Mirko Drotschmann alias "MrWissen2go" will das Gegenteil beweisen. Er wurde auf der Plattform erfolgreich.
Youtube als Wissensplattform? Das ist für Generation Z Normalität. Der 39 Jahre alte Mirko Drotschmann, den die meisten als MrWissen2go kennen, hat auf seinen beiden Youtube-Kanälen "MrWissen2go" und "MrWissen2go Geschichte" zusammen 3,8 Millionen Abonnenten.
Drotschmanns Erfolgsgeschichte, der mit Seitenscheitel, Dreitagebart und spitzbübischem Lächeln heute fast noch genauso aussieht wie in seinen ersten Videos, begann früh - und ohne dass er es damals ahnte. Bereits in der Schulzeit am Albertus-Magnus-Gymnasium in Ettlingen entstand sein Interesse für Politik und Geschichte. Geschichte war, so erzählt er, sein Lieblingsfach. Anschließend habe er das sogar studiert. Mit 15 trat er der Schülerzeitung seiner Schule bei und entwickelte ein großes Interesse für Journalismus.
Dass er beides, sein Interesse für Geschichte und sein journalistisches Engagement, miteinander verbinden konnte, lag an seiner Zeit im Kinderprogramm. Als er von 2014 bis 2017 Reporter bei den vom ZDF produzierten Kindernachrichten "logo!" war, fragte er sich: "Was ist denn, wenn die Kinder älter werden und jugendlich sind? Dann haben die ja gar kein Angebot mehr. Da braucht es ein Angebot, das den Leuten da so ein bisschen eine Orientierung, eine Hilfestellung gibt."
Im Mai 2012 hatte Drotschmann bereits seinen ersten Youtube-Kanal "MrWissen2go" gegründet, damals noch komplett in Eigenregie, später als Teil des Onlinemedienangebots "funk" von ARD und ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Idee, ausgerechnet Youtube als Plattform für seine Videos zu nutzen, sei eher per Zufall entstanden. "Ich kannte Youtube natürlich schon vorher als Plattform, aber dass man dort selbst Inhalte erstellen kann und sozusagen sein eigener Chef ist und eine eigene Community aufbauen kann, das war mir so nicht klar." Seine Frau führte zu der Zeit den Youtube-Kanal "aWish", auf dem sie mit Schminkvideos 40.000 Abonnenten erreichte, und habe ihn so inspiriert, die Plattform für seine eigenen Formate zu nutzen. Die Community wuchs. Drotschmann präsentiert dort geschichtliche und politische Ereignisse altersgerecht, mit Grafiken, einfacher Sprache und anschaulichen Beispielen. Dafür sei Youtube sogar besser geeignet als die klassischen Medien. "Ich finde das immer cool, wenn man dort hingeht, wo die Leute sind und dort ein Angebot für sie schafft."
Ein weiterer Vorteil von Youtube bestehe darin, dass man direktes Feedback zu den Beiträgen bekomme. So könne er die Videos kontinuierlich verbessern. Er nehme die Kritik aus seiner Community sehr ernst. Ein Vorwurf, den er immer wieder in den Kommentaren lesen würde, sei die Behauptung, er wäre nicht objektiv, egal, wie er die Themen angehe. Leider seien auch inhaltliche Fehler bei einer so großen Videoproduktion nicht immer zu vermeiden. Das könne auch mal zu unfreiwillig lustigen Pannen führen. So habe er einmal in einem Video versehentlich den Vorsitzenden von Die Partei statt Martin Sonneborn Markus Sonneborn genannt - und damit, ohne es zu wissen, einen Running Gag von diesem übernommen. In solchen Fällen steht für Drotschmann ein offener Umgang an erster Stelle. "Wenn Fehler passieren, ist es wichtig, dass man damit transparent umgeht oder die Fehler auch entsprechend korrigiert und jetzt nicht so tut, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen und würde alles perfekt machen."
Dass er so großen Erfolg hat, liege auch an Versäumnissen in deutschen Schulen, findet Drotschmann. Besonders der Themenbereich Politik komme im Unterricht häufig zu kurz. "Es fehlt die Zeit, aktuelle Geschehnisse im Unterricht zu besprechen. Schüler sollten von Lehrkräften darin unterstützt werden, sich über glaubwürdige Quellen selbst zu informieren." Darüber hinaus wünscht er sich Veränderungen im Schulsystem. "Ich denke, wenn man die Lehrpläne ein bisschen entschlackt und dafür Raum lässt, dann wäre das ein guter Punkt, an dem man ansetzen kann." Statt im Fach Geschichte Jahreszahlen auswendig zu lernen sei es heute wichtiger, Zusammenhänge zu verstehen und Gegenwartsbezüge herzustellen. "Man sollte auch klarmachen, warum es wichtig ist, sich damit zu befassen, auch in Bezug auf das eigene Leben. Ich glaube, so bekommt man viel besseren Zugang, als wenn man einfach nur mal ab-strakt was erklärt."
Drotschmanns Erfolg habe nicht immer nur Positives mit sich gebracht. Da er schon sehr früh beruflich durchstartete, fehlte ihm die Zeit, die andere in seinem Alter für Reisen und andere Aktivitäten nutzten. "Ich bereue es heute schon ein bisschen, dass ich nach dem Abi nicht mal ein Jahr oder ein halbes Jahr in ein anderes Land gegangen bin, um eine Sprache noch besser zu lernen oder eine neue Kultur kennenzulernen." Zudem müsse er auch mehr als andere darauf achten, wie er sich in der Öffentlichkeit verhält und was er äußert. "Wenn man irgendwo etwas sagt, wird es vielleicht mehr auf die Goldwaage gelegt, als wenn man keine Reichweite hätte. Das ist schon etwas, das ich immer wieder merke. Aber das ist bei mir sicher in einem Rahmen, der noch okay ist. Bei anderen ist es ganz anders." Ihm sei bewusst, dass er für viele Jugendliche ein Vorbild ist. Er warnt aber davor, dass man alles auf die Karte Youtube setzt. "Ich würde empfehlen, sich nicht zu sehr darauf zu fokussieren, dass man irgendwann mal bei Youtube reich und berühmt wird, sondern in Anführungszeichen was Vernünftiges zu lernen. Also auf jeden Fall die Schule fertig zu machen und sich dann zu überlegen, okay, was spricht mich denn an, welcher Beruf wäre was für mich?" Und noch etwas ist ihm wichtig: Erfolgreich sein können nur diejenigen, die eine wirklich gute Idee und ein klares Ziel vor Augen haben. "Es sollte darum gehen, dass man tatsächlich was rüberbringen will, dass man Leute unterhalten will, informieren will oder wie auch immer. Das sollte im Vordergrund stehen, und so sollte dann auch die Idee sein, die man verfolgt. Und dann muss man dranbleiben, geduldig sein, nicht so schnell aufgeben und immer weitermachen."