Die Schweizer Regisseurin Caterina Mona kam auf Umwegen zum Film. "Man kann eigentlich nur Fehler machen", sagt sie.
Klappe zu und ... Action! Ihre Kamera ist nicht nur ein Werkzeug, sie ist das Tor zu einer anderen Welt. Und ihre Filme schildern nicht nur Erzählungen. Sie lassen uns fühlen und nachdenken. "Ich stehle sehr viel. Das ist das A und O", gibt Caterina Mona lachend zu. Die Zweiundfünfzigjährige ist Filmregisseurin. Nachdem sie für den Schnitt mehrerer Dokumentar- und Spielfilme verantwortlich war, veröffentlichte sie 2015 ihren ersten Kurzfilm, und 2022 erschien ihr Spielfilm "Semret". "Ich hatte nicht von klein auf den Traum, Filme zu machen. Sie waren zwar schon immer eine Leidenschaft, aber ich ging davon aus, sie seien nur ein Hobby." Von ihrem anfänglichen Berufswunsch Anwältin verabschiedete sich Mona schnell. An der Universität Zürich begann sie 1995 ein Englischstudium, obwohl sie es nach zwei Jahren abbrach, trug es zu ihrer beruflichen Laufbahn bei. "Meine Professorin, Elisabeth Bronfen, war sehr nah am Film. Wir lernten viel über Literatur- und Filmanalyse. So wurde mir mein Berufswunsch immer klarer, und ich fand langsam meinen Weg."
"Ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Filme." Mit dem Zeigefinger zwirbelt Mona in ihren rötlichen kurzen Locken, sie trägt einen knallig blauen Pullover. Bereits im Gymnasium war sie Mitglied im Filmklub. "Nach der Schule fuhr ich häufig nach Zürich, um ins Kino zu gehen. Ich habe viele Filme geschaut, aber mir war aus unerklärlichen Gründen nicht bewusst, dass man selbst Filme machen könnte." Das lernte sie nach Abbruch ihres Englischstudiums. In diversen Praktika auf Filmsets eignete sie sich Wissen an. Alles Weitere lernte sie am Institut National Supérieur des Arts du Spectacle (INSAS) in Brüssel, wo sie von 1998 bis 2001 Filmschnitt und Skript-Supervision studierte.
Beim Schnitt gehe es darum, einen Film zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. "Man macht sehr viel Analyse, lernt mehr über die Dramaturgie und wie ein Film aufgebaut ist." Der Skript-Supervisor sitzt neben der Regie und ist dafür verantwortlich, dass ein Film korrekt geschnitten wird. "Heute filmen wir bei Regen. In zwei Wochen drehen wir weiter, und die Darsteller betreten ein Haus. Das klingt sehr banal, aber man muss die Details beachten: Die Jacke muss nass sein und die Haare leicht angefeuchtet." Darauf achtet der Skript-Supervisor. "Man kann eigentlich nur Fehler machen."
"Der Anfang war schwierig. Man muss es wirklich wollen", sagt die zweifache Mutter. "Das Schneiden ist eine kreative und intellektuelle Arbeit, aber es ist enorm energieraubend, und schließlich bleibt es immer der Film von jemand anderem. Ich hatte eigene Geschichten im Kopf, und ich kam an den Punkt, an dem ich wollte, dass sie lebendig werden."
Woher aber kommen ihre Ideen? "Ich nehme mir vieles von anderen." Doch sie beraubt keine Personen, sondern sie macht sich ihre alltäglichen Erlebnisse zunutze. "Wenn ich im Zug sitze, höre ich keine Musik. Ich lausche den Gesprächen anderer. Auf diese Weise lernt man unglaublich viel über Menschen. Wie sie sitzen, wie sie atmen, wie sie sprechen, und genau das kann der Anfang einer Geschichte sein." Bei der Themenauswahl sei sie jedoch radikal. "Ich will an einem Projekt arbeiten, das eine Bedeutung hat, es muss nötig sein."
Das Drehbuch schreibe sich nicht über Nacht, das dauere mehrere Jahre. Es beinhalte lange Recherchen, Interviews führen, Material sammeln. Ihre hellblauen Augen funkeln im Sonnenlicht. "Es entstehen Figuren in meinen Gedanken, und ich beginne, sie mir vorzustellen. Mein Mann scherzt manchmal, ich spiele ein bisschen Gott. Passiert das eine oder das andere? In der Phantasie kann man sehr weit gehen."
Der Dreh des Films "Semret" habe nur wenige Wochen gedauert. "Das war etwas vom Schönsten, was ich je erleben durfte. Wir waren sehr gut finanziert und hatten ein phantastisches Team." Mona konnte den Film 2022 auf dem Locarno Film Festival präsentieren, vor über 5000 Menschen. Anschließend lief er in den Schweizer Kinos und wurde international auf einigen Filmfestivals vorgeführt. "Semret" handele von einer alleinerziehenden Mutter, die aus Eritrea flüchtete und sich ihrer schmerzhaften Vergangenheit stellen muss, als ihre Teenager-Tochter mehr über ihre Herkunft erfahren will.
Um den Stress zu bewältigen, unternimmt Mona meist etwas, das ihr guttut: von Meditieren, Nähen, Freunde in Zürich treffen bis zur Arbeit im Gemüsebeet. Ihre Mutter hatte einen großen Einfluss auf sie. Tiziana Mona war 1969 die erste Frau in Europa, die eine Nachrichtensendung leitete. Doch ihre Mutter war kein Vorbild für sie. "Ich wollte nicht so sein wie sie. Ich habe von ihr gelernt, dass man als Frau alles erreichen kann, aber wir haben für ihre Karriere bezahlt. Ihre Priorität war die Arbeit, nicht ihre Familie. Das hat mich stark beeinflusst. Eine Karriere war mir wichtig, doch noch wichtiger ist mir meine Familie.
Ich verbringe viel Zeit mit meinen 15 und 17 Jahre alten Kindern und meinem Mann. Sie sind das Wichtigste in meinem Leben." Ihr Job erfordert viel Flexibilität. "Ohne einen verständnisvollen Partner könnte ich mich niemals als Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Editorin verwirklichen." Was die Zukunft für Mona bereithält, will sie gar nicht wissen. "Ich bin auf einem Weg, und diesen gehe ich. Wo genau ich landen werde, weiß ich erst, wenn ich dort bin."