Ein Heim ist kein Zuhause - Alltag in einem Tierasyl im Ostalbkreis
Das Vogelgezwitscher wird von lautem Bellen übertönt, wenn man das Gelände des Tierheims Dreherhof in Aalen im Ostalbkreis, etwa 80 Kilometer östlich von Stuttgart, betritt. Neben weiteren vier Tierpflegern kümmern sich Conny Wagner und Pascal Feil hier um die Tiere - von klein bis groß. Das liebevoll eingerichtete Umfeld, das größtenteils durch Spenden und Sponsoren finanziert wird, lässt sich besonders in den Katzengehegen bestaunen. Dort ist von Betten über diverse Katzenbaumarten und gut gefüllte Fressnäpfe bis hin zu zahlreichen Katzenklos alles für die flauschigen Freunde vertreten. Und denen scheint das zu gefallen. Denn die Katzen liegen dort in ihren gemütlichen Betten oder in ihrem abgesperrten Außenbereich in der Sonne. Kommt Besuch, so schleichen die Tiere interessiert heran und bestaunen ihn. Nur wenige sind wirklich ängstlich und verkriechen sich.
Bei ihrer Haltung wird besonders auf das Miteinander geachtet. So werden nur Tiere gemeinsam in einem Zimmer gehalten, die miteinander auskommen, etwa das Katzenpaar Shakira und Hunter. Die beiden Bengalkatzen ziehen mit ihrem leopardenartigen Muster alle Blicke auf sich. Das habe aber auch seine Tücken, meint Feil. Denn die beiden seien Freigang gewohnt, was sie zu einer leichten Beute für potentielle Diebe mache. Die Bengalkatzen sind nicht die einzigen, die sehnsüchtig auf ein neues Zuhause warten. Conny Wagner erzählt: "Wir haben Hunde hier schon circa acht Jahre. Und eine Katze, die zuletzt zum Glück einen Besitzer gefunden hat, war bei uns 13 Jahre lang."
Feil steht mit ganzem Herzen hinter dem, was er macht. So hat er selbst einen Hund aus dem Tierheim zu sich nach Hause in Pflege genommen - und das ganz kurzfristig, weil das Tierheim ausgelastet gewesen sei. Privat hält er bereits einen Hund und eine Katze, von denen er mit einem Strahlen berichtet.
18 Hunde leben unter dem Dach des Tierheims, das 1981 in der Trägerschaft des Ostalbkreises erbaut wurde und durch den Tierschutzverein Ostalb e. V. betrieben wird. Zu den täglichen Aufgaben der beiden Tierpfleger gehöre es, mit den Hunden Gassi zu gehen. Zwar gibt es Freiwillige, die mit den Tieren regelmäßig die ländliche Gegend erkunden, jedoch gibt es auch Sorgenkinder, die nur von erfahrenen Tierpflegern wie Conny, spezialisiert für die Hunde, und Pascal geführt werden können. Eines von ihnen ist Coco. Der Rüde sei von seinem Besitzer misshandelt worden. Das führte zu Beißattacken, das ständige Beißen führte schließlich dazu, dass der Hund abgegeben wurde. Traurig erzählt Pascal, dass der Vierbeiner so gut wie keine Chance habe, adoptiert zu werden. "Es gibt keine Kampfhunde von Natur aus, sondern die Menschen machen sie erst durch falsche Erziehung zu welchen", sagt er.
Nicht jeder Hund, der im Tierheim lande, sei automatisch ein Problemhund. Connys Ansicht nach "gibt es keine Problemtiere, sondern Problemhalter", es sei ja bekannt, "dass das Problem nicht vor, sondern hinter der Leine ist". Das gelte für alle anderen Tiere auch. Die meisten hätten Potential, ein treuer Begleiter zu werden und die Grundbefehle zu beherrschen. Es müsse nur Vertrauen geschaffen werden und Geduld vorhanden sein, meint die Vermittlungsbeauftragte. Deshalb steht ein weiterer Punkt auf der Tagesliste, das spezialisierte Arbeiten mit den Hunden, auch um Unsicherheiten zu beseitigen. Conny Wagner berichtet von Onlineverkaufsseiten, bei denen der Käufer oft nicht ausreichend informiert über das Tier sei und dies zur Überforderung und Abgabe des Tieres führe. Ein Fall sei ihr besonders nahegegangen. Eine Deutsche Dogge sei zwei Jahre lang schwer misshandelt und ausgehungert worden und dann nach zwei Tagen im Tierheim gestorben.
"Ich kenne das Tierheim von klein auf." Ihr Vater Hans Wagner leite es seit über 40 Jahren "mit Herzblut". Am Ende des Tages sei es ein Geschenk, wenn ein Hund glücklich vermittelt werde, denn trotz all der Bemühungen im Tierheim sei es eben "immer noch ein Heim und kein Zuhause, egal wie viel Mühe wir uns hier geben". Die Dankbarkeit der Tiere gebe ihr alles zurück, meint Conny mit einem Welpen auf dem Arm, der sich sichtlich wohlfühlt. "Das kriegst du von keinem Menschen, so eine Dankbarkeit und Wertschätzung."