Kühle Köpfe bewahren

Franz Mahler aus Berlin restauriert Metallstatuen

Die Luft in der Werkstatt ist dicht und staubig. Es riecht nach Metall, ähnlich wie Blut, und ein wenig wie in einer Räucherei. Der Geruch hat sich über die Jahre in die Wände gefressen. Dazu ertönt das Quietschen einer Fräse, ohrenbetäubend. Jetzt kann die Knochenarbeit beginnen. Der 39-jährige Franz Mahler aus Berlin-Weißensee hat einen neuen Auftrag. Das richtige Werkzeug, die richtigen Materialien und sowohl Feinfühligkeit als auch körperliche Kraft sind gefragt. Mahler ist groß, er trägt seine langen blonden Haare meist in einem Zopf. Und er ist Metallrestaurator. Laut Mahler gibt es in Deutschland schätzungsweise nur 50 Personen auf diesem Gebiet. Der Berliner ist einer davon und seit 2010 selbständig. 2005 setzte er sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr mit verschiedensten Materialien auseinander und kam zu dem Schluss, das Arbeiten mit Metall zu seinem Beruf zu machen. Nach einem Praktikum und drei Jahren Ausbildung absolvierte er ein vierjähriges Studium zum Metallrestaurator an der Fachhochschule in Potsdam.


"Nach 250 Jahren Wind und Wetter kann eine Statue schon mal Risse bekommen." Dann ist Mahler gefragt. Seine Kundschaft reicht von Privatpersonen über Denkmalbesitzer bis zu Stiftungen oder Museen. "Wichtig ist, erst mal zu analysieren, was für Mängel ein Werk hat", erzählt der Restaurator. Hat es Risse? Müssen Fehlstellen ergänzt werden? Oder braucht es eine neue Stützkonstruktion zur Stabilisierung? Je nach Größe kommt das Objekt in seine Werkstatt oder wird direkt vor Ort bearbeitet. Wichtig ist die Recherche nach vergleichbaren Objekten, um die Restaurierung möglichst originalgetreu durchführen zu können. Manchmal sei Improvisation gefragt, wenn sich nichts Passendes zur Orientierung findet. "Es braucht Mut zur Lücke", meint Mahler. Oft sei es gar nicht so einfach zu entscheiden, wie man das Objekt am besten ergänzt, ohne seine Geschichte zu verfälschen, falls nicht originalgetreu restauriert werden kann.


Und dann geht's los. Es fehlt nur noch ein wichtiger Bestandteil: dicke Kleidung, die vor herumfliegenden Metallsplittern oder Funken schützt. "Am besten eignet sich Baumwolle, da sie schwer entzündlich ist, denn so ein glühend heißes Metallstück kann eine Temperatur von weit über 1000 Grad erreichen." Dazu Ohren- und Augenschutz, Schutzschuhe und Atemschutz in Gestalt einer Staubmaske. Die Werkstatt ist 150 Quadratmeter groß. Überall liegen und stehen unterschiedlich große Werkzeuge und Maschinen. Mit einer Hebevorrichtung können schwere Metallfiguren angehoben und durch den hohen Raum befördert werden.

Das aktuell zu bearbeitende Projekt ist eine 250 Jahre alte Vase aus dem Schloss Sanssouci. Es handelt sich um Zinkguss, dementsprechend wird zum Schließen der Risse Zink verwendet. Das Klirren und Dröhnen lässt den Raum erbeben. Der Fräser kreischt, sobald er über das Metall fährt, und die Luft erfüllt sich mit dem hohen Ton, der über 96 Dezibel erreicht. Wenn der grobe Materialschliff getan ist, werden Schraubenzieher, Skalpell und Lötkolben zur Hand genommen. Beim Erhitzen des Zinks breitet sich ein süßlicher Duft aus, der sehr gesundheitsschädlich sein kann. Der Schweißbrenner zischt, während Mahler konzentriert den feinen Metallstab aufträgt, der unter der Hitze schmilzt und in den Riss fließt. "Das ist das Rendezvous mit der Unendlichkeit." So nennt er das Restaurieren. Die einzigartigen Objekte, mit denen er zu tun hat, erzählen alle eine eigene Geschichte. Bei bekannten Werken wie bei der Pietà von Käthe Kollwitz in der Neuen Wache oder bei einem Stück der alten Grenzüberwachung der Berliner Mauerspur, die die Grenze zwischen Treptow und Kreuzberg bildet, hat der Restaurator seine Spuren hinterlassen. "Es stellt sich eine Verbindung zu den Wurzeln her, wo wir herkommen und wo wir vielleicht auch hinwollen."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. April 2025, Nr. 93, S. 30 - Ilse Krägenow, Marie-Curie-Gymnasium, Hohen Neuendorf

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