Von lauter Jasagern umgeben

Wenn zwei sich trauen, freut sich die Hochzeitsplanerin. Ihre eigene Hochzeit hat Mergime Morina noch nicht geplant.

Noch heute, Jahre später, schreibt mir die Braut, dass sie weint, wenn sie das Hochzeitsvideo anschaut", sagt Mergime Morina über ihre allererste Hochzeit und streicht sich eine Strähne ihres langen braunen Haars hinters Ohr. "Da wusste ich: Das ist das Richtige für mich." Seit 2021 plant sie unter dem Namen "Morina Wedding" von Esslingen am Neckar aus die schönsten Tage im Leben ihrer Paare. "50 Prozent der Zeit sitze ich am Computer und arbeite an Budgetkalkulationen, Designkonzepten und Tagesabläufen. Die andere Hälfte verbringe ich draußen, indem ich Dienstleister treffe oder zusammen mit den Paaren Hochzeitslocations besichtige." Bis zu zehn Hochzeiten organisiert sie im Jahr, mehr möchte sie bewusst nicht annehmen. "Jedes Paar soll sich hundertprozentig betreut fühlen." Zwischen 100 und 200 Stunden investiere sie in jede Hochzeit. "Das ist wie eine Beziehung. Wir arbeiten mindestens ein Jahr zusammen, da muss die Chemie stimmen."

Diese Chemie prüft sie beim ersten Beratungsgespräch. "Manchmal sitzen wir drei Stunden zusammen. Das Menschliche steht an erster Stelle. Wenn jemand ganz verrückte Vorstellungen hat wie zum Beispiel eine Star-Wars-Hochzeit und das gar nicht mein Stil ist, dann gebe ich die Anfrage lieber weiter."


Die 37-Jährige lacht: "Ein typischer Hochzeitstag beginnt immer frühmorgens, obwohl ich eigentlich gar keine Frühaufsteherin bin." Mit ihrem Team, meist ein bis zwei Assistentinnen, kümmert sie sich um den Aufbau der Dekoration, koordiniert Dienstleister, betreut Brautpaar sowie Gäste und behält den Zeitplan im Auge. Jedes Detail wurde in den Monaten zuvor minutiös geplant. "Wie oft wir uns treffen, hängt immer vom Brautpaar und der Hochzeit ab. Oft ist es so, dass der Mann am Anfang sagt, die Frau dürfe alles entscheiden, aber am Ende gibt es dann schon manchmal Uneinigkeiten zwischen dem Paar."


Besonders wichtig seien die Fotografen und Videografen. "Sie sind wie ich den ganzen Tag dabei. Wenn sie locker und sympathisch sind, überträgt sich das auf das Brautpaar. Gerade bei den Paarfotos ist das Gold wert." Wenn es mal nicht nach Plan läuft, und das tue es fast immer, bleibt sie gelassen. "Meine Brautpaare sagen immer, man merkt dir den Stress gar nicht an." Diese Ruhe habe sie sich erarbeitet. "Am Anfang hatte ich schon Zweifel: Will ich wirklich diese Verantwortung übernehmen?" Heute weiß sie: Es gibt immer eine Lösung.


Die größte Herausforderung seien oft die Budgetvorstellungen. "Viele Paare sehen in den sozialen Medien traumhafte Hochzeiten, wissen aber nicht, was Blumen und Dekoration wirklich kosten." Für 100 Personen solle man mit mindestens 40.000 Euro rechnen. Ihr eigenes Honorar variiert. "Mein günstigstes Paket beginnt bei 7900 Euro. Viele meinen ja, wenn man das Wort 'Hochzeit' in den Mund nimmt, wird automatisch alles teurer." Durch ihre guten Kontakte zu Dienstleistern könne sie oft Rabatte aushandeln. Deren Auswahl sei entscheidend. "Das Netzwerk ist das A und O." Sie sei in der glücklichen Lage, dass sich die meisten bei ihr bewerben. "Jeder muss den Job unheimlich ernst nehmen. Pünktlich sein, abliefern, gute Laune verbreiten." Diese Abhängigkeit von anderen betrachtet Morina als die größte Schwierigkeit an ihrem Beruf. "Wenn die Stylistin trödelt und zu spät fertig ist, dann verschiebt sich alles nach hinten."


