Daniel Felix bringt Weinfelden vor die Kameralinse
Ich bin ein Fernsehmensch durch und durch", meint Daniel Felix. Seit 35 Jahren arbeitet er als Sendeleiter beim Schweizer Fernsehen. Im Sommer 2024 gründete er dann den "Online-Kanal", einen Lokalfernsehsender für Weinfelden, eine Kleinstadt im Kanton Thurgau und die Heimatstadt von Felix. Der 58-Jährige erfüllte sich damit einen langersehnten Traum. "Bei einem lokalen Sender kann man wirklich alles selbst machen. Also von den Ideen über die Inhalte bis hin zur ganzen Technik. Das hat mich schon immer fasziniert." Seine braunen Augen leuchten.
Das Schwierigste war, mit dem "Online-Kanal" anzufangen. "Es ist viel Arbeit, du weißt nicht, wie es ankommen wird." Nach der Anschaffung des Equipments aus eigener Tasche, dem ersten provisorischen Studioaufbau in einem Restaurant und einer Besichtigung des Studios durch eingeladene Leute sowie einem Inserat im "Weinfelder Anzeiger" kam das Projekt ins Rollen. Freunde, Bekannte und Interessierte, die durch den Zeitungsaufruf auf das Vorhaben aufmerksam wurden, meldeten sich, um Moderations- oder Technikaufgaben zu übernehmen. Seit September 2024 erscheint jeden Montag eine neue Sendung auf einer dafür eingerichteten Website: online-kanal.ch. Zusätzlich werden jeden Samstagnachmittag auf dem schweizweit empfangbaren Regionalsender "Tele D" die neuesten Beiträge publiziert.
Mit seiner freundlichen Ausstrahlung und dem markanten, breiten Gesicht wirkt Felix wie jemand, der weiß, wie man Menschen für Ideen begeistert. Sein Team besteht neben ihm und seiner Lebenspartnerin Alexandra Beck aus 16 Personen unterschiedlichen Alters. Die meisten hatten zuvor keinerlei Erfahrung mit Medien oder Fernsehtechnik. Für Felix ist das kein Nachteil. "Vielleicht macht es genau das aus, dass hier Leute aus ganz verschiedenen Bereichen zusammenkommen und ihre Sichtweise einbringen." Felix hat sein Team mit der Bedienung von Kamera, Licht und Ton vertraut gemacht und sie in den Auf- und Abbau des mobilen Studios eingeführt. "Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team." Alle arbeiten ehrenamtlich, ohne Bezahlung. Für die Beteiligten ist der "Online-Kanal" ein Hobby. Gleichwohl sollen zukünftig auch Sponsoren gewonnen werden, um das Projekt finanziell etwas abzustützen. Die Moderatoren werden vom Modehaus Grob im benachbarten Ort Bürglen eingekleidet. Als Gegenleistung erscheint während der Sendung eine Namenseinblendung des Geschäfts.
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des Kanals bislang auf Talk-Formaten. Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft rund um Weinfelden kommen ins Studio, berichten über aktuelle Themen, besondere Projekte oder ihre Leidenschaft. Persönlichkeiten wie Urs Brosi, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, der in Weinfelden wohnt, oder Valentin Stettler, Inhaber der überregional bekannten Stedy Gwürz AG, waren schon zu Gast. "Alles, was das nationale Fernsehen nie zeigen würde, bekommt hier eine Bühne."
Künftig sollen verstärkt Reportagen und Dokumentationen hinzukommen. Mit der Weinfelder Fasnacht und der "Schlaraffia", einer regionalen Genussmesse, wurden die ersten Ereignisse außerhalb des Studios dokumentiert. "Wir wollen häufiger rausgehen, Menschen und Betriebe porträtieren und Veranstaltungen begleiten. Vielleicht entsteht dabei sogar einmal ein kleiner Spielfilm", deutet Felix an.
In technischer Hinsicht ist der "Online-Kanal" beachtlich ausgestattet: Fünf Kameras, Regie, Grafik und Tontechnik ermöglichen professionelle Produktionen mit bis zu vier Gästen. Pro Sendung sind sechs bis sieben Personen im Einsatz. Felix schätzt Teamarbeit. "Bei uns geht es nicht ums Rationalisieren, sondern darum, gemeinsam gute Sendungen zu machen." Er selbst übernimmt meist die Regie, steht aber genauso gerne hinter der Kamera oder kümmert sich um den Ton.
Ein festes Studio gibt es bislang nicht. Jede Sendung wird mit einem mobilen Studio produziert, das an verschiedenen Orten aufgebaut wird. Das Equipment wird in rund sechs Stunden in Kulturlokalen, Eventräumen von Firmen oder Restaurants installiert. Dieser Aufwand bringt auch Vorteile: Die Beiträge erhalten eine frische Studiokulisse und zeigen jedes Mal eine andere Seite von Weinfelden. "Da die Talk-Formate in Aufbau und Schnittmuster immer ähnlich sind, sorgt die wechselnde Umgebung für die nötige Abwechslung", erklärt Felix. Trotzdem bleibe der logistische Aufwand hoch.
Der wöchentliche Aufwand für den "Online-Kanal" betrage für ihn zwischen eineinhalb und zwei Arbeitstagen. Beim Schweizer Fernsehen arbeitet Felix 60 Prozent zu unregelmäßigen Zeiten. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Darum habe ich viel Zeit, die ich investieren kann. Mir ist egal, wie lange es dauert. Der 'Online-Kanal' ist mein Herzensprojekt."
Dass ihm das Fernsehmachen im Blut liegt, ist kein Zufall. Daniel Felix ist der Sohn von Kurt Felix, einer der prägenden Figuren der Schweizer und deutschen Fernsehgeschichte. Kurt Felix wurde mit Formaten wie "Verstehen Sie Spaß?" zum Publikumsliebling und Fernsehpionier. Er erfand, moderierte und produzierte Unterhaltungssendungen, die über Jahrzehnte Millionen begeisterten. "Ich kenne das Fernsehen, seit ich drei Jahre alt war", erzählt Daniel Felix. "Mein Vater hat mich überall mitgenommen. Ich konnte sehr viel von ihm lernen." Die Arbeit seines Vaters hat ihn geprägt, auch wenn er sich bewusst für die Rolle hinter der Kamera entschieden hat. "Er war der Showman. Ich wollte der sein, der dafür sorgt, dass alles läuft." Den "Online-Kanal" fände sein Vater ein großartiges Projekt. "Er war schon immer fasziniert von lokalen Medienprojekten und hatte selbst die Idee, einen lokalen Radiosender zu starten." Zwar will Felix noch mehr Bekanntheit erlangen, doch wichtiger sind ihm die Qualität des Programms und die Rückmeldungen der Menschen. "Die Leute kommen auf mich zu und sagen, es sei toll, dass es so etwas in unserer Stadt gibt." Auf die Frage, wohin er mit dem "Online-Kanal" in Zukunft möchte, zuckt Felix mit den Schultern. "Langfristig weiß ich es nicht. Jetzt ist die Konsolidierungsphase. Ich bin für alle Wege offen."