Sie amüsiert sich königlich

Lehrerin Metka Krajnc Sevsek in der Gestalt der historischen Barbara von Cilli

Jeden Morgen steht die römisch-deutsche, ungarische und böhmische Königin Barbara von Cilli um 5.30 Uhr auf. Sie macht Frühstück, weckt ihre beiden Kinder, bringt sie zur Schule und ihren Mann am Wochenende schon mal zur Celjer Burg. Dort beginnt er an der Rezeption seine Arbeit und informiert Touristen. Denn er ist nicht der historische Sigismund von Luxemburg, der als mehrfacher König und von 1433 bis 1437 auch als Kaiser regierte, sondern der 43-jährige Saso Sevsek, der nach einer Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe laut seiner Frau "hier in seinem Traumjob arbeitet". Barbara von Cilli ist im wahren Leben Metka Krajnc Sevsek, eine 50-jährige Lehrerin am Gymnasium Celje Center, die den größten Teil ihrer Freizeit der historischen Barbara widmet und als solche Touristen empfängt. "Barbara, die von 1390 bis 1451 lebte und in Prag im Veitsdom beigesetzt wurde, war eine der mächtigsten Personen ihrer Zeit, eine gebildete, neugierige und selbstbewusste Frau. Aber wie so viele Frauen in der Geschichte geriet sie weitgehend in Vergessenheit", sagt Krajnc Sevsek. Mit ihrer Familie tut sie etwas dagegen. "Ich bin so etwas wie die Queen Mum bei uns", erzählt sie lachend. "Mein Mann und ich haben schon beruflich mit Barbara und ihrer Geschichte zu tun." Auch der acht Jahre alte Sohn Maks und die elfjährige Tochter würden mitspielen. "Ema ist 2024 bei einem Mittelalter-Tag schon in der Rolle der jungen Barbara in Celje aufgetreten." Das sei auch historisch passend, denn Barbara wurde zwar in Cilli, dem heutigen Celje, als Tochter des Grafen Hermann II. und seiner Frau Anna von Schaunberg geboren, lebte aber nur bis zum zwölften Lebensjahr in der Stadt. "In römischer Zeit hatte Celeia 15.000 Einwohner, London nur 8000. In Cilli lebten zur Zeit Barbaras zwar nur circa 900 Einwohner, aber Sigismund und Barbara waren das It-Paar ihrer Zeit und herrschten über weite Teile Europas." Barbara habe vermutlich acht Sprachen gesprochen, "einen regionalen slowenischen Dialekt, Latein und das Ungarisch, Tschechisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Kroatisch ihrer Zeit." Auch sei sie an wissenschaftlichen Fragen interessiert gewesen, "das waren aus heutiger Sicht Alchemie und Astrologie". Vor allem aber sei sie eine Frau gewesen, die politische Geschäfte führte, eine mächtige Diplomatin, Ökonomin und Managerin, die Reichtümer und viel Land verwaltete und erwarb. "Besonders die Heiratspolitik hat den Einfluss der Adelshäuser erweitert. Schon Barbaras Vater Hermann hatte enorme Macht. Diese wurde durch die Heirat von Barbara mit Sigismund vergrößert. Deren gemeinsame Tochter Elisabeth heiratete Albrecht von Habsburg und verband so die Grafen von Cilli mit der mächtigsten Adelsfamilie der Zeit." Wenig bekannt sei, "dass der englische König Charles III. in 19. Generation von Barbara von Cilli abstammt".

