Surfer liegen auf einer Wellenlänge

Kitesurfer brettern übers Wasser. Der Slowene Toni Vodisek aus Koper ist einer der besten.

Wind in den Haaren, Geschwindigkeit auf dem Wasser, die Gefahr, die dich ständig umgibt und dich daran erinnert, wie lebendig du bist, Adrenalin pur: Das ist Kitesurfen. Das ist mein Leben", sagt Toni Vodisek und strahlt. Der professionelle Kitesurfer wurde 2000 an der slowenischen Adriaküste geboren. "Solange ich denken kann, bin ich hier in Koper mit meiner ganzen Familie von Segeln umgeben." In seinem Klub in Zusterna genießt Vodisek "die seltene Ruhe und Sauberkeit, die wir hier haben. Das Meer schafft ein Mikroklima, das unsere Sommer angenehm kühl und unsere Winter etwas wärmer macht. Man kann auf landschaftlich reizvollen Wegen ins benachbarte Italien oder Kroatien radeln". Das Radfahren gehört zu Vodiseks sportlichem Rahmenprogramm. Sein Vater Rajko war Windsurfer und später einer der Pioniere des Kitesurfens. Seine 2001 geborene Schwester Marina nimmt an internationalen Kite-Wettbewerben teil. "Und meine Mutter Natasa behauptete nach 20 Metern auf dem Brett, dass sie es auch kann", sagt Vodisek mit breitem Grinsen.

 

Sport und Arbeit sind in seiner Familie eng miteinander verbunden. "Wir betreiben ein Hotel in Koper. Ich stand als Fünfjähriger schon auf einem Schemel und habe Geschirr gespült, während andere Kinder Zeichentrickfilme schauten." Wie fast alle Anfänger begann er mit dem Segeln in einem Optimist. Aber weil ihm das bald nicht mehr genug Adrenalin verschaffte, begann er mit sechs mit dem Kitesurfen. Als sich sein Vater auf die Olympischen Spiele in Rio vorbereitete, bei denen Kiten zum Rahmenprogramm gehörte, verletzte er sich und konnte nicht mehr antreten. Seine Ausrüstung lag ungenutzt in der Garage, die Spezialkleidung, Schuhe, der Kite, die Seile, das Board und natürlich das Foil, die flügelartige Konstruktion unter dem Board, die es mit zunehmender Geschwindigkeit über die Wasseroberfläche hebt. "Und da sagte mein Vater zu mir: 'Jetzt bist du dran!'" Als 12-Jähriger nahm Toni an seinen ersten Wettkämpfen teil. Seit 2016 gehört er zu den Top Ten der Kitesurfer, wurde zwischen 2016 und 2018 dreimal Europa- und Weltmeister der Junioren, gewann 2022 die Weltmeisterschaft bei den Senioren und 2024 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.

 

Dieser Sport sei für alle Menschen, die gut unter Druck arbeiten und ins Extreme gehen wollen. "Die Voraussetzungen sind Kraft, Körpergewicht - bis zu einem gewissen Grad - und Kraft in den Beinen", sagt der 1,80 Meter große, 82 Kilogramm schwere Sportler und reibt sich lachend den Bauch. "Du bist dein eigener Motor. Es hängt alles von dir selbst ab. Unter den Höhlenmenschen wäre ich der Erste, der rausgeht, um zu sehen, was außerhalb der Höhle passiert." Das Kiten sei aber "nichts für übermäßig wettbewerbsorientierte Menschen, da dies zu Neid und Eifersucht und damit zu Überreaktionen und Verletzungen führen kann. Der Geist ist genauso wichtig wie der Körper. Deshalb habe ich auch einen Physiotherapeuten und einen Psychotherapeuten, und ich schäme mich nicht, das zuzugeben."

 

