Frauen sind doch sehr diplomatisch

Die brasilianische Vizekonsulin Marcela Braga war schon in vielen Ländern. Auch das schmerzhafte Abschiednehmen gehört dazu.

Es war Schicksal. Ich las eine Zeitung, die am Sonntag Stellenanzeigen hat, und da stand: 'Werde Diplomat, das Gehalt ist sehr gut.'" Marcela Braga, die bereits sieben Jahre lang als Sprachenlehrerin gearbeitet hatte, entschied sich für eine Diplomatenkarriere. Unter 100.000 Prüflingen gelang es der heute 47-Jährigen, zu den 115 Brasilianern zu gehören, die die Prüfungen bestanden. "Es gibt keine bestimmten Voraussetzungen, was du studiert haben solltest", sagt die Frau mit den dunklen, kurzen Haaren. Jeder könne sich für das Auswahlverfahren bewerben. Die erste Prüfung, im Multiple-Choice-Verfahren, eliminiere bereits 99,6 Prozent der Teilnehmer. "Wir, die bestanden hatten, sagten über uns, wir wären die 300 von Sparta, aus diesem alten Film." Als sie im Außenministerium anfing, war sie Drittsekretärin und habe im Protokollbereich in Brasília gearbeitet. Von 2011 bis 2014 war sie als Vizekonsulin in Tokio tätig. In den folgenden drei Jahren arbeitete sie als Zweitsekretärin für die Kultur- und Konsularabteilungen der brasilianischen Botschaft in Ljubljana. "Von 2017 bis 2019 war ich Leiterin der Abteilung für Handelsförderung in Hanoi." Dann war sie bis 2022 als Sonderberaterin im Präsidialamt tätig und von 2022 bis Mai 2025 als Vizekonsulin in Orlando. Gegenwärtig arbeitet sie in der brasilianischen Botschaft in Ottawa, Kanada. Für alle sei das angestrebte Ziel: Botschafterin. Braga hat zarte Gesichtszüge, helle Haut und dunkle Augen. Die Vorgesetzten bestimmen, wer befördert wird. Man versucht eine bestimmte Quote von Frauen zu bekommen: "Wir sind wenige. Wir sind nur 23 Prozent."

 

Außendienstkarrieren unterscheiden sich sehr von Land zu Land. Die Bewerber bekommen eine Liste mit den Möglichkeiten, und sie schreiben die Einsatzwünsche in der von ihnen bevorzugten Reihenfolge auf. "Ich habe vom Ministerium eine Liste mit vier Stellen bekommen, unter ihnen Ottawa, Paris (Generalkonsulat), Rabat und Lagos in Nigeria, und so sah meine bevorzugte Reihenfolge aus." Als Mutter wünschte sie sich, in einem Land mit öffentlichem Bildungssystem tätig zu sein, das dem ähnelt, das ihre Kinder in den USA hatten. "Es erleichtert ihre Anpassung. Wir Brasilianer sind nie verpflichtet, irgendwohin zu gehen. Uns ist es immer erlaubt, zurück nach Brasília zu gehen." Die maximale Dienstzeit für Diplomaten an einem Ort beträgt drei Jahre. "Mein Mann, ein Kanzleibeamter, kann bis zu fünf Jahre bleiben." Laut der neuen Gesetzgebung dürfen Paare zusammen umziehen. Früher musste bis in die Neunzigerjahre eine der beiden ihre Stelle für den Ehepartner aufgeben, "normalerweise die Frau".

 

Gern spricht Braga über ihren Aufenthalt in Japan. "Die japanische Kultur unterscheidet sich sehr von unserer. Ich musste lernen, sie zu genießen." Wenn sie zum Beispiel eilig in ein Geschäft hastete, um schnell noch etwas zu besorgen, wurde sie von der Verkäuferin stets ruhig und sorgfältig bedient. "Obwohl ich in Eile war, bewunderte ich die Hingabe der Frau, die dort einfach nur Produkte verkaufte."

