Die Art der Vertonung

Die Keramikerin Sonja Duò-Meyer mag schlichte Tonkunst

In Wetzikon-Robenhausen im Zürcher Oberland ist es ruhig. An der Ausfahrt eines doppelstöckigen Hauses hängt ein Schild: "Sonja Duò-Meyer, Keramik". Der Arbeitsplatz im hinteren Teil des Hauses besteht aus zwei Räumen: Im kleineren stehen ein großer Einbrennofen und ein Gestell zur Lagerung von Kunstwerken, im anderen befindet sich das Atelier. Auf einem Tisch liegt ein Klumpen Ton. Große Säcke mit trockenem Ton lagern auf einem Regal. In der hinteren Ecke liegt auf einem kleinen Tisch alles Mögliche zur Bearbeitung von Porzellan und Ton, eine Drehscheibe, Werkzeug und eine Schürze. Auf dem Boden steht eine größere, elektrische Drehscheibe. Ein Regal bedeckt die gesamte Wand mit fertigen Werken. Tassen, Schüsseln, Töpfe, Vasen und verschiedenförmige Behälter. Die Nachmittagssonne taucht alles in ein mildes Gelb. "Ich arbeite nun schon fast 50 Jahre als Keramikkünstlerin", sagt Duò-Meyer. Sie hat schulterlanges, dunkelgraues Haar und trägt eine Brille mit runden Gläsern und dicken, schwarzen Rändern. "In meiner Freizeit gehe ich wandern, gärtnere oder besuche Museen und Jazzkonzerte. Zudem bin ich die glückliche Großmutter meines dreijährigen Enkels." Zur Welt kam sie 1953 in Basel, seit 1978 lebt und arbeitet sie in Wetzikon. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Mit 22 habe sie ihre Leidenschaft gefunden: die Keramik. Schon in ihrer Kindheit arbeitete sie gerne handwerklich, nähte Kleider und strickte viel. Mit 18 zog sie zu Hause aus. Zunächst absolvierte sie eine zweijährige Lehre, um auf dem Telefonamt zu arbeiten. 1975 besuchte sie dann im Allgäu einen Kurs "Form und Farbe" und entdeckte so ihre Passion. Wenige Jahre später kaufte sie mit einer Freundin ihren ersten Brennofen. Sie hat keine Ausbildung zur Töpferin gemacht. "Ich hatte keine Lust, noch eine Lehre zu machen. Ich wollte mir alles selbst beibringen." Sie gab Töpferkurse, arbeitete für Boutiquen und ging mit ihrer Kunst auf Einkaufsmessen. Nun arbeitet Duò-Meyer hauptberuflich als Keramikkünstlerin und erzielt ein bescheidenes Einkommen. Momentan arbeitet sie an einem großen Gefäß. Das stellt sie für einen Kunden in Paris her, für 3500 Franken.

Kleinere Gefäße kosten 500 Franken. Sie setzt zwei Techniken ein: das Arbeiten an der Drehscheibe und die Konstruktion durch Handaufbau. Bei Letzterem nimmt sie lange, dünne Tonwülste, schichtet sie aufeinander und verstreicht die Vertiefungen mit dem Finger. So kann sie riesige Vasen herstellen, was auf der Drehscheibe unmöglich wäre. Dabei müssen lange Pausen eingelegt werden, um das Material trocknen zu lassen. Eine große Vase mit einem Meter Höhe nimmt bis zu zwei Wochen in Anspruch. "Die Geschmeidigkeit dieses Materials, besonders des Porzellans, mag ich sehr, da auch jeder Eindruck und jede Bewegung nach dem Brennen zum Ausdruck kommen." Die fertigen Werke sind nicht perfekt abgeschliffen und fein glasiert, sondern haben eine raue Oberfläche. Die 72-Jährige

fertigt Vasen, Wanddekorationen und Geschirr. Die Gebrauchskeramik stellt sie an der Drehscheibe her. Zuerst legt sie einen Tonklotz mit ein bisschen Wasser auf die Scheibe und beginnt dann die jeweilige Form zu konstruieren. Dabei zieht sie den Ton in die Höhe, auseinander oder drückt ihn zusammen. "Anstatt wie ein Skulpteur seinen Stein abzubauen, bau' ich meine Gefäße und Skulpturen in den Raum hinein." Die meisten Tassen und gewisse Schalen glasiert sie, andere Küchengegenstände nicht. "Ich finde, die Glasur zerstört manchmal den Ausdruck, darum lasse ich sie lieber weg."


Hin und wieder bemalt sie ihre Arbeiten, aber immer schlicht, da der Fokus auf dem Material und der Form bleiben soll. "Das Töpferhandwerk ist zwar ein hartes Pflaster, mittlerweile habe ich mir aber eine schöne Stammkundschaft aufgebaut und kann ernten." Sie nahm am Swiss Design Market in Südkorea teil, war in den USA und wurde 2008 nach Tajimi, Japan, als "Artist in Residence" eingeladen. "Dieser Austausch war eines meiner Lieblingsprojekte." Sie musste einen Teil der japanischen Kultur in ihre Kunst einbauen und entschied sich für rote Elemente.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 24.11.2025, Nr. 273, S. 26 - Dorian Lenggenhager, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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