Ein Stück Schweizer Tradition - wie der Donnschtig-Jass die Nation jede Woche vereint
Die Schweizer Kultsendung "Donnschtig-Jass" ist mit mehr als 400.000 Livezuschauern die meistgesehene Unterhaltungssendung im Sommerprogramm des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF). Das Event wird immer donnerstags in der deutschsprachigen Schweiz ausgetragen. Es ist ein bunter Mix aus Spiel, Wettbewerb, Volks- und Schlagermusik, bei dem sich so gut wie alles um das Kartenspiel "Jassen" dreht. Es gibt sieben Livesendungen an sieben Orten, meist auf schönen Dorfplätzen, wo es mit dem verbundenen Volksfest zwischen 2000 und 3000 Zuschauer vor Ort anzieht.
Den "Donnschtig-Jass" gibt es seit 2014. Inzwischen führt der fünfundfünfzigjährige Moderator Rainer Maria Salzgeber durch die Show. Der leicht ergraute, groß gewachsene ehemalige Erstliga-Torwart lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern im Kanton Zürich. "Meine Karriere und Leidenschaft für die Arbeit in der Öffentlichkeit begann im Nebenjob während meines Studiums bei einem neu aufgekommenen Oberwalliser Lokalradiosender", sagt Salzgeber. Die Leidenschaft des gebürtigen Oberwallisers galt dem Sportjournalismus. "Für meine Passion schickte ich eine Blindbewerbung an das SRF." Aufgrund seiner Hartnäckigkeit wurde er nach einigen Telefonaten und Vertröstungen schließlich zum Gespräch eingeladen. Endlich konnte er sich präsentieren - und wurde eingestellt. Seit 1994 arbeitet er beim SRF als Sportjournalist und Sportmoderator. Als man dort für den "Donnschtig-Jass" einen neuen Moderator suchte, bewarb er sich. Er werde die Sendung noch so lange moderieren, "wie es ihm Spaß macht und die Fans und sein Chef mit ihm zufrieden sind".
In der Show jassen zwei Gemeinden um den Sieg und damit um den Austragungsort der Sendung in der Folgewoche. Es spielen jeweils vier von den Gemeinden auserkorene Bürger, darunter öfters Jugendliche, die ihr Glück gegen die älteren Spieler versuchen. Ein Spieler spielt über das Telefon mit. Der Druck ist hoch, denn die laut Salzgeber "sehr harte Jass Community" verzeiht selten Fehler. Das Jassen hat seinen Ursprung in den Niederlanden, kam durch protestantische Söldner vor 1800 in die Schweiz. Erstmals schriftlich erwähnt wurde es 1796 in Schaffhausen: Zwei Pfarrer verklagten zwei Bauern, die "um ein Glas Wein" spielten, mit einem Spiel, "welches man das Jassen nenne". Dies belegen verschiedene Quellen. Populär wurde es im 19. Jahrhundert. Mittlerweile ist es ein wichtiger Bestandteil der Volkskultur. "Beim Jassen geht es darum, taktisch zu spielen, seine Punkte nach Hause zu holen, während man gleichzeitig versucht, den Gegnern einen reinzugrätschen. Die Kunst besteht darin, das angesagte Resultat so genau wie möglich zu erreichen, nachdem man die Karten für nur 30 Sekunden betrachtet hat. Es erfordert viel Geschick und Strategie", betont der Moderator.
Zwischen jedem Durchgang gibt es Show Acts. Zu jeder Sendung werden Gäste eingeladen wie der ehemalige DSDS-Gewinner Luca Hänni oder die Skilegende Tina Weirather, die über sich und ihren Werdegang berichten. Außerdem müssen sie den "Hau den Lukas" schlagen. "Die Skala enthält die verschiedenen Farben der Jasskarten. Speziell ist, dass auf der linken Seite die Farben der deutsch-schweizerischen Karten enthalten sind und auf der rechten die der französischen." Gespielt werde abwechselnd mit deutsch-schweizerischen und französischen Jasskarten. "Das Spiel ist keine Frage von Kraft, sondern von Technik, außerdem spielt es keine Rolle, wie hoch man den Pfeil schlägt." Die bei dem "Hau den Lukas" erzielte Farbe bestimme, was "Trumpf" ist.
Diese Sendung macht Salzgeber besonders viel Spaß. "Es ist eine Livesendung, du erlebst die Magie des Moments. Alle Aspekte sind enthalten, es geht einmal quer durchs Fernsehhandwerk. Besser kann es einen nicht treffen." Sein schönstes Erlebnis sei 2019 gewesen. "Am 15. August, der letzten Sendung des Jahres, feierte ich zusammen mit über 5000 Livezuschauern meinen Geburtstag. Nach der Show festeten wir mit der ganzen Crew bei einem schönen Raclette-Abend weiter." Natürlich lief nicht immer alles rund. "Im Jahr 2020, in Bassersdorf, war die Band Hecht zu Gast. Während eines Show Acts trat sie mit Playback auf, doch aufgrund von Tonproblemen verpassten sie ihren Einsatz und bemerkten dies zuerst nicht einmal. Nach kurzer Unterbrechung und kleinem Schmunzler für die Zuschauer konnte die Band zum Glück doch noch auftreten."
Die Brudersendung ist der "Samschtig-Jass". Sie wird immer samstags ausgestrahlt, und das schon seit 1968. Das macht sie zur ältesten noch ausgestrahlten Unterhaltungssendung Europas. Erfunden wurde sie von Kurt Felix, der sie bis 1969 moderierte. Salzgeber war großer Fan: "Als kleiner Junge schaute ich immer gespannt und voller Enthusiasmus zu, jeweils um sieben nach der Sportschau."