Im Kino lassen wir uns gehen

Und manchmal lässt man auch andere gehen. Marko Mandic, Sonja Prosenc und der slowenische Film

Mit Nina Hoss ritt er als Carl Böhmer für "Gold" durch den Wilden Westen. Als Joska Bodrov spielte er in "Im Angesicht des Verbrechens". Er war Der Tod in "O Beautiful Night" und Goran in der Actionkomödie "The Hitman's Bodyguard". "Ich möchte überall spielen, wo es interessante Rollen gibt", sagt der 1974 in Slovenj Gradec geborene Schauspieler Marko Mandic. "Ich stelle mir vor, dass ich einfach ein Körper bin, der auf das Spielen einer Rolle vorbereitet werden muss. Die Grenzen des Charakters werden während der Arbeit laufend erweitert, weil wir verschiedene Spielweisen und Emotionen ausprobieren." Dabei gebe es kaum eine Trennlinie zwischen seinem privaten und beruflichen Leben. "Ich habe es versucht", sagt der gut 1,80 Meter große, hagere Mann, der mit der Schauspielerin Pia Zemljic zwei Kinder hat. "Aber es ist einfacher für mich, wenn ich beide Seiten nicht strikt unterscheide. Denn auf eine Rolle bereite ich mich sowieso während des gesamten Tages vor." Er versuche dann sogar, bis zum Ende des Drehtags in der Rolle zu bleiben. "Ich trage das Kostüm und die Maske. Ich bin immer gerne dabei, wenn die Szene vorbereitet wird, damit ich weiß, wo sich alles befindet, wie die Kamera sich bewegen und wie die gesamte Szenerie aussehen wird." Trotzdem gebe es Überraschungen. "Bei 'Hitman's Bodyguard' musste ich mit nacktem Oberkörper spielen. Am Set angekommen, wurde mir gesagt: 'Oh, we thought you are bigger!' Meine Körpergröße war falsch eingeschätzt worden, und die Maske musste die fertigen, wunderschönen Tattoos zurechtschneiden." Er orientiere sich nicht an Erfolg - "weil das eine äußere Kategorie ist. Freude am Spiel und das Gefühl der Erfüllung sind mir am wichtigsten."

 

Schon in seiner Kindheit hätten ihm die Familie und die Schule in Velenje viel Freiraum für seine Kreativität gegeben. Zunächst wollte er Puppenspieler werden. "Das war die erste Form von Theater, die ich kennenlernte. Aber als ich herausfand, dass ich als Schauspieler meinen eigenen Körper manipulieren kann, war das alles, was ich wollte." Er war beharrlich, habe aber auch viel Glück gehabt. Etwa als er einen der nur zwölf Studienplätze im Jahr an der Akademie für Theater, Radio, Film und Fernsehen in Ljubljana erhielt, "was fast schon der Zugang zu einer professionellen Schauspielerkarriere ist". Während des Studiums spielte er 1996 im Stück "Der Indianer will zur Bronx". "Dadurch habe ich weitere Rollen erhalten und viele interessante Menschen getroffen." Eine Ausbildung am Lee Strasberg Theatre and Film Institute in New York kam hinzu. Seit 1998 ist er festes Mitglied im Ensemble des Nationaltheaters in Ljubljana, Teil der Theatergruppe Via Negativa, hat 105 Theaterrollen und in zahlreichen Filmen gespielt. Besonders dankbar ist Mandic dem Slowenischen Filmzentrum, das ihn 2007 für die Teilnahme an der Berlinale auswählte, wo er einen Shooting Star Award des Netzwerks European Film Promotion erhielt. Zu den Preisträgern gehörten auch Daniel Craig, Rachel Weisz, Franka Potente, Daniel Brühl und Nina Hoss. "Berlin öffnete mir die Tür zum deutschsprachigen Raum. Eines Tages würde ich gerne mit Lars Eidinger, dessen physisches Spiel ich bewundere, oder mit dem Regisseur Frank Castorf zusammenarbeiten." In die deutsche Sprache habe er sich während seiner Zeit in Berlin verliebt. Sprachkenntnisse seien für ihn wichtig, weil sie helfen, eine Rolle sachlich, logisch und aus verschiedenen Perspektiven zu erforschen. "In der Muttersprache sind wir viel schneller durch emotionale Untertöne gefangen." Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in Slowenien. 2024 hat er als bester männlicher Hauptdarsteller in dem Film "Odresitev za zacetnike" ("Familien Therapie") den höchsten slowenischen Filmpreis, einen Vesna Award, gewonnen.

 

"Den perfekten Schauspieler gibt es nicht, jeder hat Stärken und Schwächen", sagt Sonja Prosenc. "Aber Marko schafft Perfektionismus auf hohem Niveau." Prosenc, 1977 in Slovenj Gradec geboren, ist Autorin und Regisseurin des Films "Familien Therapie", in dem ein Fremder eine idyllische Familienblase zum Platzen bringt. Er wurde ebenfalls mit einem Vesna Award ausgezeichnet. In ihrer Kindheit hat sie viel Zeit mit Sport, Reisen und Literatur verbracht und sei Stück für Stück in das Filmbusiness hineingewachsen. "Ich hatte nie einen Plan B, denn es war das, was ich machen wollte." Heute arbeitet sie oft mit ihrem Partner, dem Kameramann Mitja Licen zusammen, ist Regisseurin einer TV-Serie und von zwei weiteren Spielfilmen, die sie auch produziert hat. "Drevo" ("Der Baum") von 2014, "Zgodovina ljubezni" ("Geschichte der Liebe") von 2018 und "Familien Therapie" wurden als slowenische Vorschläge für den Oscar ausgewählt, aber nicht nominiert. "Das ist fast schon Tradition, dass wir übersehen werden. Doch wir arbeiten nicht, um Preise zu gewinnen, sondern weil die Arbeit eng mit unserem Leben verbunden ist."

 

Gerade arbeitet sie an einem Film über drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, die sich zufällig begegnen. Schauspieler wie Mandic förderten das internationale Ansehen des slowenischen Films. "Marko ist großzügig, sehr kreativ und freundlich zu allen am Set. Wenn sie müde sind, gibt er ihnen Kraft und den Willen, ihre Vision umzusetzen." Mandic ergänzt: "Die Chemie mit Sonja hat sofort gestimmt. Sie hat mir geholfen, den Charakter meiner Rolle zu entfalten. Sie ist bei allem sehr präzise." Das gehe schon mal so weit, "dass eine Szene kurzfristig der Wettervorhersage angepasst werden muss, um den Zeitplan einhalten zu können", sagt Prosenc und lacht. Mandic ergänzt, dass immer die Möglichkeit bestehe, "dass wir uns in Monster verwandeln. Deshalb brauchen wir die Filmkunst, damit wir erfahren, wohin wir nicht gehen sollten, wie wir bessere Menschen werden können." Gerade Slowenien als kleines Land habe dabei große Chancen. "Wir sind authentisch, mutig und deshalb erfolgreich. So können wir auf das vertrauen, was uns besonders macht."

 

Prosenc sind die Emotionen wichtig, die sie beim Publikum wecken möchte. "Einmal kam ein Mann zu mir, dessen Frau zehn Jahre zuvor verstorben war. Aber erst als er 'Geschichte der Liebe' sah, konnte er sich von ihr innerlich verabschieden und sie gehen lassen."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.08.2025, S. 26 - Ema Holesek, Milenca Obrul, Zoja Klara Hrup, Masa Pusnik. Discimus Lab Videm pri Ptuju / Trzec

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