Im Jardim Botânico in Porto wächst viel zusammen. Filipe findet dort seine Freundin.
Ich habe nicht entschieden, dass es im Jardim Botânico sein soll. Der Jardim Botânico hat entschieden", erzählt Filipe Neves da Silva Marques Pinho. "Unsere Bank war von einer Pergola umgeben, manchmal fielen sogar rosa Blüten herab. Es war das erste Mal, dass ich die Blüten geöffnet sah und nahm das als Zeichen: Nervös habe ich meine Freundin gefragt, ob sie mit mir zusammen sein möchte." Der Jardim Botânico ist ein Ort, an den der Siebzehnjährige viele Erinnerungen hat. Auch an eine Geburtstagsfeier oder an Schulausflüge, die wie "Unterricht außerhalb der vier Wände" waren.
Portos botanischer Garten erstreckt sich über ein vier Hektar großes Gelände. Er ist in drei Ebenen unterteilt: Auf der ersten befinden sich die parkartigen Gärten, auf der zweiten, etwas tiefer gelegenen der Kakteengarten sowie die Gewächshäuser, und die dritte, leicht versetzt darunter, beherbergt das Arboretum und den Teich.
Filipe hat sich seiner Freundin im Jardim dos Jotas, dem Garten der JJs, erklärt. Dort geht er oft mit ihr spazieren. Der Garten hat seinen Namen vom Buchstaben J, deren zwei in Buchsbaumhecken geformt und miteinander verschlungen sind. Der Garten wurde von Joana Andresen entworfen, die die Jotas ihrem Mann João Henrique Andresen widmete, dem ehemaligen Eigentümer der Quinta do Campo Alegre. Der Jardim dos Jotas wird von hohen Kamelienhecken umrahmt. "Selbst an heißen Tagen ist es ein kühler Ort", meint Filipe mit seinen kurz rasierten Haaren und einem Ring im linken Ohr. Er trägt eine schwarze Sonnenbrille und ein T-Shirt.
Die zweite Ebene wird von zwei Gewächshäusern dominiert, eines mit tropischen Pflanzen und das andere mit Wüstenpflanzen. Diese sind normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen, aber es gibt ein paar feste Termine für Führungen. Betritt man den Jardim Botânico, so steht man vor einem großen blutroten Haus mit sechs Fenstern im Ober- und fünf im Erdgeschoss sowie einer zentralen Betontreppe, die zum Haupteingang führt. An beiden Seiten der Treppe steht jeweils eine Palme. Andresen hatte die Quinta do Campo Alegre 1895 erworben. Sein Vater war ein dänischer Einwanderer. João ging gern in das oberste Stockwerk des Hauses, eine graue Kuppel mit einem Fenster, um die Aussicht auf den Fluss Douro und seine Schiffe zu genießen.
1949 erwarb der portugiesische Staat das Anwesen, und 1951 wurde dort der Jardim Botânico unter der Verwaltung der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Porto errichtet. Die ursprüngliche Größe von zwölf Hektar wurde reduziert, das Haus restauriert, und es wurde ein Museum für Naturgeschichte und Wissenschaft der Universität Porto geschaffen. "In der Mitte des Museums steht ein Walskelett", berichtet Filipe. Dieses steht dort zu Ehren von Sophia de Mello Breyner Andresen (1919-2004), eine der bedeutendsten portugiesischen Schriftstellerinnen. Sie war die Enkelin von João und Joana. In ihrem 1984 publizierten Werk "Saga" erzählt sie die Geschichte ihrer Vorfahren und beschreibt das Anwesen: "Alles im Haus war übermäßig groß, von den Schlafzimmern, in denen die Kinder Fahrrad fahren konnten, bis zur riesigen Eingangshalle, die von allen Salons aus zugänglich war und in der man das Walskelett aufbauen konnte, das jahrelang in zahlreichen Paketen im Keller der Fakultät für Naturwissenschaften lagerte."
Der Jardim Botânico grenzt im Osten an die Fakultät für Naturwissenschaften in der Rua do Campo Alegre auf 80 Meter Meereshöhe und in Luftlinie keine hundert Meter vom Douro entfernt. Auf der anderen Seite zeigt die Via de Cintura Interna eine ganz andere Welt, die diesen natürlichen Rückzugsort durchdringt. Der Lärm der vorbeifahrenden Autos ist ohrenbetäubend. "Ein Nachteil des Jardim Botânico ist, dass er direkt an der Ringautobahn liegt", sagt Filipe.
Der Botanische Garten umfasst Pflanzen aus 514 Gattungen und mehr als 1100 Arten. Unter ihnen befinden sich Exemplare seltener, exotischer und einheimischer Baumarten, darunter Zedern, Araukarien und Amberbäume. Filipe liebt die Werke von Sophia de Mello Breyner seit seiner Kindheit. "Ich las ihre Werke. Wenn ich mit meinen Eltern im Garten spazieren ging, stellte ich mir vor, wie aus Magie Wirklichkeit wurde. Die Baumstämme sahen für mich aus wie die Häuser der Figuren aus dem Buch 'A Floresta'." Eines ihrer Gedichte trägt den Titel "Jardim Perdido", Verlorener Garten. In ihm heißt es: "Blühender Garten, Garten der Verwirrung, überfüllt mit Bildern, aber formlos, in dir hat sich die große Welt aufgelöst, beladen mit Liebe und Einsamkeit."
Der Garten wird gern von Touristen und Schulklassen besucht. Außerdem gibt es ein Gebäude nur für Studenten der Universität. Heute existiert auch ein kleines Café mit einer Terrasse und mit Blick auf den Hauptgarten, den Jardim do Xisto. Dieser ist symmetrisch angelegt, rund um einen Teich mit Seerosen und anderen Wasserpflanzen. Es gibt eine Treppe, die direkt von der Rückseite des Hauses zugänglich ist. "Ich erinnere mich, wie ich als Kind mit meiner Großmutter durch die Gärten spazierte und dachte, ich sei in einer Art Labyrinth." Heute reichen diese "labyrinthartigen" Hecken dem 1,73 Meter großen jungen Mann nur noch bis zum Knie.
Der Jardim Botânico ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos. Nur für den Besuch des Biodiversitätsmuseums, das im Wohnzimmer der Andresens eingerichtet wurde, wird eine Gebühr erhoben. Laut dem Werk "O Rapaz de Bronze", Der Junge aus Bronze, von Sophia de Mello Breyner Andresen erwachen nachts, wenn die Menschen schlafen, die Statue des bronzenen Jungen vor dem Haus und die Pflanzen des Gartens zum Leben und feiern. "Als Kind habe ich es gerne geglaubt", meint Filipe.