Der kommt immer wieder zurück

Bumerang-Weltmeister Alexander Opri tut es seinem Wurfgerät gleich. Für seinen Sport war er schon in aller Welt. Zu Hause ist er in Berlin.

Der Bumerangeffekt: England, Australien, Neuseeland, Saudi-Arabien und dann immer wieder zurück. "Das bringt einen wirklich um die Welt", erzählt der vierfache Bumerang-Weltmeister Alexander Opri. Seine dunklen Augen leuchten. An einem sonnigen Samstagnachmittag sitzt der Chirurg lässig am Wohnzimmertisch seines Hauses am Rande Berlins. Das T-Shirt mit Bumerang-Print verrät unmissverständlich, wofür der dunkelhaarige Sportler brennt.


Dass er einmal so weit kommt, hätte der vierzehnjährige Sprachreisende im Jahr 1992 nicht gedacht. Damals landete der gebürtige Berliner während eines Sprachcamps in Cambridge in einem Freizeitworkshop bei einem für ihn unbekannten Sport: dem Bumerangwerfen und -bauen. "Dann hab' ich einen Bumerang gebaut, dann zwei, dann drei, und dann hat es mich gecatcht." Zurück in Deutschland wird direkt der Stift in die Hand genommen, die Postkarte geschrieben und abgeschickt. 1992 der einzige Weg, Kontakt zum Deutschen Bumerang Club aufzunehmen. Dieser Verein besteht auch heute noch aus nur einigen Hundert Werferinnen und Werfern aller Altersstufen. Klubhäuser oder offizielle Trainingsplätze gibt es nicht. Jeder "Bumerangneugierige" werde herzlich in die Community aufgenommen. Die Antwort kam postwendend zurück, "und die hab' ich heute noch".


Seiner wachsenden Leidenschaft zu folgen, war für den heute Siebenundvierzigjährigen nicht schwer. Denn im Unterschied zu anderen Sportarten benötigt man nur sich selbst und ein Stück Holz. In der kontaktfreudigen Gemeinschaft "werden Freunde schnell zu Familie". Das wird beim Zusammentreffen der Spieler aus ganz Europa im Hause Opri verstärkt. "Wir bauen Bumerangs in meiner Werkstatt, und dann wird auch mal getauscht." Dabei können die verschiedensten Formen entstehen. Um aber zum perfekten Wurf zu gelangen, brauche es einiges mehr. Es sei ein Zusammenspiel aus Bau und Wurfkunst. Und mit einigen Tipps "macht man es dann beim nächsten Mal besser". Er kenne Werfer auf allen Kontinenten. Bei seinem sechsmonatigen Aufenthalt als Medizinstudent im Jahr 2005 in Australien und Neuseeland konnte er so ohne Probleme spontan bei jemandem einkehren. "Es ergab sich immer eine Übernachtungsmöglichkeit."


Ebenso wie die Gastfreundschaft ist auch die Geschichte des Bumerangs tief in der Tradition Australiens verankert. Opri erzählt, dass er den australischen Ureinwohnern als "überlebenswichtige Wurfkeule" diente, als essenzieller Bestandteil der Jagd. "Er war deren Ein und Alles. Wie ein Schweizer Taschenmesser. Sie haben es auch zum Graben benutzt, um Fleisch zu verzehren und um Pflanzen zu zerteilen." Durch seine asymmetrische, leicht geschwungene Form kann der Bumerang ideal den "Kopf eines Emus simulieren". So schleiche sich der leicht gebückte, mit Fell bedeckte Jäger mit einem über dem Kopf gehaltenen Bumerang langsam an die Emuherde heran und werde als ihresgleichen angesehen. "Im letzten Moment bringt er den Bumerang von der Senkrechten in die Waagerechte, wirft ihn wie ein Frisbee nach dem Tier und bricht ihm die Beine." Drei dieser 150 Jahre alten "Wurfkeulen" hängen bei dem Mann mit der athletischen Figur im Wohnzimmer. Inzwischen ist der Bumerang ein Sportgerät. Zahlreiche Muster, Formen und Materialien kann man bei Werfern verschiedener Nationalitäten entdecken. "Mittlerweile war ich auf allen Kontinenten außer Südamerika." Die Tücke ist und bleibt: extreme Wetterbedingungen wie Wind und Regen. Aufgrund der enormen Wurfweiten "gibt es meist keine Hallen, die groß genug sind". Es sei Fluch und Segen zugleich. "Es wird viel athletischer, du musst dich viel mehr bewegen, du musst viel schneller reagieren." David Schummy warf seinen Bumerang 2005 in Australien 427,2 Meter weit. Dieser Rekord stehe "tatsächlich als das am weitesten von Menschenhand geworfenen Objekt im Guinnessbuch der Rekorde".


Opris "Kernteam aus guten Freunden" bildete sich nach und nach in Deutschland. Mittlerweile ist sein nationales zu einem internationalen Team geworden, das die sechs Standarddisziplinen gemeinsam meistert: Accuracy, Fast Catch, Endurance, Trick Catch, Aussie Round und Maximum Time Aloft. Bei einigen Disziplinen stehe man im Team auf dem Feld, bei anderen sei man allein gefordert. Vom Trickfangen berichtet Opri besonders euphorisch. "Mit dem Fuß hochkicken und hinter dem Rücken auffangen" gehöre dazu. Ernster werde es beim Accuracy, dem Genauigkeitswerfen. In der Disziplin stellte Opri mit 99 von 100 möglichen Punkten 2007 den noch bestehenden Weltrekord auf. Hierbei muss der Bumerang am Schluss wieder möglichst nah am Abwurfpunkt landen.


Alexander Opri und sein Kernteam gewinnen 2004, 2006 und 2008 die Weltmeisterschaften in Frankreich, Japan und den USA. Den alleinigen WM-Titel erringt er 2010 in Italien. Dennoch ist er der Überzeugung, dass es "am Ende zwar Bewertungen gibt, aber man im Nachhinein immer noch eine nette Zeit miteinander verbringen möchte". Beim WM-Gewinn erhält der Sieger nur einen kleinen Pokal, kein Preisgeld. "Wozu auch, wenn man's gerne macht", meint er.


Es gibt auch ein Verletzungsrisiko. Bei Opri sei es trotz der "locker 60, 70, 80 Stundenkilometer" bisher nur zu blauen Flecken gekommen. Seine Begeisterung für den Sport scheint ansteckend zu sein. So erzählt sein vierzehnjähriger Sohn Florin von seinen Erfahrungen bei der Europameisterschaft 2025 in Köln: "Ich hatte mir so sehr gewünscht, auch mal mitzumachen, weil es einfach eine super Community ist." Nun freut sich der dreifache Vater mit seiner ganzen Familie auf das nächste Event: die Weltmeisterschaft im Sommer 2026 in Indonesien.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 19.01.2026, Nr. 15, S. 26 - Mila Miessen, Lara Saul, Goethe-Gymnasium, Berlin-Lichterfelde

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