Für die 850-Jahr-Feier Schwäbisch Gmünds replizierten Frauen den Krönungsmantel
Wir müssen alle völlig irre gewesen sein", sagt Ute Bundschuh, als sie den dunklen Museumsraum betritt. Sie war Gruppenleiterin in Schwäbisch Gmünd bei einem Projekt mit dem Ziel, eine Kopie des Krönungsmantels herzustellen. Der über drei Meter breite Mantel befindet sich heute im Museum im Prediger. Hier wurde damit begonnen, nach und nach die Reichsinsignien des Heiligen Römischen Reiches zu replizieren. Dazu zählen die Reichskrone, das Reichsschwert, die Krönungshandschuhe, der Reichsapfel und der Krönungsmantel. Inzwischen wurden bereits die Krone, das Schwert, der Apfel und der Mantel repliziert. Diese Stücke sind alle in der Schatzkammer im Museum im Prediger zu finden. Die originalen Stücke befinden sich in der Schatzkammer der Wiener Hofburg. Alles begann anlässlich der 850-Jahr-Feier der Stadt Schwäbisch Gmünd im Jahr 2012.
Ein Team, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern der Gewandmeisterei der Staufersaga, war bereit, den Krönungsmantel nachzuarbeiten. Zum Team gehörten Ute Bundschuh, Hildegard Bergander, Lucia-Kerstin Plischke, Antje Speer, Ingrid Rix, Ingrid Stury, Elisabeth Müller und Christa Jäger. In der Gewandmeisterei wurden ursprünglich die Gewänder für die Aufführungen der Staufersaga hergestellt. Bundschuh fungierte maßgeblich als Gruppenleiterin für die Stickgruppe des Mantels. Dabei konnte sie ihre Erfahrungen aus der Gruppe der Kapitelsquilter einbringen. Die Kapitelquilter waren in Schwäbisch Gmünd etwa zwanzig Jahre lang eine Interessengemeinschaft von Frauen, die sich dem Patchwork und Quilthandwerk verbunden fühlten und sich im Kapitelshaus am Münsterplatz trafen. "Ursprünglich war ich nur für die Applikation zuständig, aber danach musste es auch irgendwie weitergehen, und man hat jemanden gebraucht, der Perlensticken kann", berichtet Bundschuh. Applikationen sind Dekorationselemente, die auf Textilien aufgesetzt werden.
Die Mission lautete, eine Replik des Krönungsmantels anzufertigen, der schon bei der Krönung der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches getragen wurde. In den sieben Jahren, in denen Bundschuh einen großen Teil ihrer Zeit diesem Projekt widmete, durchlief sie sowohl im Privaten als auch während dieser Arbeit Höhen und Tiefen. "Es hat wirklich Zeiten gegeben, da habe ich gedacht, wir packen es nie", verrät die 66-Jährige. Der Mantel ist halbrund, reicht knapp bis zum Boden und besteht aus mit indischem Rotholz und Kermes rot gefärbter, geritzter Seide. Besonders machen den Mantel die Goldfäden und die mehr als 100.000 Perlen, die aufgestickt wurden. Finanziert werden konnte er durch Spenden und Sponsoren.
Inzwischen arbeitet Bundschuh an weiteren Reichsinsignien, an den Handschuhen, die sie bereits anfing, als der Mantel noch nicht einmal fertig war. Die Handschuhe hatten damals keine Priorität, doch für den Krönungsmantel gab es eine Deadline: Zur Eröffnung der Schatzkammer im Jahr 2019 im Prediger in Schwäbisch Gmünd musste er fertig werden. Bundschuh arbeitet jeden Tag eine Stunde ehrenamtlich an den Handschuhen, außer am Wochenende. "Es ist eine Leidenschaft", sagt sie. Sticken sei schon immer Teil ihres Lebens gewesen, genau wie Nähen. Der Ursprung dieser Passion findet sich in ihrer Jugend. Als 13-jähriges Mädchen mit einer Körpergröße von 1,76 Meter gingen ihr alle Hosen nur bis knapp oberhalb des Knöchels. Mit ihrem Geburtstagsgeld und einem Zuschuss ihrer Omas war es ihr möglich, einen Stoff zu kaufen und eine Hose zu nähen, die ihr wirklich passte. "Ich war so stolz auf mich. Und die Hose war kariert."
Rückblickend sagt sie über die Arbeit am Krönungsmantel: "Ich glaube, ich würde es wieder tun. Es war ein wirkliches Herzensprojekt. Man wächst da rein." Sie kommt auch heute noch immer wieder in den kaum belichteten Raum, um das Werk zu betrachten. In all den Jahren, in denen sie mit ihrer Gruppe Stück für Stück von Hand daran gearbeitet hat, sind Freundschaften entstanden. "Wir sind heute noch ein gutes Team und gute Freundinnen. Wir sind zusammengewachsen, und das finde ich als Mensch sogar noch wichtiger als das", sie zeigt auf den Mantel. Auf die Frage, inwiefern sie sich während der langanhaltenden Arbeit weiterentwickelt hat, wird sie nachdenklich. "Eine schwierige Frage. Es hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Ich konnte ein riesiges Projekt mit Freundinnen anfangen und zu Ende bringen, noch dazu ein außergewöhnliches. Es war eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt." Trotz einer schweren Krebs-Diagnose, die sie 2020 erhielt, beschloss Ute Bundschuh, nicht zu Hause sitzenzubleiben, bis ihre Krankheit sie einhole. Im Fernstudium hat sie den "Master Needle Worker" an der International School for Textile Arts in Medebach erfolgreich beendet, und gerade arbeitet sie am "Master Needle Artisan". Im Januar 2026 wird sie den Abschlussbrief bekommen. Diesen will sie um jeden Preis in ihren Händen halten.