöne. Für den naturfreudigen Remo Rey sei das "ein Feriengefühl, es ist wie Erholung, und man muss nicht einmal weit weg. Man fährt eine Stunde mit dem Schiff und denkt, man hätte richtige Ferien gehabt."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.08.2025, S. 26 - Ronja Olsen, Kantonsschule Kreuzlingen

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