Masa Klavora engagiert sich in Friedensprojekten. Der Walk of Peace erinnert und ermahnt.
Wenn du an etwas glaubst, dann musst du damit auch immer weitermachen", sagt die 1980 geborene Slowenin Masa Klavora. Sie ist 1,75 Meter groß, athletisch, trägt eine schmale Brille und schulterlanges, grau-braunes Haar. Einst war sie Mitglied des slowenischen Leichtathletik-Teams und erfolgreiche 400-Meter-Läuferin. Auch heute ist sie noch sportlich aktiv, nach dem Tod ihres Partners als alleinerziehende Mutter eines dreizehnjährigen Sohnes besonders an wöchentlich festen Mutter-Sohn-Tagen. "Es hat vielleicht eine symbolische Bedeutung, dass mein Kind am 1. Mai geboren wurde", sagt sie schmunzelnd. "Als er größer war, habe ich ihm erklärt, wie wichtig es ist, dass wir uns um andere kümmern, und dass ich nur eine gute Mutter sein kann, wenn ich ein glücklicher Mensch bin, und deshalb auch meine beruflichen Ziele verfolgen muss." In ihrer Heimat ganz im Westen Sloweniens kümmert sie sich seit Jahren um Menschen, Kultur und Umwelt. Für etwa ein halbes Jahr war sie sogar kommissarisch parteilose Bürgermeisterin ihrer Gemeinde Tolmin. Vor allem aber ist sie seit Jahren treibende Kraft eines Projekts, das sich zurzeit über 500 Kilometer von den Alpen bis zur Adria erstreckt.
An einem regnerischen Tag im April steht Klavora gut gelaunt mit slowenischen und italienischen Partnern im Zentrum eines großen, hell gepflasterten Platzes, rund um eine im Boden verankerte Metallplatte. Eine eingravierte Linie markiert den Durchmesser, gut einen halben Meter lang. Sie teilt die Platte in zwei Hälften. Die eine gehört zur slowenischen Stadt Nova Gorica, die andere zum italienischen Gorizia. Bis 1991 verlief hier die zeitweise streng kontrollierte Staatsgrenze zwischen Italien und Jugoslawien, danach und bis 2004 zum unabhängigen Slowenien. Neben Chemnitz sind Nova Gorica und Gorizia 2025 unter dem Motto "Go! 2025 Borderless!" die erste grenzüberschreitende Europäische Kulturhauptstadt. Die Metallplatte markiert das Zentrum des Europaplatzes.
Schon vor zehn Jahren hatte Klavora an dieser Stelle gestanden und mit Mara Cernic, der damaligen Vizepräsidentin der italienischen Provinz Gorizia, und weiteren slowenischen und italienischen Mitstreitern die Verbindung zweier Projekte gefeiert, des slowenischen "Pot miru" und des italienischen "Sentiero della Pace" zum binationalen "Walk of Peace/WoP". Klavora ist seit 2018 Direktorin der slowenischen Stiftung "Weg des Friedens in der Soca-Region". Die Region gilt als Paradies für Wanderer, Rad- und Kajakfahrer, Angler, Paraglider sowie für Kultur- und Kulinarikbegeisterte. Der Weg des Friedens beginnt nördlich im slowenischen Triglav-Nationalpark und führt im Süden durch die italienische Region Friaul-Julisch Venetien, auch durch Duino, wo Rilke 1912 seine "Duineser Elegien" begann. Er endet in Triest an der Adria.
In der Soca-Region führt der Friedensweg durch Abschnitte, in denen der Berg Sabotin wie ein durchlöcherter Käse wirkt. Durchbrüche, große Eingänge zu Tunneln und Kavernen durchziehen den Karst. Der Weg führt vorbei an befestigten Gräben, betonierten Unterständen, Fundamenten und massigen Gebäuden, auch über den Damm einer Schmalspurbahn. Es sind Überreste des Ersten Weltkriegs, denn mit "Isonzo", dem italienischen Namen der Soca, verbinden sich zwölf brutale Schlachten zwischen 1915 und 1917, dem Königreich Italien auf der einen und Österreich-Ungarn mit dem verbündeten Deutschen Kaiserreich auf der anderen Seite. Bis zu eine Million Soldaten verloren ihr Leben, wurden verletzt oder kehrten nicht zu ihren Familien zurück. "Man sollte das Kobarid-Museum, Gedenkstätten wie die multikulturelle Kirche Javorca, die Freilichtmuseen, Beinhäuser, Soldatenfriedhöfe besuchen. Dann kann man verstehen, was für ein Glück es ist, dass wir in dieser paradiesischen Umgebung in friedlichen Zeiten leben", sagt Klavora. Der "Walk of Peace" sei auch in die Zukunft gerichtet, vor allem sei er keine Präsentation, die Wunden aufreißen oder neue schlagen möchte.
Das Projekt habe 1973 mit der Idee der Österreicher Walther und Gabriele Schaumann für einen Friedensweg längs der Frontlinien des Ersten Weltkriegs im österreichisch-italienischen Bereich begonnen und sei dann von Enthusiasten entlang der Frontlinien der Soca/Isonzo-Region aufgegriffen worden. "1990 wurde das Kobarid-Museum eröffnet, mit dem Ziel, das Wissen um den Ersten Weltkrieg auf slowenischem Gebiet zu bewahren", berichtet Klavora. Zdravko Likar sei der Vater dieses Projekts, einer der Gründer des Kobarid-Museums und 2000 auch der Stiftung "Friedensweg in der Soca-Region". Als Klavora 2001 Likar kennenlernte, "steckte er mich mit seinem Enthusiasmus an und gab mir gleich nach dem Abschluss meines Sportstudiums eine Anstellung in der Stiftung, obwohl ich keine studierte Historikerin war".
Seit 2007 ist Klavora für die Friedensweg-Stiftung in Slowenien aktiv. Das Ziel sei, "die Menschen aus ganz Europa für eine stärkere Zusammenarbeit zu gewinnen". Heute führt das Friedensprojekt von Jahr zu Jahr mehr Besucher aus der ganzen Welt an 30 Stationen und über 300 Gedenkstätten vorbei von den Alpen bis zur Adria. Es wurde in die slowenische Vorschlagsliste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Das eigentliche Ziel, an dem Klavora mit ihren Partnern arbeitet, sei aber längst nicht erreicht. "Ein Weg des Friedens entlang der Frontlinien des Ersten Weltkrieges, zwischen den Eckpunkten Frankreich, Ukraine und der Türkei." Wenn sie es in Slowenien und Italien geschafft hätten, in einem Friedensprojekt zusammenzuarbeiten, warum dann nicht auch im Rest der Welt? "Denn was uns einst trennte, ist das, was uns jetzt vereint."