Bildung ist ein Instrument

Für die musikalische Erziehung ist es nie zu früh oder zu spät

Es ist kein Tag wie der andere", sagt Thomas Reuß, Leiter der Städtischen Musikschule im unterfränkischen Münnerstadt. Täglich gebe es Herausforderungen. "Ein Lehrer, der ein Problem hat, oder auch Schüler und Eltern." Und dann sind da die Finanzen. Musikschulen seien eine freiwillige Leistung der Stadt, und wenn kein Geld da ist, bestehe die Gefahr, dass zuerst bei den freiwilligen Leistungen gespart werde. Durch das Ganztagsangebot an den Schulen wurde die Arbeit laut Reuß zudem herausfordernder. "Die Schüler sind dann bis 16 oder 17 Uhr im Unterricht, und für viele ist es dann zu viel, danach noch Musikunterricht zu nehmen." Mittlerweile habe sich das alles schon in die richtige Richtung entwickelt. "Wir suchen dann immer die Lücken im Schulunterricht."


Reuß ist 54 Jahre alt. Er hat mit neun Jahren angefangen Trompete zu spielen. "Ich war eigentlich von keiner Seite von den Eltern vorbelastet. Ich wollte es immer und habe es dann in Bad Kissingen beim Jugendmusikkorps gelernt." Nach dem Grundwehrdienst studierte er zwei Jahre Musikwissenschaft an der Universität Würzburg. Es folgte ein vierjähriges Studium der Instrumentalpädagogik an der Hochschule in Nürnberg mit dem Abschluss Diplom-Musiklehrer. Der sei die Voraussetzung, dass er an der Musikschule arbeiten darf. In Münnerstadt habe er 2001 die Leitung übernommen. "Wir haben mit knapp 200 Schülern angefangen, mittlerweile haben wir 1600." Das liege vor allem am Kooperationsprogramm WIM (Wir musizieren) mit den Grundschulen. Im Tandem mit den Musiklehrkräften im Regelunterricht erreiche man alle Schüler der ersten und zweiten Klassen. "Teilweise haben wir durchaus auch erwachsene Schüler. Unsere älteste derzeit ist 85 Jahre."


Die Musikschule Münnerstadt wurde 1981 gegründet. Sie bietet Unterricht für alle Streich-, Tasten-, Blas- oder Schlaginstrumente an. "Die gefragtesten sind zurzeit Querflöte und Klavier. Die Mädchen sind mit etwa 60 Prozent generell stärker vertreten." Davor kommt die elementare Musikpädagogik. "Von 18 Monaten an geht es los. Musikgarten für Babys nennt sich das, eine frühkindliche Erfahrung mit Musik." Kein alltägliches Instrument ist die Veeh- Harfe, die ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann und oft von Senioren erlernt wird. Zurzeit probiere man sie auch mit Erfolg in der Früherziehung aus.


Insgesamt sind 22 Lehrkräfte an der Musikschule tätig, wo auch der Unterricht in der Regel stattfindet. "Aufgrund des Nachmittagsunterrichts in den allgemeinbildenden Schulen sind wir aber gezwungen, oft auch in die Mittagspausen zu gehen. Dann fahren die Lehrer eben an die Schulen und geben dort den Unterricht." Jede Lehrkraft studiert im Regelfall ein Hauptfachinstrument und unterrichtet nur dieses. Dies sei in der Verordnung so festgelegt.


Damit sich die Schüler daran gewöhnen, vor Publikum zu spielen, gibt es Vorspielabende im kleinen Kreis bis hin zu Konzerten mit 600 Zuhörern. Ein paar Veranstaltungen im Jahr stehen fest. Dazu zähle das Frühjahrskonzert und das Stadtfest. Man sei ebenfalls beim Saale-Musicum, beim Rakoczy-Fest in Bad Kissingen und bei den Weihnachtsmärkten in Münnerstadt ein fester Bestandteil. "Wir waren auch schon beim Oktoberfest in München dabei und dadurch im Fernsehen zu sehen." Bei Marschmusik werden besondere Kenntnisse von den Lehrern erwartet. Die Musikschule hat auch Ukrainer aufgenommen.

Durch eine ukrainische Lehrkraft, die als Klavierlehrerin fungiere, sei die Sprachbarriere gelöst, wobei sie immer versuche, mit ihren Landsleuten deutsch zu sprechen.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.02.2025, S. 30 - Greta Besarab, Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium, Münnerstadt

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