Der Trend gehe immer mehr zu nicht-kirchlichen Trauungen, etwa 70 Prozent ihrer Paare entscheiden sich dafür. "Die sind persönlicher, da geht es weniger um den Glauben und mehr um die Geschichte des Paares." Auch sogenannte Destination Weddings, also Hochzeiten im Ausland, werden beliebter. Gerade war sie in Portugal, um mögliche Locations zu erkunden. Da müsse man ein gutes Netzwerk haben. "Im Ausland arbeiten die Menschen anders, sind zeitlich nicht immer so zuverlässig." Damit am großen Tag alles perfekt ist, reist sie mit den Paaren teilweise mehrmals zu den Locations. "Es ist wirklich wichtig, vor Ort zu sein, denn vieles sieht man auf Bildern im Internet nicht." Morina selbst wurde im Kosovo geboren und kam mit fünf Jahren nach Deutschland.

An sich gebe es keine unmöglichen Wünsche für die Hochzeit, solange das Budget stimmt. "Einen Helikopter zu buchen, klingt vielleicht verrückt, ist aber nicht unmöglich. Und eine Kutsche oder ein Schloss als Hochzeitslocation, das ist superleicht." Jedes Jahr gebe es neue Trends, seien es nachhaltige Hochzeiten, Hochzeiten im Ausland oder bestimmte Farbkombinationen. Ihr Geschäftsmodell hat sie weiterentwickelt. Anfangs bot sie noch Workshops für Paare an, die ihre Hochzeit selbst planen wollten. "Das wurde jedoch kaum angenommen." Heute konzentriert sie sich auf die großen, luxuriösen Hochzeiten. Die Nachfrage habe deutlich zugenommen. "Das hat bestimmt auch mit dem ständigen Vergleich in den sozialen Medien zu tun. Meine Schwester hat sich kürzlich verlobt und wurde direkt von all ihren Bekannten angesprochen, ob sie schon jemanden habe, der ihre Hochzeit plane."


Erst wenn gegen 21 Uhr die Party beginnt, kann sich Morina entspannen. Die Betreuung endet jedoch nicht mit dem letzten Tanz. "Nach den Flitterwochen mache ich immer ein Feedback-Gespräch." Sie koordiniere die Foto- und Videoabgabe und helfe auf Wunsch bei den Dankeskarten. "Am Tag nach der Hochzeit bin ich meist auch noch da, schaue, ob die Gäste Hilfe bei der Abreise brauchen. Man betreut ja nicht nur das Brautpaar, sondern immer auch die Gäste mit."


Die Entscheidung für diesen Beruf kam während der Corona-Pandemie, als Morina, die als Assistentin in einem Konzern arbeitete, in Kurzarbeit gehen musste. "Ich hatte Lust, etwas Neues auszuprobieren, und entschied mich dafür, eine dreimonatige Ausbildung zur Hochzeitsplanerin zu machen. Mein ganzes Umfeld sagte mir: 'Das ist der geborene Job für dich.'" Nach jeder Hochzeit schwebe sie noch tagelang im siebten Himmel, gesteht sie. Dann wird ihre Stimme ernst: "Man muss schon eine starke Persönlichkeit haben für diesen Job. Als Hochzeitsplanerin ist man ein bisschen Beraterin, Psychologin und Freundin in einem." Ihre eigene Hochzeit habe sie noch nicht konzipiert. "In naher Zukunft ist das aktuell auch nicht geplant."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.05.2025, S. 26 - Nora Scharmann, Deutsche Schule zu Porto

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