 

Es gehe auch um die Rolle der Frau in der Gesellschaft. "Immer wenn ich in eine Sitzung ging, dachten alle, dass ich dort nur die Helferin und nicht die konsularische Autorität war." Viele wollten keine Visitenkarten mit ihr tauschen. "Mein Chef musste erklären, dass ich eine konsulare Autorität und brasilianische Diplomatin war." Oft leitete sie auch die Sitzung, je nach Thema. "Als typische Carioca rede und lache ich fast übertrieben laut, wie es in Rio de Janeiro üblich ist. Also musste ich sogar lernen, meinen Gesichts- und Körperausdruck zu mäßigen." Eine nicht zurückhaltende Frau in Japan sei nicht gut angesehen. Eine Anpassung an die Kultur sei ein Akt des Respekts gegenüber dem Gastland. "Wir müssen ein Beispiel geben. Den Namen deines Landes im Herzen zu tragen, ist auch sehr wichtig."

 

Unvergesslich für sie war ihre erste Teilnahme an einer internationalen Gipfelkonferenz mit den Präsidenten verschiedener Länder: "Ich dachte, wow, ich bin hier, und ich bin Zeuge der Geschichte." So war sie beim ersten lateinamerikanischen und karibischen Gipfel zu Integration und Entwicklung dabei, der 2008 in Bahia stattfand. "Ich war die Verbindungsdiplomatin für Barbados. Ich erinnere mich gut an Hugo Chávez und an Cristina Kirchner."

 

Für die Kommunikation sei Englisch für sie die angenehmste Sprache neben ihrer Muttersprache Portugiesisch. "Ich kann auch eine Unterhaltung auf Spanisch führen und in einfachem Japanisch." Als Ziel steht das Beherrschen von Französisch an, eine Sprache, die Braga schon lesen kann.

 

In ihrem Privatleben tauchen oft die Wörter "Heimweh" und "Sehnsucht" auf. "Es ist auch schmerzhaft, denn wir wissen, unsere Tage sind gezählt." So viele Freundschaften sie auch immer irgendwo schließe, die Freunde werden dort bleiben. Die mit dem häufigen Umziehen verbundenen Sorgen richten sich hauptsächlich auf die Kinder. "Kaum haben sie sich an die Schule gewöhnt, müssen wir sagen: 'Hey, jetzt gehen wir.'" Die Tochter geht in die fünfte, der Sohn in die zweite Klasse. Die Tochter wurde in Slowenien geboren und hat Slowenisch gelernt. Der Sohn kam in Österreich zur Welt.

 

Die Ernährung zu Hause versucht sie brasilianisch zu halten. Weißer Reis mit schwarzen Bohnen sei unersetzlich. Vietnam war da die größte Herausforderung. "Sie importieren keine Bohnen." Besucher aus Brasilien bringen dann ein "saquinho de feijão", ein Päckchen Bohnen, mit. Außer Haus probierte die Familie die lokalen Gerichte. Pho, eine vietnamesische Nudelsuppe, war besonders bei den Kleinen beliebt.

 

"Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es sich anfühlt, mein Land auf der Welt vertreten zu dürfen. Ich empfinde einen großen Stolz, der mein Herz erfüllt." Sprachen und Kulturen kennenzulernen, zählt zu ihren größten Interessen. Sie erinnert sich an die zehnjährige Marcela, die die Weltwunder kennenlernen wollte. Jugendlichen, die in Gedanken mit einer Karriere in der Diplomatie spielen, rät sie: "Wenn du keine Leidenschaft in dir hast, kein Wollen, dein Volk zu repräsentieren, irgendwohin zu gehen und zu sagen 'Ich bin hier im Namen meines Landes', dann lohnt es sich nicht."

 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.09.2025, S. 26 - Anna Ericksson, Deutsche Schule zu Porto

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