So ein Schmarrn auf 2076 Metern

Auf der Eishof-Hütte im Südtiroler Pfossental gibt es kein WLAN - dafür aber eine beeindruckende Kulisse

Die Straßen enden, der Empfang verschwindet, und die Stimmen werden leiser. Nur das Rauschen des Gletscherbachs und das Klopfen eines Spechts begleiten die Wanderung durchs Pfossental, tief im Herzen Südtirols. Links aufragende Lärchen, rechts eine Schafherde. Und dann steht sie da, auf 2076 Metern über dem Meeresspiegel: die Eishof-Hütte. Ein Ort, an dem Natur und Kulinarik miteinander verschmelzen.

 

Der Geruch von frischem Brot und geschmolzener Butter kommt einem entgegen. Ulrich Haller tritt über die Türschwelle - schlank, 37 Jahre alt, blaue Schürze über einem grün-karierten Leinenhemd. Er hat diesem Ort eine neue Richtung gegeben. "Wir wollten keinen Alpentourismus", sagt er, "wir wollten einen Ort, der echt ist. Und gutes Essen kennt." Seit 2019 pachtet Haller mit seiner Frau und weiteren acht Teammitgliedern die Eishof-Hütte. Haller ist Vater von zwei kleinen Kindern, ausgebildeter Sommelier, Absolvent der Meisterausbildung für Restaurant und Bar und der Mann, der kocht, koordiniert und serviert. Das Team hat eine Vorstellung davon, wie alpine Gastronomie heute aussehen soll.

 

Der Eishof wurde um 1290 das erste Mal urkundlich erwähnt, als spartanisches Bauernhaus im hintersten Talkessel des Pfossentals. Weil er um 1897 ganzjährig bewohnt wurde, galt er außerdem als die höchstgelegene Dauersiedlung in den Ostalpen. Doch bereits ein Jahr später wurde er nur noch als Alm bewirtschaftet und in den 1920er-Jahren für 140.000 Lire an sechs Meraner Bauernfamilien verkauft. Heute dient er von Mai bis Herbst als Stützpunkt für Wanderer und Bergsteiger, als dritte von sieben Etappen des Meraner Höhenweges, als Almhütte, Schutzhaus und Jausenstation mit 200 Sitz- und 21 Schlafplätzen. Die Hütte wurde nach einem Brand in den 1970er-Jahren wieder aufgebaut. Heute ist sie die höchstgelegene bewirtschaftete Alm im Naturpark Texelgruppe. 2023 wurde die Eishof-Hütte vom Falstaff Restaurant- und Hüttenführer zur "Gourmethütte des Jahres" gekürt. Falstaff, benannt nach Shakespeares genussfreudigem Ritter, ist ein Bewertungssystem im deutschsprachigen Raum. "Vergleichbar mit dem Michelin-Stern", erklärt Haller, "aber näher dran an den realen Orten, an dem, was wirklich zählt: Herz, Herkunft, Haltung." Die Zutaten für die Gerichte stammen von den umliegenden Höfen. "Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, saisonale Produkte direkt in die Küche zu integrieren." Das garantiere Frische und unterstütze die lokale Wirtschaft.

 

Die Qualität der Gerichte spiegelt sich leicht spürbar in den Preisen wider. Neben der fixen Speisekarte werden Tagesgerichte je nach Fleisch- und Gemüseversorgung angeboten. Der Hof besitzt eine eigene Stromversorgung, Wasserquellen und Sickergruben. "Der Einkauf erfolgt ein bis zweimal pro Woche. Es kommt schnell zu einem Verbrauch von 1200 Eiern die Woche." Haller spricht gern von "Übergängen". Von den fließenden Grenzen zwischen Natur und Kultur, zwischen Tradition und Moderne. Auch sein Menü folgt diesem Prinzip. Dort findet man Klassiker wie den Kaiserschmarrn oder die Eierröster mit Speck, aber auch fermentiertes Gemüse, Brot mit Wildkräutern oder Butter, die nach Bergheu duftet. Es ist das, was entsteht, wenn man alpine Einfachheit ernst nimmt und veredelt oder wie er es nennt: "traditionelle Almkost mit Touch".

 

Die Lage bringt logistische Herausforderungen mit sich. Die Anlieferung der Lebensmittel und die Entsorgung von Abfällen, die mit Auto oder Kleintransporter erfolgen, erfordern eine gute Planung. Im Team gibt keine starren Rollen. Derjenige, der morgens Brotteig knetet, spült mittags Teller oder serviert. Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, was zu tun ist. "Wir sind wie eine kleine Familie, die die wunderschöne Natur in den Bergen genießt."

 

Die Gäste, die hierherfinden, sind bunt. Familien, Hüttenwanderer, Feinschmecker, Genießer, Menschen aus vielen Ländern treffen aufeinander. "Manche bleiben für eine Suppe, andere für Tage." Nicht alle wissen sofort, was sie erwartet. Manche fragen nach Softdrinks, andere nach WLAN. Stattdessen werden hausgemachte Säfte oder Naturweine ausgeschenkt. Was viele überrascht: wie jung das Team ist. Auch Vegetarier oder Gäste mit Allergien werden ernst genommen. "Wir fragen nicht, warum jemand etwas nicht isst, sondern wie wir das Beste daraus machen können." Haller beobachtet eine neue Sehnsucht: nach echter Erfahrung, nach einer Kulisse, die nicht für Instagram, sondern für das eigene Herz spielt. "Wenn Menschen spüren, dass etwas mit Liebe und Sinn zubereitet wurde, dann essen sie nicht nur. Sie begreifen die Einzigartigkeit." Hallers Credo lautet: "Wir bieten nicht nur eine Speisekarte. Wir bieten einen Ort." Einen Ort, den man nie ganz verlässt, auch wenn man wieder im Tal ist.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 06.10.2025, Nr. 231, S. 26 - Vera Peer, Gymnasium Vinzentinum, Brixen

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