Dort trifft man auf ein forsches Wesen

Eine junge slowenische Wissenschaftlerin am Zentrum für Wissenschaft und Forschung Koper

Unsere Bevölkerung wird immer älter, neurodegenerative Erkrankungen nehmen zu", sagt die kognitive Neurowissenschaftlerin Manca Peskar. Die Dreiunddreißigjährige erhielt mit zwei weiteren Forscherinnen im März 2025 die L'Oreal-Unesco-Auszeichnung "For Women in Science" in Slowenien, Peskar für ihre Arbeit mit Parkinson-Patienten. Sie erforscht, "wie das Gehirn Ganzkörperbewegungen steuert und wie diese Steuerung bei Patienten mit Gleichgewichtsstörungen, die ein erhöhtes Risiko für Stürze und damit verbundene Verletzungen haben, therapeutisch verbessert werden könnte".

 

Am Anfang ihrer Forscherkarriere war ein Cartoon. "Durch 'Dexters Labor' wurde meine Leidenschaft für Forschung und Wissenschaft geweckt." Ihre drei Jahre ältere Schwester und sie seien in der Primarstufe große Fans des kleinen Genies Dexter gewesen. "In unserer Gartenlaube haben wir dann auch ein verstecktes Labor eingerichtet. Meine Schwester hatte damals die Kawasaki-Krankheit und musste Tabletten nehmen, die Magnesium enthielten. Beim Experimentieren damit hatten wir wesentlich bessere Ergebnisse als vorher mit Petersilie. Wir wünschten nur, wir hätten noch mehr von den Pillen in die Luft gejagt, bevor unsere Eltern die Experimente stoppten." Ihre Schwester wurde Fotografin. "Während meiner Schulzeit wurden Mädchen meist ermutigt, gehorsam und fleißig zu sein, ohne ihre Risikobereitschaft oder den Wettbewerb zu fördern, wie es bei Jungs der Fall war. Wenn du dich dafür interessierst, mach es einfach!" Peskar wurde 1991 in Ljubljana geboren, wo sie auch ihre Schulzeit absolvierte. "Meine Eltern haben mich immer unterstützt, Bildung war für sie sehr wichtig. Wahrscheinlich, weil sie selbst keine Chancen dazu hatten." Nach dem Abitur habe sie sich nicht zwischen Biologie und Psychologie entscheiden können. "Ich habe dann vom Studienprogramm Biopsychologie an der Universität Primorska gehört. Hier wird untersucht, wie das Gehirn und verwandte Systeme unser Verhalten beeinflussen." Da habe sie gewusst, "das ist genau das, was ich machen will". Mit 18 Jahren zog sie nach Koper und machte ihren Bachelor- und 2017 ihren ersten Masterabschluss in Biopsychologie. "Doch je mehr du weißt, desto mehr stellst du fest, dass dein Wissen begrenzt ist." So begann Peskar ein Studium der kognitiven Neurowissenschaften in Maastricht und schloss es mit einem zweiten Master ab.

 

Seit 2020 forscht sie als "Young Researcher" am Zentrum für Wissenschaft und Forschung, dem ZRS Koper, im Fachbereich Kinesiologie. "Das ist die Wissenschaft der Bewegung, die die verschiedensten Bereiche des Alltags untersucht, um unsere Lebensqualität zu verbessern", erklärt Professor Rado Pisot. "Im Herzen bin ich Sportler", sagt der 62 Jahre alte, durchtrainiert wirkende Direktor. "Ich war Teil der nationalen Fußballszene, zunächst als Spieler und später als Ko-Trainer der Mannschaft von Olimpija Ljubljana. Wir haben als erster slowenischer Verein in der UEFA Champions League gespielt." Seine Frau war Mitglied der jugoslawischen Skinationalmannschaft. Sein Forschungszentrum sei seit 2017 eine eigenständige Einrichtung. "Wir widmen uns aber nicht einem bestimmten Forschungsbereich, sondern haben unterschiedliche Institute, die zu jeweils einem Schwerpunkt forschen. Wir sind in Slowenien zum Beispiel für ein Verfahren zur Analyse sicherer Lebensmittel zertifiziert und analysieren Olivenöl, auch für Tschechien und die Slowakei."

 

Das ZRS Koper ist ebenfalls in der Wissenschaftsförderung tätig und Partner des Kulturmagazins "Svetilnik", Leuchtturm, das seit 2008 Vorschulkindern an der slowenischen Küste kulturelle Themen näherbringt. "Außerdem haben wir eine monatliche Rubrik im Fernsehen mit dem Titel 'Valovi znanja', Wellen des Wissens", erklärt er. Und im "Young Researchers"-Projekt am ZRS Koper wird es dann wissenschaftlich. Im Forschungsprojekt "Twin Brain" konzentriert sich Manca Peskar "darauf zu verstehen, wie das Gehirn unsere Handlungen Millisekunden für Millisekunden steuert und überwacht - etwas, das wir weltweit in einzigartiger Weise erforschen". Dies tut sie parallel in einer Doktorarbeit an der TU Berlin, einem der Partnerinstitute des ZRS Koper, "das über mehr Erfahrung und technisches Equipment dazu verfügt. Berlin ist unglaublich lebendig, aber auch laut und eine Herausforderung. Slowenien hat weniger Einwohner als diese Stadt, aber es ist grün, die Wege sind kurz, hier kann ich besser durchatmen." Nach 13 Jahren fern ihrer Heimatstadt wohnt sie wieder in Ljubljana und ist glücklich darüber. "Ich arbeite zwei Tage in Koper und drei Tage von zu Hause aus."

 

Im Rahmen des Twin-Brain-Projekts arbeitet Peskar mit Parkinsonpatienten, deren Hirnströme sie unter natürlichen Bedingungen aufzeichnet und analysiert. "Die Teilnahme ist freiwillig. Jede Person ist anders, und mit der Zeit bildet man zu jeder eine besondere Beziehung. Viele sind oft traurig, da ihnen bewusst wurde, dass die Gesundheit nicht selbstverständlich und nicht von Dauer ist. Sie wünschen sich, aktiver am Leben teilzunehmen, sind aber oft physisch eingeschränkt." Sie habe keine eigene Familie. "Das macht es zwar einfacher, weil ich weniger Verpflichtungen habe, aber es ist auch schwieriger, weil ich weniger Unterstützung bekomme." Als Koordinatorin betreut sie seit Januar das Projekt "Neurodance", bei dem es um "die Linderung der Symptome und die Förderung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens von Parkinsonpatienten geht". Zu ihren weiteren Projekten gehört die Entwicklung eines "Brettspiels für ältere Menschen, damit sie mit ihren Familien spielerisch mehr Qualitätszeit verbringen können".

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.07.2025, S. 26 - Gaja Kejzar, Vika Viktorija Starman, Emma Pancevska Dakic, Mana Rampini Florjancic. Discimus Lab, Videm pri Ptjuju/Trzec

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