Ganz Porto kommt unter den Hammer

Beim Johannisfest machen die Portuenser die Nacht zum Tag

Die Johannisnacht ist eine besondere Nacht. Alljährlich am 23. Juni gehen die Einwohner Portos mit einem Plastikhammer und manchmal mit dem "Alho-porro", Knoblauch mit langem Stiel und großer Blüte, in der Hand auf die Straße, um "São João", den heiligen Johannes den Täufer, zu feiern. Die Festas de São João in Porto werden seit mehr als 700 Jahren gefeiert. Es gibt das Fest auch in anderen Ländern wie Italien und Spanien, doch dort wird es anders gefeiert.

 

"Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet", sagt Peter Kaps, ein 69 Jahre alter Deutscher, der seit 42 Jahren in Porto lebt. "Natürlich hatte ich von diesem Fest gehört, aber als ich zum ersten Mal São João hier in Porto feierte, wurde mir klar, dass diese Nacht wirklich nicht zu beschreiben ist." Kaps ist aus beruflichen Gründen nach Portugal gekommen, angezogen von den zahlreichen deutschen Firmen, die damals deutsche Fachkräfte suchten. Auch ein gewisser Sinn für Abenteuer spielte bei seiner Entscheidung eine Rolle.

 

Ana Pereira ist ebenfalls begeistert. Die 39 Jahre alte Lehrerin mit den langen braunen Haaren und dem ansteckenden Lächeln stammt aus Lissabon und lebt seit 15 Jahren in Porto. "In Lissabon feiern wir den Santo António, was sehr schön ist, aber das São João in Porto hat eine ganz besondere Energie. Die ganze Stadt verwandelt sich in ein riesiges Fest, und jeder, wirklich jeder, ist in Feierlaune. Der Moment, wenn die Ballons in den Himmel steigen, ist einfach magisch." Die Nacht ist lang, sie beginnt nach dem São-João-Abendessen. Die Restaurants sind voll, denn alle wollen gegrillte Sardinen essen, die etwa zehn Euro je Kilogramm kosten. Alles kommt auf den Tisch: gegrillte Schnitzel, die "Febras", gegrillte Paprikaschoten bis hin zu Caldo Verde, einer traditionellen portugiesischen Suppe. Wem das nicht gefällt, der bestellt Bifanas, Sandwiches mit mariniertem und gebratenem Schweinefleisch. Sie kosten etwa 4 Euro. Die Bifanas werden auch in den Straßen der Innenstadt verkauft, die von der einen zur anderen Seite mit bunten Girlanden geschmückt sind.

 

"Die Portugiesen sind in dieser Nacht so lustig wie das ganze Jahr über nicht", behauptet Kaps. "Alle machen Spaß, und keiner ist beleidigt." Rund 100.000 Menschen haben 2024 São João gefeiert. Man hört Lieder wie "São João, São João, São João, dá cá um balão para eu brincar" (São João, gib mir einen Ballon zum Spielen). Und man sieht, wie jeder den Plastikhammer oder den Alho-porro in der Hand hat, um den Leuten eins über den Kopf zu schlagen. Das Lustige daran ist, dass in dieser Nacht niemand daran Anstoß nimmt. Man sieht sogar Leute mit Hämmern, die Reihen bilden, um einen Spießrutenlauf zu formen.

 

"Ich erinnere mich noch an mein erstes São João", erzählt der 74 Jahre alte Jorge Matos. Der Portuenser mit dem kurzen, weißen Haar ist seit mehr als 60 Jahren jedes Jahr dabei. "Damals hatten wir nur den Alho-porro. Der Plastikhammer hat das Fest noch lebhafter gemacht." Dessen Nutzung begann um das Jahr 1963, nachdem er von dem Industriellen Manuel António Boaventura erfunden wurde. Ursprünglich sollte der Hammer als Spielzeug dienen. Die Idee kam Boaventura, als er auf einer Auslandsreise einen Salz- und Pfefferstreuer sah. Das Ensemble sah aus wie ein Blasebalg, zu dem er Pfeife und Griff hinzufügte. Zu jener Zeit suchten die Studenten nach einem lauten Spielzeug, um die "Queima das Fitas" zu feiern, und Boaventura schlug den Hammer vor. Der Erfolg war so groß, dass die Studenten ihn später auch beim São-João-Fest verwendeten. Die Bevölkerung wurde neugierig, so entstand die Tradition.

 

Die Plastikhämmer wurden zunächst aber nur von Kindern und Jugendlichen verwendet, während die Erwachsenen den Alho-porro benutzten. Damit wurden andere leicht auf den Kopf geschlagen. Die Geste hatte eine festliche Bedeutung und diente auch dazu, Menschen zu segnen. Mit der Zeit übernahmen dann die Erwachsenen die Plastikhämmer, die zum bekanntesten Symbol des Festes wurden. Es gibt Hämmer mit grünen Köpfen und rot-gelb gestreiften Handgriffen und komplett blaue Hämmer. Die größten Hämmer kosten fünf Euro, die mittleren 3,50 und die kleinen zwei Euro. Die Hämmer sind für die angenehme Atmosphäre verantwortlich. Jeder schlägt jedem damit auf den Kopf, und alle singen gemeinsam in die Nacht hinein.

 

Der dunkle Himmel ist mit orangen und gelben Punkten übersät, die von Tausenden von Ballons stammen. "Es ist gar nicht so einfach, einen Ballon zu starten", sagt Kaps, "jedoch lohnt es sich, da es die größte Freude ist zu sehen, dass der eigene Ballon es geschafft hat und Richtung Himmel schwebt." In der Woche vor São João werden die verschiedenfarbigen Papierballons in unterschiedlichen Größen für etwa drei Euro angeboten. Um den Ballon zu starten, zündet man den Brenner an der Basis an, der aus einer Mischung aus Wachs und Paraffin besteht. Die Luft im Ballon wird heiß, sodass er sich aufbläht und zu steigen beginnt. Wenn er zu schweben beginnt, lässt man ihn vorsichtig los. Er schwebt zwischen zehn und zwanzig Minuten in der Luft. Obwohl diese Tradition relativ neu ist, macht sie den Abend unvergesslich. Vor allem, wenn man den Himmel voller Ballons mit Blick auf die Ponte Dom Luís I über den Douro-Fluss sieht. Jedoch dürfen die Ballons nur zwischen 21.45 Uhr am 23. Juni und 1 Uhr am 24. Juni gestartet werden, da sie eine große Gefahr für die Luftfahrt darstellen können. Außerdem gibt es jedes Jahr in der São-João-Nacht ein Feuerwerk.

 

Schlendert man an diesem Abend durch die Straßen von Porto, trifft man auf die Bailaricos. Das sind lebhafte Feste unter freiem Himmel. Die Plätze sind mit bunten Girlanden geschmückt, auf denen zur traditionellen portugiesischen Musik getanzt wird. Unzählige Manjericos sind zu sehen, kleine Basilikumpflanzen in Töpfen, die zu dieser Zeit in fast allen Supermärkten für etwa zehn Euro verkauft werden. Die Manjericos sind mit Papierblumen und Fähnchen dekoriert, die Gedichte oder Liebesbotschaften enthalten. Sie werden traditionell als Zeichen für Liebe und Freundschaft verschenkt. Der Duft soll Glück bringen und böse Geister fernhalten.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.06.2025, S. 30 - Beatriz Escaleira, Deutsche Schule zu Porto

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