Axel Kuckuck sammelt seit 1986 Dosen und hängt sie zu Hause auf. Es sind schon mehr als 5500 Stück.
Gewaltige Dosenwände durchziehen den Flur und Partykeller des Hauses. Gut 5500 Getränkedosen aus mehr als 80 Ländern der Welt. Aufgehängt an einzelnen Seilen. Mit viel Liebe zum Detail nach Ländern und Größen geordnet. Zahlreiche Dosen aus den Jahren 1986 bis 2024. Bunte Farben und vielfältige Designs. Ein ungewöhnliches Hobby, ein
eindrucksvoller Anblick. Der Architekt Axel Kuckuck aus Bad Pyrmont liebt Dosen.
Angefangen hat die Leidenschaft 1986. Da war er zwölf Jahre alt, Dosenpfand gab es noch nicht. Außergewöhnliche Cherry-Cola-Dosen waren für den Jungen zu schön zum Wegwerfen, weshalb er sie auf seinem Schrank platzierte. "Da war Graffitikunst auf den Cola-Dosen, das war zu der Zeit ein sehr ungewöhnliches Design", sagt der Fünfzigjährige. Mit 13 Cola-Dosen nahm der Sammelwahn seinen Anfang. Weitere Dosen stapelten sich auf dem Schrank, auch aus anderen Ländern. Bald musste eine andere Methode gefunden werden, um die Dosen aufzubewahren. Seitdem hängt Kuckuck sie mit Seilen an die Wände, indem er in den Dosenboden ein Loch bohrt. Statt Bildern hängen nun eben Dosen an Kuckucks Wänden.
Einige Umzüge haben die Dosen mitgemacht. Zwischenzeitlich wanderten sie ins Treppenhaus eines Bürogebäudes, wo Kuckuck arbeitete. Sein Chef fand die Dosen damals ebenfalls dekorativ. "Da haben wir einen Balken unter der Decke befestigt und die Dosen etwa sieben Meter hoch aufgehängt. Das sah natürlich super aus." Nach einem Arbeitsplatzwechsel wanderten die Dosen 2003 an die Wände des Partykellers seines nächsten Zuhauses. Kuckuck setzte seine Sammelleidenschaft auch nach Einführung des Dosenpfands im selben Jahr fort und verlagerte seinen Schwerpunkt auf ausländische Dosen. "Das Dosenpfand besitzen bisher nur etwa 25 Prozent der aufgehängten Dosen." Für ihn sei es ärgerlich, das Pfand an die Wand zu hängen, da er letztlich nur "Abfall" an die Wände gehängt habe. Laut der Excel-Tabelle des Sammlers, die den Bestand dokumentiert, dominieren die deutschen Dosen mit einem Anteil von 48 Prozent. Es folgen die niederländischen (sechs Prozent) und die aus Österreich (fünf Prozent).
Auch den Urlaub verknüpft er mit seinem Hobby. "Manchmal erfolgt die Planung tatsächlich so, dass man in einem Dreiländereck Urlaub macht, wie etwa in der Lausitz. Da war man schnell in Polen und in Tschechien." Er kehrte mit Koffern voller Dosen zurück. Manche stammen aus der Ersteigerung einer Sammlung: 850 Dosen für einen Euro auf Ebay. "Dafür konnte man den weiten Weg, 360 Kilometer nach Chemnitz, auf sich nehmen." Beim dritten Umzug wurden die Dosen auch in den an den Keller angrenzenden Flur gehängt. Dort hängen sie heute noch. Die Sammlung wächst. Das liegt auch an den Dosen, die Freunde, Verwandte und Bekannte aus Urlauben mitbringen. "Ich habe eine Dose aus Spitzbergen von meinem Nachbarn bekommen und von einem Kollegen die Dose von der Sonnenfinsternis in Stuttgart, die genau für diesen besonderen Tag hergestellt wurde."
Für Kuckuck stehen Erinnerungen oder das Aussehen der Dosen im Vordergrund. "Eine Dose der Marke Buckler habe ich in Venedig auf der Abschlussklassenfahrt gekauft. Das Witzigste an der Geschichte ist, dass einer meiner Schulkollegen den Spitznamen 'Buckler' hatte. Dann musste ich die natürlich kaufen und mit ihm trinken." Eine andere besondere Dose ergatterte er durch Zufall. "Beim Fahrradfahren habe ich eine ganz alte Dose im Graben gefunden, die extra für die Fernsehserie 'Das Erbe der Guldenburgs' designt wurde."
Menschen, die die enormen Dosenwände zum ersten Mal sehen, kommentieren diese oft mit einem: "Wie geil ist das denn!" "Mir liegen eigentlich alle Dosen am Herzen", meint Kuckuck. Seine Lieblingsdose sei eine eher unscheinbare weiß-rote "Faxe"- Softgetränkdose. Er wisse selbst nicht so genau warum. "Besonders schön finde ich auch die ganz kleinen 'Flugzeugdosen', denn diese bekommt man selten, und sie nehmen wenig Platz weg." Seine Dosen hat er nicht nur nach Ländern, sondern auch nach Größe und alphabetisch nach Getränkenamen sortiert. Alle zwei Jahre sortiert er seine neuen Dosen ein, was dann einige Tage in Anspruch nehme. Inzwischen sind es 5542 Dosen, die die Wände dekorieren. Jede ausgestellte Dose findet sich nur einmal. Er habe sich eine Preisgrenze von etwa zwei Euro gesetzt, damit sich der finanzielle Aufwand im Rahmen halte. Allmählich reichen die 45 Quadratmeter großen Wandflächen nicht mehr aus. Seine Frau Daniela sei nicht sonderlich überzeugt, noch mehr Platz für die Dosen zu schaffen.
Dennoch betrachtet sie die Dosen als ein "interessantes Hobby und einen Hingucker". Beim Einkaufen hält sie immer nach neuen Dosen Ausschau. Trotzdem könne sie sich nicht vorstellen, Dosen als Dekoration für die Küche zu nutzen. "Für den Partykeller und den Flur ist es eine perfekte Wanddekoration", meint sie. Anfassen dürfe nur Axel Kuckuck selbst die Dosen. Um Beulen oder Kratzer zu vermeiden. "Ich weise die Familienmitglieder und sämtliche Partygäste darauf hin, dass sie doch bitte Rücksicht auf die Sammlung nehmen", betont er. Wenn die Zeit gekommen sei, wolle er die Sammlung an seine Kinder vererben oder an einen Dosenliebhaber verkaufen. Die Kinder, 18 und 20 Jahre alt, finden das Hobby interessant, das Erben dieser gigantischen Sammlung sei aufgrund des enormen Platzbedarfs kompliziert. Mehr als 800 Dosen, verpackt in Kellerkartons, sind doppelt.