Der Elétrico ist die historische Straßenbahn in Porto. Ein Fahrer berichtet.
Wenn ich keine Straßenbahn fahren würde, würde ich Traktor fahren", erklärt der 37 Jahre alte Nuno Miguel de Sevilha Alves, ein Guarda-Freio, Bremser, des Elétrico do Porto. Sein Job ist es, die elf Meter lange kastenförmige Straßenbahn durch die historische Zone von Porto zu lenken. Sie ist eines der ältesten elektrifizierten Verkehrssysteme Europas. 1885 wurde sie eingeweiht. Heute gehört sie zu den touristischen Highlights. Die Bahnen haben verschiedene Anstriche und Muster. Die klassische Variante ist hellbraun-gelblich gestrichen, andere Varianten haben portugiesische Azulejos. Das sind im 15. Jahrhundert entstandene quadratische, farbig bemalte und glasierte Keramikfliesen, die viele Bahnhöfe, Kirchen und Klöster schmücken. Das Innenleben des Elétrico besteht aus 30 braunen Sitzmöglichkeiten. Der Fahrer steht hinter einem einfachen Bedienpult mit wenigen Knöpfen, rechts neben dem Pult hat er ein großes Lenkrad. Der heutige Elétrico hängt im Gegensatz zu seinen Anfängen, als er von Pferden gezogen wurde, an einer Oberleitung mit Strom. Beim Fahren ruckelt es teils stark. Der Elétrico ist kein leises Fortbewegungsmittel.
Leider werde er immer weniger von den Einheimischen genutzt, meint der mittelgroße Bahnlenker. Es gebe nur noch drei Linien statt der 38 in den Fünfzigerjahren. Bus und Metro seien einfach komfortabler und schneller. Heutzutage sehe er fast nur Touristen, die die historische Bahn benutzten.
Es existieren nur noch die Linien 1, 18 und 22. Die 1 fährt vom historischen Zentrum am Fluss Douro entlang bis zum Campo Alegre, die Linie 18 erstreckt sich zwischen Massarelos und dem Passeio Alegre. Die Fahrt beider Linien dauere etwa 25 Minuten. Und es gibt die Linie 22, die in einem Kreis von den Carmo bis zu Batalha durch das historische Zentrum führt.
Eine Fahrt mit dem Elétrico koste für Erwachsene sechs Euro, deutlich mehr als mit dem Bus oder der Metro. Immer wieder passiere es, dass Leute als blinde Passagiere mitfahren, um nicht zu bezahlen oder um einen Kick zu erleben. Das seien die "Penduras", die "Hängenden", also Personen, die sich unerlaubt an der Außenseite des Elétrico festklammern und ein großes Risiko eingehen. Manchmal müsse Nuno sie warnen und die Polizei rufen. Diese gefährliche Praxis könne zu Geldstrafen von bis zu 350 Euro führen.
In Porto gibt es 20 Guarda-Freios, in dem Begriff stecken die Wörter für "Wächter" und "Bremser". Um ein solcher Guarda-Freio zu werden, musste Nuno einen Lkw-Führerschein haben und eine zweimonatige Ausbildung absolvieren, während derer er nicht nur den Elétrico fahren lernte, sondern auch lernen musste, die Probleme, die auftauchen könnten, zu lösen. Manchmal löst sich der Stromabnehmer von der Oberleitung. Dann muss Nuno mit einer langen Stange dafür sorgen, dass er wieder richtig einrastet. Ein anderes Mal gibt es Probleme mit den Bremsen, und es muss ein Mechaniker gerufen werden. Es passiere auch öfters, dass einer der Antriebe streikt und Nuno mit nur einem einzigen weiterfahren muss. Er verdiene nur kleines Geld, aber es reiche, um mit seiner Freundin in der Vorstadt Valongo zu leben. Er muss sechs Tage in der Woche um sieben Uhr aufstehen, um die Bahn vorzubereiten und sie bis 17 Uhr durch die Straßen von Porto zu fahren. Gleichwohl liebt Nuno seinen Job. Er war schon immer von großen Fahrzeugen begeistert. Obwohl er Busfahrer werden wollte, sagt er, dass er das lieber mache, denn sowohl der historische Waggon als auch die Streckenführung seien für ihn viel attraktiver.