Sein Name ist Braun, Dan Braun

Der Braunschweiger Danny Morgenstern ist Knigge-Coach, Krimiautor und James-Bond-Experte

Sein Name ist Morgenstern, Danny Morgenstern. Er ist einer der bekanntesten James-Bond-Experten in Deutschland. Gibt es Neuigkeiten über den britischen Geheimagenten, ist Morgenstern für viele Medien der erste Ansprechpartner. 17 Bond-Bücher stammen aus seiner Feder. "Gäbe es ein Studienfach 'Bondologie', dann wäre ich Professor dafür", behauptet er scherzend. Der 45 Jahre alte Vater von zwei Kindern sitzt in der Bar der Braunschweiger Tanzschule Hoffmann. Er trägt blaue Jeans und ein dunkelblaues Sweatshirt. Sein schwarzes Haar ist zur Seite gescheitelt.

 

Als er sieben war, zeigte ihm sein Großvater den Streifen "Leben und sterben lassen". Damit fing alles an. "Wenn es Referate in der Schule gab, habe ich immer das Thema Bond gewählt. Seit der 8. Klasse verging kaum ein Tag, an dem ich mich nicht mit ihm beschäftigt habe." Morgenstern konnte neue Informationen schnell abspeichern. "Und wenn man das kann, muss man auch etwas daraus machen." Anfang 2000 beginnt er das Sachbuch "James Bond XXL" mit dem Ziel, 500 Seiten zu schreiben. Sechs Jahre später wird es veröffentlicht und zählt 1700 Seiten. "Als sich dann Zeitungen wie Bild, Stern oder Spiegel bei mir meldeten, wurde mir klar, ich bin wohl einer von denen in Deutschland, die sich am besten mit James Bond auskennen."

 

2012, bei der Premiere von "Skyfall" in London, durchlebt er den Traum eines jeden Fans. Er steht am roten Teppich und hofft, ein paar Worte mit 007-Darsteller Daniel Craig zu wechseln. "Er kam auf mich zu und dachte, ich wollte ein Autogramm. Ich wollte aber gar keins. Er hat dann ein großes Skyfall-Plakat für mich signiert. Aber nicht nur das "D", das er normalerweise macht. Er hat richtig 'Daniel' hingeschrieben und noch kurz mit mir gesprochen." Als Craig weitergeht, folgt der Schock für Morgenstern: "Das Ding ist ja festgeschraubt." Ein freundlicher Ordner ließ es ihn glücklicherweise abmontieren. "Das Plakat habe ich dann nach Deutschland schicken lassen, das hat mich um die 300 Pfund gekostet. Aber ein Bekannter behauptet, es sei mehrere Tausend Pfund wert." Craig sei neben Roger Moore sein Lieblingsdarsteller. Er habe ihn schon sechsmal getroffen.

 

Wenn im Herbst vor dem Braunschweiger Astor Filmtheater Menschen in Smoking und Abendkleid Schlange stehen, lädt Morgenstern zur "Mission Bond" ein. Seit 2012 findet sie jährlich statt. Die ursprüngliche Idee des Kinoleiters Frank Oppermann war, dass Prominente aus der Region ihren Lieblingsfilm vorstellen. "Eigentlich wollte ich keinen Bond-Film nehmen, weil ich das sehr klischeehaft finde, sondern ,American Beauty'." Doch Oppermann drängte ihn zu Bond. "Gut, dann machen wir ,James Bond - 007 jagt Dr. No'", entscheidet er. "Dann hieß es, wir gehen ins kleine Kino mit 150 Plätzen. Letztlich waren es 1200 Leute, die an dem Abend kamen." Morgenstern gelang es, prominente Gäste, die etwas mit der Filmreihe zu tun haben, zu bekommen, um mit ihnen dann Gespräche vor der Leinwand zu führen, untermalt von Filmausschnitten. Dazu zählten Ludger Pistor, Bankier aus "Casino Royale", oder Andreas Wisniewski, Handlanger in "Der Hauch des Todes". Morgenstern sorgt an solchen Abenden auch dafür, dass Filmrequisiten und Autos ausgestellt werden, und er bereitet eine multimediale Moderation vor. Seine Zuhörer erfahren etwa, dass, wenn ein Antagonist aus einem Flugzeug stürzt, das Trompeten eines Elefanten als verzweifelter Todesschrei eingesetzt wird. Zusätzlich schreibt er ein umfangreiches Sachbuch über den jeweiligen Film. Die Reihe heißt "007 XXS" und ist limitiert, natürlich auf 1007 Exemplare.

 

Morgensterns eigener Bond heißt Oliver Borg und ermittelt seit 2022 als Braunschweiger Kommissar in seinen Krimis. Er müsse sein "Gehirn ab und zu auf Reisen schicken", um die Nüchternheit eines Sachbuches zu überwinden und seine Kreativität zu entfalten. "Dann gehe ich in die Recherche und gucke mir Einäscherungen an, Leichenwaschungen, spreche mit Menschen, die selbst mal Opfer von Kriminalität geworden sind, oder lasse mich inspirieren durch die Bösewichte dieser Welt." Borg durfte in "Blutlauf" und "Totengräberwind" ermitteln, seit März ist er in "Kleine Mädchen schält man nicht" im Einsatz. Vier Romane aus Morgensterns Feder sind unter einem Pseudonym veröffentlicht, das er so geheim hält wie Bonds Chefin M ihren Namen. Ein anderes ist hingegen bekannt. Unter "Dan Braun", abgeleitet aus Vorname und Wahlheimat, veröffentlicht er Krimis. "Das Verrückte daran ist, dass Dan Brown, der erfolgreiche amerikanische Autor, zu dem Zeitpunkt noch unter einem Frauen-Pseudonym veröffentlicht hat." Nachdem dessen Werk "Illuminati" erschienen war, erhielt Morgenstern einen Anruf. "Da fragte mein Verlag mich, ob ich gerade massiv Werbung mache, sie kämen mit dem Nachdrucken nicht nach, weil sich die Bücher so gut verkaufen." Über die Begründung muss er lachen. "Die Leute haben 'Dan Brown' im Internet falsch eingegeben, meine Bücher angezeigt bekommen und bestellt. Das war nicht bewusst gemacht, für mich war es gut, und ich kann ja nicht ändern, dass die Menschheit durchs Internet verblödet."

 

Der Mann mit der Lizenz zum Töten beeinflusst Morgenstern auch anderswo. Seit 2003 lässt er als Tanzlehrer zu den für Bond-Filme komponierten Themensongs tanzen. Während seiner Ausbildung dazu absolvierte er zudem ein privates Coaching bei seiner Ausbilderin Inge Wolff und erhielt so seine Lizenz als Business-Knigge-Coach. Bei Vorträgen dient Bond häufig als Beispiel, im positiven und negativen Sinn. "Er ist natürlich sehr höflich und stets gut gekleidet. Ich könnte locker einen Anzug, den Bond in den Sechzigern trug, anziehen und positive Rückmeldungen erhalten. Einen Sektkelch", demonstriert er, "fasst man jedoch nie am oberen Rand an, sondern immer am Stiel." Und: "Im Umgang mit Frauen hat Bond eine glatte Sechs. Man schläft nicht mit einer Frau, um ein berufliches Ziel zu erreichen." Über sich selbst behauptet Morgenstern: "Seit ich 30 bin, mache ich nur noch Sachen, die mir Spaß machen. Für mich ist es wichtig, dass ich irgendwann etwas hinterlasse, das in einer Bibliothek steht."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.06.2025, S. 26 - Magnus Ebel. Wilhelm-Gymnasium, Braunschweig

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