Bretterbude klingt doch gut

Ein Beruf stirbt aus: In der Schweiz gibt es nur drei Hackbrettbauer

Es duftet nach frischem Holz, während die Sonne auf die Werkbank scheint. "Mondholz - das klingt fast magisch, aber dahinter steckt jahrhundertealtes Wissen, das heute wieder an Bedeutung gewinnt", sagt Johannes Fuchs, ein Schreiner aus Appenzell, der seit 1984 Hackbretter baut. Er ist eher klein, seine Augen strahlen Ruhe aus. Und seit über 40 Jahren achtet er auf den Mond, bevor er die Bäume fällen lässt. Fuchs ist immer dabei, er verwendet ausschließlich Bergfichten aus dem Appenzell. Das letzte Mal ließ er vor etwa acht Jahren drei Stämme fällen - genug Holz, um 200 Hackbretter daraus zu bauen. Der Sechzigjährige ist überzeugt, dass das Mondholz ruhiger und stabiler sei; perfekt für hochwertige Instrumente wie Violinen, Klaviere und Hackbretter. Es verstimme sich langsamer, klinge voller und halte länger. "Manche halten mich vielleicht für verrückt", gibt er zu.


1951 begann sein Vater, ein Möbelschreiner, durch einen Zufall mit dem Hackbrettbau. Ein guter Freund brachte ihm ein kaputtes Hackbrett. Nachdem die Reparatur so gut gelungen war, dachte der Vater: "Warum nicht mal selbst eins bauen?" Was als Experiment begann, wurde zur Familientradition. 1980 begann er in der Werkstatt seines Vaters eine Lehre als Möbelschreiner. Dort arbeitet er heute noch. Damals stellte man vor allem Möbel her und nur ein- oder zweimal im Jahr ein Hackbrett. Die Werkstatt hat sich seitdem nicht stark verändert. Am Boden liegen Holzspäne, in den dunklen Ecken stehen alte Maschinen. 1999 übernahm Johannes das Geschäft. "Diese Maschinen könnte man ja schon im Museum ausstellen", wurde ihm einmal gesagt, aber er fand, dass neu nicht immer besser sei, und gibt sich zufrieden mit dem, was er hat. Mit der Zeit verlagerte sich sein Schwerpunkt immer mehr auf den Hackbrettbau. "Kannst du dir ja selbst denken. Gehst du, um Möbel zu kaufen, noch zum Schreiner? Die jungen Leute decken sich doch alle bei Ikea ein."


Seine Hackbretter haben ihn schon um die ganze Welt gebracht. Alles fing 1989 an, da fand in München das erste internationale Hackbrettfestival statt. Die Ursprünge des Hackbretts liegen vermutlich in Persien, man kennt es in vielen Teilen der Welt. Das Festival ermöglichte es Hackbrettbauern aus aller Welt, sich auszutauschen. So kam es, dass Fuchs schon in Peking unterrichtete, am Chinese Instruments Department des China Conservatory of Music. Dabei bemerkte er, dass die Hackbrettspieler mit ihren Bambusschlägern nicht nur gut spielen, sondern auch viel Wert auf die Präsentation legen. Die Kombination aus Technik und Ausdruck mache das Spiel in China besonders spannend.


"Jedes Hackbrett klingt anders, jedes ist einzigartig von Bauweise und Aussehen." Es gebe kein "gut" oder "schlecht". Fuchs demonstriert stolz ein Hackbrett in seiner Werkstatt. Es ist ein besonders großes Modell mit fünf anstatt wie üblich drei Oktaven. Ein normales Hackbrett besteht aus einem trapezförmigen Rahmen von etwa einem Meter Breite mit unterschiedlich langen Saiten. Sein Klang erinnert an ein Cembalo oder an eine Harfe.


1991 wurde sogar ein weltweiter Hackbrett-Verband gegründet, die Cimbalom World Association, seitdem treffen sich Hackbrettbauer alle zwei Jahre in verschiedenen Ländern. Fuchs war bei jedem Kongress dabei. Von Tschechien über China bis Mexiko und an vielen weiteren Orten. Was nie fehlen darf, ist sein Auftritt in traditioneller Schweizer Tracht. "Sieht auch gut aus", sagt er mit einem Augenzwinkern, "und du musst nicht überlegen, was du anziehst. Du hast die Tracht und fertig, keine Diskussion." Auch in der Schweiz tritt Fuchs regelmäßig auf, da er selbst gerne Hackbrett spielt. Er habe es 1975 bei Jakob Alder, einem bekannten Komponisten und Hackbrettspieler, gelernt. Anfang November ging es nach Südkorea, wo er als Vizepräsident des Hackbrett-Verbands am Kongress teilnahm.


"Ich habe keine Angst, dass Maschinen meinen Beruf übernehmen. Vielmehr macht mir Sorgen, dass der Beruf ausstirbt." In der Schweiz gebe es nur noch drei Hackbrettbauer, und er sei der jüngste unter ihnen. "Man kann diesen Beruf gar nicht mehr erlernen. In fünf Jahren geht vielleicht der letzte Hackbrettbauer in Pension", fügt er hinzu und schaut aus dem Fenster auf die Berge. Zwar hat er zwei Söhne, von denen einer auch Hackbrett spielt, doch beide haben andere Berufswege eingeschlagen. Fuchs zeigt auf die Maschinen: Fräsen, Pressen, Kehl- und Schleifmaschine. Ganz normale Maschinen. "Jeder Schreiner müsste eigentlich auch ein Hackbrett bauen können." Natürlich müsse man ein paar grundlegende Dinge wissen, aber im Prinzip sei es ein ganz normales Handwerk. Es beginne mit dem groben Zuschneiden des Materials, dann werde gefräst, geformt und geschliffen. "Natürlich, es braucht Erfahrung, aber diese muss man sich halt aneignen." Wichtig sei sein Vorrat an vorbereiteten Teilen. In einem vollgestopften Kämmerchen, das nur von einer Deckenlampe erhellt wird, lagern Saiten, vorgefertigte Schläger und Schrauben, die teils extra für ihn angefertigt wurden und 20 Franken das Stück kosten. "Hier siehst du das, was du nicht kaufen kannst. Das musst du dir über die Jahre aneignen."


Auf die Frage, wie viele Hackbretter er bereits gebaut hat, antwortet Fuchs: "Zwischen 500 und 700, schätze ich." Seine Kundschaft ist bunt gemischt: "Von 8 bis 80 Jahren, Frauen und Männer - das Hackbrett begeistert alle." Leider habe die Nachfrage nach neuen Hackbrettern abgenommen. Immer mehr griffen auf gebrauchte Instrumente zurück. Das liege vor allem daran, dass neue Hackbretter sehr teuer sind, mindestens 2500 Franken.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.02.2025, S. 30 - Seraina Hartmann, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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