Sein Tagesablauf hängt vom Familienhotel ab. "Ich arbeite an der Rezeption, erledige Klempner- und Elektroarbeiten, helfe beim Frühstück und mache im Grunde alles, was zu tun ist." Dazwischen gibt es zwei Trainingseinheiten pro Tag, jeweils drei bis vier Stunden, vorzugsweise mit einem Trainer, der ihn fordert. Jedes Jahr nimmt er an etwa einem Dutzend Wettbewerben teil. Im Wintertraining konzentriert er sich mehr auf Kraft und Fitness, Balance und Explosivität, im Sommer mehr auf das Training im Wasser. Aber auch viel in der Luft. "Mein größter Sprung beim Kiten war 24 Meter hoch. Der wäre über unser Hotel gegangen. Der Weltrekord liegt bei 39 Metern." Das ist nicht ungefährlich. Doch das größte Risiko beim Kiten seien Verletzungen, die durch mangelnde Konzentration verursacht würden. Dass Leichtsinn gefährlich sei, habe er als 16-Jähriger erfahren. "Ich bin mit einem Schlauchboot ohne Sicherheitsleine aufs Meer gefahren und ins Wasser gefallen. Ich hatte das Boot vorher vollgetankt, also fuhr es weiter, aber zum Glück im Kreis, sodass ich als guter Schwimmer in den inneren Kreis kommen und irgendwann ein Seil greifen konnte. Aber das zerriss. Erst beim zweiten Versuch habe ich es ins Boot geschafft." Das habe ihm gezeigt, wie wichtig Kontrolle ist. "Ich erinnere mich auch an ein Rennen, bei dem ich zweimal antreten musste, weil mein Vater einen Fehler gemacht hatte. Er sagte mir, ich sei in der gelben Gruppe. Es gab 120 Teilnehmer, die in 30er-Gruppen eingeteilt waren, jede hatte ihre eigene Farbe. Ich lief also los, erreichte die Ziellinie, und dann kam mein Vater zu mir und sagte, er habe sich geirrt, ich sei eigentlich in der roten Gruppe und jetzt sei ich wirklich an der Reihe. An diesem Tag lernte ich, dass es gut ist, zu vertrauen, aber nicht zu vertrauen kann manchmal besser sein." Für die Kitesurfer wird auch die zunehmende Meeresverschmutzung zum Problem. "Einmal bin ich mit meinem Foil gegen eine Plastiktüte im Wasser gestoßen, die wie ein festes Hindernis wirkte, fast so, als würde ich auf Metall treffen. Mit der linken Körperseite bin ich aufs Wasser geknallt, den Arm weggestreckt, und die Kraft des Wassers riss ihn abrupt nach hinten, was zu einer Verrenkung und einem vollständigen Riss aller Bänder führte." Und in der Natur selbst lauern Gefahren. "In Noosa, Australien, bin ich einmal beim Surfen mit einem Hai zusammengestoßen und direkt neben ihm im Wasser gelandet. Ich bin noch nie so schnell aus dem Wasser wieder auf mein Brett gekommen."

 

Vodisek schätzt besonders die Gemeinschaft der jungen Kiter, die sich auf der ganzen Welt zu Wettkämpfen treffen. "Abseits des Wassers sind wir alle durch die Liebe zu unserem Sport vereint. Aber sobald wir auf dem Wasser sind, steht der faire Wettbewerb im Vordergrund." Das gilt auch für Jannis Maus, den deutschen Kiter. "Für mich ist er wie ein sanfter Riese, und wir sind Freunde." Als Kitesurfen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zum ersten Mal offiziell auf dem Programm stand, belegte Maus den fünften Platz. Valentin Bontus aus Österreich holte Gold. Vodisek gewann Silber. "Ich war frustriert, dass ich nicht gewinnen konnte, obwohl ich während des gesamten Wettkampfs in Führung lag." Begeistert hat ihn an Olympia, "all diese talentierten Menschen an einem Ort zu treffen. Man konnte sehen, dass es wirklich einen faszinierenden Sport gibt, der zu jedem passt, ob groß oder klein, dick oder dünn. Und für mein Land anzutreten, bei der Schlussfeier die slowenische Flagge zu tragen, das war unvergesslich."

 

In der Schule sei er kein Musterschüler gewesen. "Ich habe oft geschwänzt und dachte, mein Training sei wichtiger." Da er zwischen 2017 und 2019 bereits an internationalen Wettbewerben teilnahm, absolvierte er die letzten beiden Jahre der Mittelschule online und hat seinen Sekundarschulabschluss als Wirtschaftstechniker gemacht. "Vielleicht studiere ich später auch noch, dann aber Sprachen, da ich außer Slowenisch schon Spanisch, Italienisch, Englisch und etwas Französisch spreche." Vodisek ist sich sicher: "Ich werde meine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen holen." Er lacht: "Ich mache mir keine Sorgen, weil ich ja schon lange sehr gut Geschirr abwaschen kann."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.08.2025, S. 26 - Vika Viktorija Starman, Mana Rampini Florjancic, Emma Pancevska Dakic, Gaja Kejzar. Discimus Lab, Videm pri Ptuju/Trzec

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