Der Beruf des Bestatters ist krisensicher und dennoch im Wandel. Dominik Fink erzählt von Begegnungen.
Dominik Fink sitzt an einem Holztisch in einem Raum, der heller wirkt, als man es in einem Bestattungsinstitut erwarten würde. Auf einem Regal stehen Urnen, jede ein Unikat. Manche sind schlicht, andere ungewöhnlich oder künstlerisch bemalt. Tageslicht fällt durch die mit Kreuzen verzierten Fenster. Fink trägt Alltagskleidung: Jeanshemd, eine braune Hose und schwarze Sneaker. Der kurze Bart und die runde Brille verleihen dem 38 Jahre alten Vater von zwei kleinen Söhnen eine sympathische Ausstrahlung.
Seit fünf Generationen führt die Familie Fink ihr Unternehmen in Wiesbaden-Westend. Finks Urgroßvater kam vor mehr als 130 Jahren als Wandergeselle nach Wiesbaden, wo er Unterkunft bei der christlichen Kolping-Familie fand. Er eröffnete eine Schreinerei, auch für Bestattungen. Noch heute steht der Betrieb für christliche Werte. In ihn einzutreten, hatte Dominik Fink zunächst nicht in Erwägung gezogen. Er studierte Kunstgeschichte in Marburg und machte in Frankfurt einen Master in Curatorial Studies. Der Wunsch, eine Familie zu gründen, ließ ihn darüber nachdenken, ob er nicht doch im Familienbetrieb mitwirken möchte.
Die Aufgaben eines Bestatters haben sich gewandelt. Früher gaben feste Rituale den Rahmen vor, heute stehen die individuellen Wünsche der Verstorbenen und ihrer Angehörigen im Mittelpunkt. Fink beschreibt seine Rolle als eine Art Eventmanager, der sicherstellt, dass alles reibungslos abläuft. "Ich begleite die Trauerfeier, gehe meistens mit zum Grab und achte darauf, dass dort alles gut läuft." Er sieht viele Parallelen zu seinen erlernten Fähigkeiten in der Kunstwelt. "Für mich ist die Trauerfeier eine Ausstellungseröffnung. Alles muss zusammenkommen, alles zielt darauf ab." Er betrachtet die Urne oder den Sarg als das zentrale Ausstellungsstück, um das sich alles dreht. Die Planung im Vorfeld, die Anzeige in der Zeitung, die zu verschickenden Karten dienen dem Zweck, das Event zu gestalten. Die Trauerrede, die Musik und manchmal auch das richtige Licht - all diese Elemente müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, um eine schöne und würdige Trauerfeier zu ermöglichen. "Am Ende ist es wie ein Gesamtkunstwerk."
Ein wachsender Trend sind Feuerbestattungen. Eine Urne eröffne vielfältige Optionen, von See- bis zu Natur- und Diamantbestattung. Fink erinnert sich an eine Beisetzung, die einen Bestattungswald in eine Freiluftausstellung verwandelte. Zwischen den Bäumen hingen Fotos der Verstorbenen an Leinen und von ihr gemalte Bilder, die die Gäste mitnehmen durften. "Das war eine wunderschöne Idee, weil etwas Bleibendes geschaffen wurde."
Nicht alle Bestattungen laufen nach Plan. Einmal sei es zu einer überraschenden Begegnung mit der Natur gekommen. Eine Herde Wildschweine sei plötzlich aufgetaucht und nur einige Meter an der Trauergesellschaft vorbeigerannt. "Solche Ereignisse geben dem Abschied eine fast magische Atmosphäre." Ein anderes Mal beobachtete Fink Schmetterlinge, die mitten durch die Trauergesellschaft miteinander spielten - ein Augenblick, der in Erinnerung blieb.
Doch die Arbeit als Bestatter bedeutet auch emotionale Belastung. Fink spricht vom Glück, dass er mit seinem 66 Jahre alten Vater arbeitet. "Wir können uns austauschen, und es ist etwas anderes, solche Gespräche mit der eigenen Familie zu führen als mit einem Arbeitskollegen."
Manche Angehörige kehren nach Jahren zurück, um erneut Trost zu suchen oder über vergangene Momente zu plaudern. "Das Leben verändert sich, aber es bleibt lebenswert." Für die Zukunft wünscht sich Fink eine eigene Trauerhalle. Dafür möchte er die alte Werkstatt umwandeln. Es soll ein Raum sein, in dem Angehörige nicht nur Abschiede gestalten, sondern auch aktiv an Ritualen teilnehmen. Der Ort soll auch für Schulklassen offen sein. Und die Halle soll als Werkstatt dienen, in der Angehörige Urnen oder Särge selbst gestalten. Viele scheuen sich, über den Tod zu sprechen. Fink rät zu etwas Einfachem: "Fragen Sie Ihre Verwandten, was sie sich für ihre Bestattung wünschen." Ein solches Gespräch könne zuerst ungewohnt sein, doch es schaffe Klarheit und Nähe. "Es ist immer schön, etwas zu entscheiden, bei dem man sich sicher ist, dass die Richtung stimmt."