Marcus Berehulak war als Wasserballer bei den Olympischen Spielen in Paris.
Drei Minuten vor Spielende balanciert Marcus Berehulak den Ball in der Hand und muss eine Entscheidung treffen. Ungarn liegt mit einem Tor in Führung, die Schussuhr tickt. Nur noch wenige Sekunden, bevor das australische Team den Ball übergeben muss. Als Verteidiger bekommt Berehulak kaum Möglichkeiten, Tore zu schießen. Jetzt zögert er nicht. Er wirft den Ball in die linke untere Ecke und gleicht zum 8:8 aus. "In den 30 Sekunden nach meinem Treffer habe ich mich so ekstatisch wie noch nie gefühlt." Dieser Moment bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris war der Höhepunkt einer Reise, die von harter Arbeit, Disziplin und Resilienz geprägt war. Berehulak, ein muskulöser Athlet mit lockigen blonden Haaren, wuchs in Brisbane auf. Dort entdeckte er früh seine Liebe zum Sport. Etwas liebt er besonders: das Wasser. Bald begann er in Wettbewerben auf hohem Niveau zu schwimmen. "Mein Vater spielte in seiner Freizeit Wasserball mit Freunden, ich nahm an einigen seiner Trainings teil." Der 21-Jährige beschreibt seinen Sport als eine Art Handball im Wasser, aber physisch ähnlich hart wie Rugby. Jede Mannschaft hat sieben Spieler und 30 Sekunden Zeit, um ein Tor zu erzielen. Dann wechselt der Ballbesitz. Berehulaks Körpergröße von 2,01 Metern und seine Spannweite von 2,15 Metern sind von großem Vorteil.
Für viele Teenager ist die Sekundarschule an sich bereits eine Herausforderung. Für Berehulak war es das noch viel mehr. "Von der zehnten bis zur zwölften Klasse habe ich wahrscheinlich 20 bis 25 Stunden pro Woche trainiert." Sein entspanntes Auftreten zeigt nicht, wie viel Disziplin hinter seinem Erfolg steckt. "Es waren viele späte Nächte, viele frühe Morgen, und es brauchte jede Menge Planung." Sein Tag begann oft vor Sonnenaufgang, als seine Eltern ihn zum Schwimmbad fuhren. Die Hausaufgaben wurden in den kurzen Trainingspausen oder spätabends erledigt. Er ist seinen Eltern dankbar. "Sie waren auch meine besten Freunde. Es gab definitiv Momente, in denen ich dachte: Ich weiß nicht, ob ich so weitermachen kann." Gegen Ende der elften Klasse begegnete er Olympiasportlern. "Sie haben mich motiviert, die beste Version von mir als Wasserballspieler zu entdecken und das zu werden, was ich heute bin." Trotz eines attraktiven Angebots, ein US-Sportcollege zu besuchen, entschied er sich, in Australien zu bleiben und sich auf sein größtes Ziel zu konzentrieren: die Qualifikation für die australische Nationalmannschaft. 2022 kam er ins Nationalteam. Schon als Neunjähriger habe er davon geträumt, Australien bei den Olympischen Spielen zu vertreten. "Ich war am Flughafen und wollte nach Kroatien fliegen, als der Anruf kam. Ich hüpfte auf und ab, als ich die Nachricht erhielt, dass ich es ins Olympische Team geschafft habe. Ich war so stolz wie noch nie zuvor in meinem Leben." Bei den Olympischen Spielen in Paris besiegte das australische Team einige der besten Mannschaften der Welt, darunter Titelverteidiger Serbien. Der herausragende Moment kam gegen Ungarn, als Berehulak sein erstes Tor schoss. Australien belegte am Ende den achten Platz.
Erst Anfang 2024 habe er gespürt, dass er mit Wasserball eine internationale Karriere anstreben kann. "Im Februar, nach den Weltmeisterschaften in Doha, meldete sich ein Team bei mir. Nur einige wenige Spitzenspieler verdienen genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten." Er zog nach Kroatien, um für einen der besten europäischen Klubs zu spielen: VK Jadran Split. Die Sprache sei herausfordernd und die Distanz zu Familie und Freunden. Er möchte noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen und eines Tages eine Medaille für Australien gewinnen.