Bloß kein Trikot-Tausch

Das Aufbewahren von matchgetragenen Fußballtrikots ist ein seltenes Hobby. Zwei Sammler berichten.

Beim Fußball sind die Fans in der Sache geeint und nur im Geist verschieden", sagt Holger Scheidegger zur Fanrivalität zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel. Scheidegger kommt aus der Ostschweiz, ist um die 50, hat dunkles Haar und trägt elegante, aber sportliche Kleidung. Seine Leidenschaft ist das Sammeln von matchgetragenen Fußballtrikots des FC Zürich. Vor 15 Jahren hat er ernsthaft damit begonnen, über einen Kauf auf einer schweizerischen Auktionsplattform. Aber schon als Kind verfolgte er das Hobby.


Gérald Terrier (@fcbaselshirt auf Instagram) teilt diese Faszination, nur für den FC Basel. Er ist beinahe 40, mit dunklem Haar und stilvoller Kleidung. Er spricht mit einem leichten französischen Akzent. Terrier wohnt in Delémont, dem Hauptort des Kantons Jura. Für ihn ist das Trikotsammeln eine Mischung zwischen der Liebe zum Trikot und der Liebe zum Verein. Das Hobby ist außergewöhnlich. Zwar besitzt fast jeder Fan ein Trikot, aber das ist nicht vergleichbar. Von Profispielern getragene Trikots sind begehrt.


Scheidegger meint: "Ich versuche ausschließlich Matchworn-Trikots in die Sammlung aufzunehmen. Dies ist jedoch einfacher gesagt als getan, da speziell im Internet sehr viele Behauptungen und Lügengeschichten kursieren. Ein weiteres Problem sind gefälschte Trikots, das heißt Reproduktionen, die nicht direkt aus den Fabriken der Trikothersteller stammen. Die sind beim FC Zürich weniger verbreitet als bei internationalen Topklubs.

Dennoch ist der Schweizer Markt attraktiv." Um die Echtheit zu prüfen, nutzt er Quervergleiche, schaut sich die Spiele im Fernsehen an und achtet darauf, ob es möglich ist, dass es wirklich das getragene Trikot aus diesem spezifischen Match sein kann.

Sicherer kann man sein, wenn ein Trikot Spielspuren hat, dies ist auch für Scheidegger wichtig. Er wäscht die Trikots kalt, sodass nur der Gestank schwindet und nicht die Spielspuren und somit der Beweis des Spiels. Scheidegger hat das Glück, garantierte Matchworn-Shirts vom FCZ direkt aus einer 100 Prozent verlässlichen Quelle zu erhalten, die dem Verein sehr nahesteht.


Am 25. Mai war ein bedeutendes Ereignis in der Trikotgeschichte des FC Zürich: das letzte Spiel mit Nike als Ausrüster. Ab der Saison 2024/25 übernimmt Castore aus dem Vereinigten Königreich diese Rolle. Auch von diesem Spiel konnte er zwei Trikots für seine Sammlung sichern, von Yanick Brecher, dem Torhüter, und von Bledian Krasniqi. Diese werden in einem Schrank gelagert. Es sind etwas mehr als 200 Trikots, die er besitzt. Der Stolz ist ihm anzusehen. Scheidegger sagt: "Bei älteren Trikots ist es praktisch unmöglich, nachzuweisen, ob sie wirklich vom entsprechenden Spieler getragen wurden, aber ich habe viele Trikots von Spielern direkt oder erhalte sie aus verlässlichen Quellen."


Terriers FC-Basel-Trikotsammlung ist beeindruckend. Er verfolgt das Ziel, seit den 1970er- Jahren von jeder Saison jede einzelne Version aller Trikots des FC Basel zu besitzen. In

einer Saison gibt es jeweils ein Heim-, ein Auswärts- und ein drittes Ausweichtrikot. Zudem existiert teilweise noch ein Trikot für den Europapokal, also die Champions, Europa oder ConferenceLeague. Ebenfalls gibt es noch eine Version für den nationalen Pokal sowie Langarm- und Kurzarm-Exemplare. Terrier strebt an, von jeder Saison alle Varianten zu besitzen. Seine Sammlung umfasst knapp 750 Trikots. Er bewahrt sie beinahe vollständig in einem Raum an langen Kleiderstangen auf. Zur Kollektion zählen jedoch nur die Trikots, die mit großer Wahrscheinlichkeit getragen wurden. Die Preise für solche Sammlerstücke reichen von wenigen Franken bis in den fünfstelligen Bereich oder bei ganz besonderen Fußball-Legenden gar noch höher.


"Vor einiger Zeit, beim Match Lausanne gegen Basel, habe ich das Trikot der Vereinslegende und des langjährigen Kapitäns Valentin Stocker nach dem Spiel erhalten. Er hat es vor mir ausgezogen und mir persönlich überreicht. Ich konnte sogar noch ein Foto davon machen. Diese Trikots, die ich persönlich nach einem Spiel erhalte, sind meine Favoriten", sagt Terrier. Valentin Stocker ist beim "Klub aus dem Rheinknie" geliebt und gelobt, beim Rivalen aus der "Limmatstadt" aber weniger.


Was aber sind die Lieblingstrikots eines FC-Zürich-Sammlers? Scheidegger meint: "Zu meiner Zeit war der FC Zürich einfach im Trend, es war nicht mein Vater, der mich darauf gebracht hat. Ein Spieler wie René Botteron mit seinen langen Haaren war einfach ein toller Spieler, aber ich würde mich heute nicht als klassischen Fan bezeichnen, der jedes Wochenende ins Stadion geht und die Spiele verfolgt. Der Verein ist ein Teil meiner Identität, und dies wird sich nicht ändern, niemals."


Jedes Sammlerstück hat seine eigene Geschichte, doch es gibt Favoriten. "Meine zwei größten Schätze sind für mich das Trikot von Pirmin Stierli aus dem Jahr 1974, mit dem Liga-Emblem und der Nummer zehn. Was wirklich eine Rarität ist und weshalb es preislich etwas teurer, im vierstelligen Bereich, als andere war", erwähnt Scheidegger lachend. Auf seinem Tablet zeigt er ein Foto des Trikots und betont, dass es wirklich ein echtes und getragenes Trikot ist. Er war sich lange nicht sicher, da es aus Schottland stammte, aber er hat Filmaufnahmen gesehen, die zeigten, dass Pirmin Stierli mit diesem Trikot damals in einem Spiel gegen Celtic Glasgow spielte. "Einfach genial", findet er. Ein weiteres ikonisches Stück ist ein Trikot von Pius Fischbach aus den späten 1970er-Jahren. "Meine Mutter kannte Pius persönlich, und einige Jahre später habe ich ihn angerufen, und tatsächlich hatte er noch ein Trikot und übergab mir dieses. Das war das höchste aller Gefühle und ist mein Favorit in der Sammlung."


Ein klar definiertes Ziel und eine genaue Idee seien zentral, um nicht den Überblick zu verlieren und schlechtes Geld zu investieren, meinen die beiden Sammler. Außerdem sei eine sorgfältige Aufbewahrung nötig, um die Qualität über die Jahre zu erhalten. Und eine gute Dokumentation mithilfe eines Excel-Sheets, das alle Informationen enthält. "In der Sache sind wir Fans alle gleich, alle lieben den Fußball", sagt Scheidegger. Für die Sammler sind Trikots weit mehr als ein Stück Stoff. In ihnen stecken Geschichten, Momente

und lebendige Erinnerungen.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Februar 2025, Nr. 34, S. 26 - Nevin Hintermann, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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