 

Krajnc Sevsek ist 1,70 Meter groß, trägt schulterlanges, dunkelbraunes Haar und im Alltag eine schwarze Brille. "Natürlich habe ich weder Barbaras Macht noch auf heute übertragen ihr politisches Wissen. Aber das Interesse an Menschen, die Neugier und Leidenschaft, Wissen zu erwerben, macht sie zu einem Vorbild für mich." Dabei hat sie selbst erst spät von Barbara erfahren. Sie könne sich nicht erinnern, in der Schule von ihr gehört zu haben. "Im sozialistischen Jugoslawien wurden der Adel und damit auch die Grafen von Cilli als pure Ausbeuter beschrieben. Aber Geschichte besteht nicht aus einer historischen Perspektive und märchenhaften Erzählungen. Sie hat mit Daten und Fakten zu tun, die man kennen und interpretieren muss, um auch für unsere eigene Zeit zu lernen." Erst mit Mitte 20 sei sie als Mitglied einer Tanzgruppe zu einer Führung auf die Celjer Burg gekommen, wo junge Frauen für Rollenspiele und mittelalterliche Tänze gesucht wurden. "Eine junge Frau war schon ausgewählt worden, Barbara in historisch nachempfundener Kleidung zu spielen. Als sie ausfiel, wurde ich gefragt, sagte spontan zu, und hatte wenig später bei einer Hochzeit in der alten Burg meinen ersten Auftritt." Viele öffentliche Auftritte kamen hinzu, auch kuriose bei privaten Veranstaltungen. Etwa bei einer "Schwarzen Hochzeit", bei der das Brautpaar mit der jungen Gesellschaft mittelalterlich und in Schwarz gekleidet zur Feier kam. Ich hatte große Angst, dass sie auch noch ein Huhn opfern würden", erzählt sie lachend.

 

Heute führt Krajnc Sevsek im Auftrag des Kultur- und Tourismusinstituts "Celje Celeia" jährlich 50 bis 60 Besuchergruppen durch Celje und die Burg. Die meisten sind international. "Ein kanadischer Reiseveranstalter war offenbar so begeistert, dass jetzt pro Jahr fünf Gruppen mit bis zu 50 Gästen aus Kanada zu uns kommen." Für deutsche Besucher sei es immer interessant zu erfahren, "dass Barbara die letzte römisch-deutsche Königin war, die in Aachen gekrönt wurde". All ihre Gäste versucht Krajnc Sevsek in deren Muttersprache zu begrüßen. Auf Wunsch legt sie bunte Roben aus dem Fundus von "Celje Celeia" an, die der Zeit Barbaras nachempfunden sind, und trägt eine Replik der römisch-deutschen Krone. "Das ist im Sommer oft eine Tortur. Auch weil ich viele Textilien aus Kunststoff trage." 2024 wurde ein Wanderweg eröffnet, rund um den größten Baum Sloweniens, eine 67 Meter hohe Douglasie. "Da war ich als Barbara kostümiert dabei, denn in diesem Wald, der früher den Grafen von Celje gehörte, durften die Bürger damals zwar nicht jagen, aber sie hatten von den Grafen das Recht, Holz und Beeren zu sammeln." Als 2024 ein neuer Fahrplan der Bahnstrecke Celje-Graz eingeführt wurde, war sie auch dabei, "um die historische Verbindung nach Österreich zum Ausdruck zu bringen". Die Rolle zu spielen, solle Geschichte auch emotional näherbringen. "Und ich fühle mich selbst ein bisschen königlich", sagt sie schmunzelnd. "Aber manchmal ist es für mich leichter, über Barbara zu sprechen als in ihrer Rolle." Denn natürlich gebe es auch kritische Meinungen. So wurde sie schon als eine deutsche Messalina oder sogar als Vampir verspottet. Beim Gespräch trägt Krajnc Sevsek ein goldfarbenes Gewand, darüber eine dicke, ärmellose dunkelrote Robe mit weißem, flauschigem Rand und eine Replik der deutschen Krone. So sitzt sie lächelnd auf einem Thron in der Burg hoch über der Stadt vor einem Fenster, von dem aus man weit über Celje, die Ebene mit dem Fluss Savinja und Berge schaut. "Europa im Kleinen, in dessen Geschichte hier ein sehr wichtiges Kapitel spielte, und für das wir uns heute alle engagieren müssen."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.07.2025, S. 26 - BLAZ KLINAR, ZOJA KLARA HRUP. Discimus Lab, Videm pri Ptuju/Trzec

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