Völlig losgelöst von der Erde

Der erste Portugiese flog 2022 mit Blue Origin für zehn Minuten ins All


5, 4, 3, 2, 1. . . mit hoher Geschwindigkeit fliegt Mário Ferreira in den Himmel. Seine Frau winkt ihm ein letztes Mal zu, bevor er aus ihren Augen verschwindet. Ferreira stürzt sich am

4. August 2022 ins Weltall und sieht nach vier Minuten die Erde von oben. "Ich wollte der erste Portugiese sein, der die Welt mit der portugiesischen Flagge fotografiert." Sein Bild aus dem Weltraum mit der Erdkugel im Hinter- und der portugiesischen Flagge im Vordergrund kennt jeder Portugiese. Der erfolgreiche Geschäftsmann wollte wissen, wie es ist, mit einer Rakete zu fliegen. Jahre zuvor plante er, mit dem Unternehmen Virgin Galactic zu fliegen, daraus sei nichts geworden. Nun ist er mit Blue Origin, einem von Jeff Bezos gegründeten Unternehmen, und mit der "New Shepard" abgehoben. "Seit ich Kind war, wollte ich einmal in einem Hubschrauber fliegen. Dieses Ziel hatte ich schnell erreicht, dann ist da mit der Zeit der Wunsch entstanden, noch weiter nach oben zu fliegen."


Ferreira gründete 1993 das Flusskreuzfahrtunternehmen Douro Azul. Mit den Schiffen kann man auf dem Douro bis an die spanische Grenze fahren und die Weingebiete bewundern. Später kam das Geschäft auf den Meeren und Ozeanen hinzu. Mit der Marke "Mystic Cruises" bietet er Schiffsreisen in die Karibik, die Arktis und die Antarktis an.


"Die Vorbereitung auf den Weltraumflug dauerte lange, und man musste viele Atemtechniken erlernen. Natürlich ist es für Raucher und Alkoholiker schwieriger, aber für mich war es kein Problem. Mit dem Training, das wir durchführen mussten, sollten wir lernen, nicht in Panik zu geraten, wenn wir in der Rakete sitzen. Es wurde getestet, dass wir keine Herzprobleme haben oder andere Gesundheitsprobleme." Der 56-Jährige erinnert sich an alle Details. Seine Augen leuchten, während er von seinem Abenteuer erzählt. Er flog mit fünf anderen. "Ich kannte sie zuvor nicht. Wir mussten eine Zeit lang in der Rakete sitzen, bis es so weit war, und haben uns in dieser Zeit viel unterhalten und gelacht." Das waren drei Amerikaner, ein Engländer und die erste ägyptische Frau, die in den Weltraum flog, Sara Sabry. Ferreiras Familie, seine zwei Töchter und Frau, ist mit ihm nach Texas geflogen, wo die Rakete von der Weltraumbasis Corn Ranch gestartet wurde. Der Flug dauerte zehn Minuten, die Passagiere flogen 100 Kilometer ins All. Alle waren aufgeregt, jedoch hatte keiner Angst, meint Ferreira. Die Familie war besorgt, doch alle wussten, dass nichts Schlimmes passieren würde, da es der sechste Flug dieses Unternehmens war. "Die letzten Minuten vor dem Abflug waren die ruhigsten. Ich ging noch mal in mich in und dachte an mein Leben. Dann kam der Countdown. Das waren die stressigsten Momente.

Wir hatten einen Bildschirm vor uns, auf den wir schauen mussten. Es gab keinen ausgebildeten Astronauten mit an Bord. Den Passagieren wurde vor dem Flug alles ausführlich erklärt. Wir wurden gewarnt: Wenn nach dem Countdown ein rotes Licht auftauchen würde, müssten wir uns schnell abschnallen und rauslaufen. Aber Gott sei Dank kam nichts, also flogen wir los. Nach vier Minuten konnten wir unseren schönen Planeten von oben betrachten. Wir hatten keine Gravitation und schwebten in dem kleinen Raum herum. Das war ein Gefühl, das man sonst nie erlebt."


Dann ging es auch schon wieder runter. "Die Landung war nicht besonders turbulent, da man mit einem Art Fallschirm runterfliegt. Wir kamen problemlos zurück auf die Erde. Die Tür ging auf, und wir konnten aussteigen. Meine Frau umarmte mich. Nach und nach verschwand das Adrenalin, und ich realisierte, was gerade passiert ist." Er habe so viel Durst gehabt, dass er zwei ganze Flaschen Wasser austrank. Abends gab es eine Party. "Wenn meine Frau oder meine vier Kinder eines Tages sagen werden, dass sie irgendwann auch mal ins Weltall fliegen wollen, werde ich sie dabei unterstützen. Ich bin fest davon überzeugt, dass in den nächsten 30 bis 50 Jahren derartige Weltraumflüge dorthin normal sein werden." Ferreira strahlt und meint, er habe alle seine Träume und Ziele erreicht.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.03.2025, S. 26 - Anastasia Strohmeier Deutsche Schule zu Porto

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