Im Sommer zieht Titti mit einem Café auf ihrem Eiland Långholmen Gäste an.
Auf einer kleinen, felsigen und dicht bewaldeten Insel, umgeben von anderen Inseln, befindet sich ein einzelnes typisch schwedisches rotes Holzhaus. Die Insel heißt Långholmen, und das Haus ist das Inselcafé der 49-jährigen Christin Sylvander, die von allen Titti genannt wird. Långholmen kann in der Breite an den meisten Stellen in weniger als fünf Minuten überquert werden, für die gesamte Länge benötigt man zu Fuß 20 Minuten. Schon seit Generationen ist die Insel im Besitz von Tittis Familie. Vor einigen Jahren überschrieb ihre Mutter sie an sie und ihren Bruder Peter. Das Inselcafé ist im Sommer ihr Wohnort.
Es ist friedlich auf Långholmen, man hört nur den Wind und die Wellen und manchmal ein paar Gäste, die sich unterhalten. Sie sitzen bei hausgemachtem Essen auf Bänken und gemütlichen Sofas auf den Felsen verteilt. Für die Gäste ist es Entspannung pur - für Titti teilweise ziemlich anstrengend. Nachdem sie an der frischen Luft in der Hängematte übernachtet hat, beginne ihr Tag um neun: "Ich stehe auf, frühstücke kurz, und schon geht es an die Arbeit." Sie bereite das Café vor und checke das Wetter für den Tag. Das Wetter ist der wichtigste Faktor. Der bestimmt, wie viele Gäste kommen. Dann kommen ihre Mitarbeiter. "In meinem Café arbeiten nur Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die auf den umliegenden Inseln leben oder den Sommer dort verbringen." Sie wechseln sich von Tag zu Tag ab. So haben sie genügend Freizeit. Es arbeiten nie mehr als vier Teenager gleichzeitig im Café. Es ist der perfekte Job für die zehn Wochen langen schwedischen Sommerferien. Das Café öffnet um elf Uhr, meist sind die Gäste mit ihren Booten schon früher da - mit einem Privatboot oder Wassertaxi. Die Insel befindet sich 20 Minuten mit dem Boot vom Festland entfernt. Von der Anlegestelle gelangt man in gut zwei Stunden Autofahrt Richtung Norden nach Stockholm. Sobald die Gäste ankommen, sei in der Küche die Hölle los. "Alle bereiten Essen zu oder servieren. An einem erfolgreichen Tag verkaufe ich meist über 200 Portionen Eis. Dazu kommen noch warme Speisen und vor allem Getränke. Das geht bis 17 Uhr." Für die Jugendlichen sei der Arbeitstag da vorbei, sie fahren auf ihren kleinen Booten nach Hause. Für Titti geht es nach dem Abendessen weiter. "Ich stehe bis spätabends in der Küche und bereite Eiscreme für den nächsten Tag vor." Wenn sie einmal ein bisschen Freizeit habe, liege sie gerne einfach in der Sonne und genieße die wunderschöne Natur.
Die lebhafte Frau mit blonden, hochgesteckten Haaren und hellblauen Augen strahlt eine große Herzlichkeit aus und scheint selten still zu sitzen. Jemand, der im Sommer mehr Freizeit zu haben scheint, ist ihr Bruder Peter. Er flickt und baut gerne Sachen in seiner kleinen Werkstatt. Oft kocht er das Abendessen für alle. Eigentlich arbeitet er als Sales Director in einer mittelgroßen Firma. Im Sommer kompensiert er seine Überzeit und arbeitet täglich nur einige Stunden im Homeoffice von der Insel aus.
"Ich liebe es, mit den Gästen zu reden", sagt Titti. "Ich bin dankbar, dass mein Café ein Ort der Zusammenkunft ist." Die Idee für das Café entstand 2020, als Tittis Töchter Tilde und Saga, damals 13 und elf Jahre alt, in Stockholm Kajaks mieten wollten. Das wäre sehr teuer gewesen - 700 Kronen, also 60 Euro. "Ich wollte mit meinen Töchtern zusammen versuchen, das Geld zu verdienen, und nicht einfach die Kosten übernehmen. So hat alles begonnen." Sie fingen an, auf Långholmen Eiscreme zu verkaufen. "Und wir hatten großen Erfolg." Sie verdienten fast das Fünffache von dem, was sie brauchten. So entwickelten Peter und Titti die Idee mit dem Eiscafé. "Erst seit diesem Jahr verkaufen wir auch warme Speisen. Außerdem haben wir die Erlaubnis von den schwedischen Behörden erhalten, Alkohol zu verkaufen." Trotz der Beliebtheit sei es finanziell leider immer noch kein lukratives Geschäft.
"Das Inselcafé können wir nur im Sommer öffnen, da es im Winter viel zu kalt ist. Manchmal gefriert sogar das Wasser." Wenn sie nicht auf der Insel weilt, lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Töchtern in Stockholm und arbeitet als Trainerin in einem Fitnessstudio und als Firmenporträtfotografin. Titti habe schon immer gerne eigene Eiscreme gemacht. Zunächst die Klassiker wie Vanilleeis, aber auch ihre Spezialität "Daim-Eis" aus dem karamellüberzogenen Riegel. Später kamen Sorten wie "Kladdkaka", ein schwedischer Schokoladenkuchen, "Lingon" (Preiselbeere) und Lakritze dazu - "meine Lieblingssorte". Auch die anderen Rezepte seien selbst erfunden oder von Gästen vorgeschlagen worden. Jedes Sandwich habe einen Namen. Es gibt "Helge", "Calle", "Caroline". Calle ist der Vorfahr, der 1922 die Insel gekauft hat, Caroline war seine Frau und Helge der Großvater von Peter und Titti.