Ein einfaches Pflaster tut es manchmal nicht

Die Calçada portuguesa hat eine große Tradition. Der bekannteste Pflasterer Vitorino Silva erzählt.

Schön anzusehen, aber gefährlich beim Begehen - das ist die Calçada portuguesa, das portugiesische Pflaster, das aus kleinen gleichförmigen weißen Kalkstein- und schwarzen Basaltquadern besteht. Es ist typisch für Portugal, nicht nur in Lissabon. Was es so schön macht, ist die Vielzahl der mosaikartigen Muster, die sich mit den Quadern erstellen lassen und der Altstadt ihr unverwechselbares Aussehen verleihen. Was es so gefährlich macht, ist der Kalkstein, der bei Regen zu einer gefährlichen Rutschbahn werden kann.

 

Die Ursprünge dieser Pflastertechnik liegen in Persien. Über Mesopotamien, Griechenland und das Römische Reich kam sie auf die Iberische Halbinsel. In Lissabon findet sich die erste planmäßige Anwendung dieser Pflastertechnik um 1500 am Torre de Belém und am Hieronymuskloster, damals jedoch einfarbig nur mit Granitquadern. Nach dem Erdbeben von Lissabon 1755 wurden beim Wiederaufbau systematisch die kunstvollen Mosaikpflaster angelegt, auch um den Schutt des Erdbebens auf raffinierte Weise wiederzuverwenden. Die Calçada portuguesa in der heute bekannten schwarz-weißen Version entstand spätestens im Jahr 1842, als die erste schwarz-weiße Calçada von Häftlingen am Castelo de São Jorge in Lissabon gemacht wurde. Das damalige Mosaik war eine einfache Darstellung des Meeres, mit kleinen schwarzen, gleich großen Wellen auf hellem Grund. Schnell verbreitete sich die Idee durch die ganze Stadt, später nach Porto und in andere Städte und bis nach Übersee. Wer zum Beispiel in Rio de Janeiro an der Copacabana entlangläuft, schwebt über diese schwarz-weißen Wellen auf dem Gehwegpflaster. Gleichwohl drangen die Pflastermosaiken nie in die Dörfer oder Vororte der Städte vor.

 

Die meisten Portugiesen bekommen die ursprüngliche Variante der Calçada portuguesa, etwa aus dem Jahr 1500, zu Gesicht. Diese Steine sind billiger, größer und einfacher zu verlegen. So kostet ein Quadratmeter Granitquader nach Angabe eines Unternehmens, das diese verkauft, sechs Euro, während der Kalk und Basalt bei 42 Euro liegen. Die prachtvollen für Lissabon typischen schwarz-weißen Bodenmosaiken sieht man deswegen kaum in den Vororten Portos und den Dörfern des Nordens.

 

Dort trifft man auf die farblosen, grauen Granitquader, mit denen auch der Pflasterer Vitorino Silva seit mehr als 30 Jahren arbeitet. Der 54 Jahre alte, 1,80 Meter große Mann verändert sein Aussehen mitunter. Tritt er bei einer Wahlkampagne auf, trägt er keinen Bart, und seine Haare sind gekämmt. Doch bei seiner Arbeit als Pflasterer hat er oft einen leichten Bart und zerzauste Haare. Silva ist der bekannteste "calceteiro", also Pflasterer, in Porto, da er in den Jahren 2016 und 2021 Präsidentschaftskandidat war und bis 2023 Vorsitzender der von ihm im Jahr 2019 gegründeten Partei R.I.R. (Reagir, Incluir, Reciclar) - "rir" bedeutet auf Deutsch lachen. Jeder Bürger aus Porto kennt ihn als Tino de Rans, denn Tino ist in der Gemeinde Rans im Norden von Portugal geboren. Voller Stolz erzählt er: "Meine schönste Arbeit war etwas sehr Kleines und für viele Unscheinbares. Doch für mich war es eine Freude, eine Stufe in eine Rampe umzubauen, sodass Américo, ein Rollstuhlfahrer, dieses Hindernis überschreiten konnte." Für ihn seien solche kleinen Taten sehr wichtig, auch als er als Gemeinderatspräsident in Rans zwischen 1994 und 2002 tätig war. Heutzutage ist er nicht mehr in der Politik aktiv. Er arbeitet als "calceteiro" für die Stadtverwaltung Porto.

 

"Ich wollte Pflasterer werden, da ich sehr gerne reise. Bei einer Büroarbeit kann man nicht reisen. Als Pflasterer war ich schon in Kap Verde, in Trás-os-Montes, einer Region in Nordportugal, und seit fast 30 Jahren in Porto. Ich habe das Privileg, gleichzeitig eine Arbeit zu haben und Musiker zu sein. Wenn der Hammer auf den Stein schlägt, erzeugt er einen Klang, und jeder Stein ist anders. In der Partitur gib es ein C, ein D, ein E, ein F und so weiter, aber hier gibt es Noten, die noch nicht erfunden wurden. Wie ein Klavierspieler arbeite ich mit schwarzen und weißen Tasten, die ich mit meinem Hammer drücke." Dabei könne er sich sehr gut entspannen. "Während die Mehrzahl der Leute mit 50 schon Medikamente gegen den Stress nimmt, bin ich hier im Freien."

 

Immer wieder werden jedoch die traditionellen Pflasterwege von neuen, flachen Fußbodenplatten ersetzt. Als man vor gut zehn Jahren in Olhão an der Algarve die Calçada durch einfache Steinplatten zu ersetzen begann, berichtete die Zeitung "Folha de Domingo", dass einige dies als eine "Beleidigung für das Kulturerbe" empfanden, während andere es wegen der bei Regen großen Ausrutsch- und Sturzgefahr befürworteten. Ein anderes Beispiel ist die "Avenida dos Aliados", eine der zentralen Straßenzüge im Herzen Portos. Der politisch aktive Tino bedauert, dass bei deren Erneuerung die alten Kalk- und Basaltsteine nicht wiederbenutzt wurden. Er habe dann vorgeschlagen, die Quader den armen Gegenden von Porto zukommen zu lassen, doch dieser Vorschlag sei von der Stadtverwaltung abgelehnt worden.

 

"Ich arbeite mit jedem Stein. Ich mag den Kalk-, den Basalt-, den Granitstein. Alle haben etwas Besonderes. Wer mir diese dreifarbigen Legosteine gibt, das ist die Stadtverwaltung, und ich bin nur das ewige Kind, das mit ihnen spielt.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.06.2025, S. 30 - João Iken, Deutsche Schule zu Porto

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